Städteregion: Mehrheit befürwortet Nutzung erneuerbarer Energien

Von: Michael Grobusch
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Städteregion. Die große Mehrheit der Menschen in der Städteregion Aachen steht dem Ausbau erneuerbarer Energien positiv gegenüber. Das ist das markante Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (Risp) im Rahmen des Projektes „Regionaler Dialog Energiewende“ (Render) vorgenommen hat.

Die breite Zustimmung – lediglich 9,1 Prozent der 1005 Befragten äußerten sich negativ – erstreckt sich über alle zehn erfassten Kommunen und erfährt auch dann nur eine geringfügige Einschränkung, wenn es um eine mögliche Ansiedlung von Energie gewinnenden Anlagen im persönlichen Wohn- und Lebensumfeld geht.

„Ein Kirchturmdenken, wie es in den energiepolitischen Debatten oftmals angeführt wird, gibt es in der Städteregion nicht“, erklärte Joachim Liesenfeld am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung. Für den Meinungsforscher steht nach der Auswertung fest: „Die Bürger senden mit ihren Antworten ein klares Signal für die Energiewende und für ihre Bereitschaft, sich an dieser auch in ihrer Kommune zu beteiligen.“

Allerdings gibt es an den vorhandenen Möglichkeiten einer solchen Beteiligung deutliche Kritik. „Die Menschen müssen viel früher in die Diskussionen und Planungen eingebunden werden, wenn eine hohe Akzeptanz erreicht werden soll“, betont Liesenfeld. 66,5 Prozent der telefonisch Interviewten reklamierten, dass Entscheidungen im Bereich der erneuerbaren Energien von den Bürgern direkt getroffen werden müssten.

„Das soll nicht heißen, dass alleine die Schevenhütter darüber bestimmen, ob es dort einen Windpark geben wird. Aber ein Votum der Bürgerschaft im Stadtgebiet, in diesem Fall in Stolberg, könnte eine angemessene Form der Entscheidungsfindung oder -vorbereitung sein.“

Um Entscheidungen treffen zu können, bedarf es allerdings einer ausreichenden Information. Die ist, auch das zeigt die Umfrage, weitaus weniger gegeben als angesichts der vielen öffentlichen Diskussionen der vergangenen Monate vermutet werden könnte. Joachim Liesenfeld nennt sie diplomatisch „durchwachsen“. So räumten beispielsweise 62,6 Prozent aller Befragten ein, noch nichts von dem möglichen Bau von Windrädern in Schevenhütte gehört zu haben.

Und selbst im Raum Stolberg-Eschweiler war 40,2 Prozent das Projekt nicht bekannt. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim geplanten Windpark im Münsterwald zwischen Aachen und Roetgen, der lediglich 48,9 Prozent der Befragten ein Begriff war. Im Aachener Stadtgebiet fiel das Ergebnis mit 56 Prozent nicht wesentlich besser aus, im Südkreis hingegen wussten immerhin gut zwei Drittel (67,4 Prozent) etwas von dem Vorhaben.

Auffällige Abweichungen bei den insgesamt fünf konkret genannten Projekten – dazu gehören auch der im Sommer 2013 verworfene Plan zum Bau eines Pumpspeicherwerks am Rursee sowie der 2012 eröffnete Solarpark in Herzogenrath – gibt es alleine bei der Campusbahn, die bei der Befragung einen Bekanntheitsgrad von insgesamt 76,4 und in der Stadt Aachen von 87,9 Prozent erreicht. Sie hatte jedoch auch in der Städteregion über Monate im öffentlichen Fokus gestanden und war schließlich im März 2013 in der Stadt Aachen per Bürgerentscheid abgelehnt worden.

Bei der Bewertung schneiden alle Formen der Erzeugung von regenerativer Energie positiv ab. Die größte Zustimmung erhält mit 81,7 Prozent der Bau von Photovoltaik- und Solaranlagen auf Freiflächen, 75,9 Prozent der Befragten befürworten weitere Windkraftanlagen, Biomasseanlagen erreichen hingegen nur 51,7 Prozent. Als Hauptargumente gegen solche Anlagen wurden der hohe Flächenverbrauch (Solar), die Geräuschbelästigung und Beeinträchtigung des Landschaftsbildes (Wind) sowie die Geruchsproblematik (Biogas) angeführt.

An der überaus positiven Gesamtbewertung der Energiewende in der Städteregion ändert dies nach Ansicht von Meinungsforscher Joachim Liesenfeld allerdings nichts: „Die befragten Frauen und Männer haben eine hohe Identifikation mit der Städteregion als forschungs- und technologieorientiertem Lebens- und Arbeitsraum. Die breite Befürwortung der Energiewende passt zu dieser Einschätzung.“

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