Städteregion bewirbt sich für Führungsrolle

Von: Jutta Geese
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Dr. Eva Häusler wirbt dafür, dass die Städteregion eine koordinierende Rolle bei der Beantragung von Mitteln und der Umsetzung von Projekten zur Prävention und Gesundheitsförderung übernehmen darf. Foto: J. Geese

Städteregion. Vorbeugen ist besser als heilen, sagt der Volksmund. Gesundheitsförderung ist kostengünstiger als Krankheitsheilung, haben die Akteure im Gesundheitswesen inzwischen erkannt: 2015 ist das Bundespräventionsgesetz in Kraft getreten.

„Nach sehr, sehr zähem Ringen“, wie Dr. Eva Häusler sagt. „Die gesetzlichen Krankenkassen sind jetzt in der Pflicht, eine festgelegte Summe für die Gesundheitsförderung bereitzustellen.“ Einzelheiten sollen Landesrahmenvereinbarungen regeln.

In Nordrhein-Westfalen ist eine solche vor gut einem Jahr zwischen Sozialversicherungsträgern, der Bundesagentur für Arbeit sowie den zuständigen Ministerien abgeschlossen worden. Nicht beteiligt war der öffentliche Gesundheitsdienst, was die Leiterin des Teams „Prävention und Gesundheitsförderung“ im städteregionalen Gesundheitsamt „ein bisschen schade“ findet. Häusler hofft aber, dass die Städteregion Modellkommune in Sachen Koordination von Förderanträgen wird. Am Freitag stellt sie im Gesundheitsamt in Aachen einer Delegation des Landeszentrums Gesundheit NRW vor, was hier in Sachen Prävention schon seit vielen Jahren gut funktioniert.

Sieben Euro pro gesetzlich Versichertem – die privaten Krankenkassen können sich freiwillig beteiligen, tun es aber derzeit nicht – müssen die gesetzlichen Krankenkassen pro Jahr für Prävention ausgeben, davon drei Euro für individuelle Gesundheitsförderung und je zwei für die betriebliche Prävention und die Gesundheitsförderung in sogenannten nicht-betrieblichen Lebenswelten wie Kitas, Schulen und Kommunen. „Für uns ist der letzte Bereich der wichtigste“, sagt Häusler.

Um wie viel Geld es da insgesamt geht und ob dieses nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, der wird gefördert“ oder nach regionalem Proporz verteilt wird, ist nicht klar. Gefördert werden sollen aus dem Topf jedenfalls Projekte, die sich an den jeweiligen regionalen Bedarfen orientieren. Aber das Antragsverfahren ist auf Landesebene zentralisiert. Eine Steuerungsgruppe entscheidet über die Projektanträge. Dabei soll sie Experten, auch aus den Regionen, einbinden.

„Wir sind da sehr weit vorn“

Hier sieht das Gesundheitsamt einen Ansatzpunkt. „Wir glauben, dass wir aufgrund unserer Erfahrungen sehr gut geeignet sind, eine koordinierende Rolle für die Städteregion zu übernehmen“, sagt Häusler. So arbeite das Team Prävention und Gesundheitsförderung schon seit dem Jahr 2004. Das sei landesweit eher die Ausnahme als die Regel in Gesundheitsämtern. Vorgeschrieben sei ein solches Team nämlich nicht, nur die Prävention ist ein Muss. „Wir sind da sehr weit vorn“, sagt Häusler.

Entsprechend verfügt ihr Team über viel Erfahrung mit der Entwicklung, Umsetzung und auch Auswertung von Projekten. „Und wir sind gut vernetzt, von der Kita über die Schule bis hin zu Seniorenheimen und auch im psychosozialen Bereich“, sagt die Kinder- und Jugendmedizinerin.

Außerdem verfüge das Gesundheitsamt über „einen riesigen Datenschatz“, resultierend aus den jährlichen Schuleingangsuntersuchungen. Zusammen mit den Daten aus den kommunalen Gesundheitsberichten, die alle auch in die integrierte Sozialplanung der Städteregion einfließen, sei dies eine gute Basis für die Präventionsarbeit. „Wir wissen, wo Gesundheitsförderung besonders wichtig ist und welche Angebote wo fehlen. Und wir wollen, dass die Gelder dorthin kommen, wo Bedarf ist.“

Gut geeignet als regionale Koordinierungsstelle ist das Gesundheitsamt laut Häusler auch, weil es ein neutraler Partner und weder Finanzier noch Antragsteller ist. „Uns geht es darum, nachhaltige Präventionsketten aufzubauen, von den Kitas bis zu den Altenheimen.“ Es bringe aber nichts, den Kitas oder Schulen etwas überzustülpen.

Das Jugendamt der Stadt Aachen hat schon Interesse an einer Kooperation bekundet, sagt Häusler. Den Krankenkassen auf Landesebene liegt die Bewerbung des städteregionalen Gesundheitsamtes als Koordinierungsstelle seit geraumer Zeit schriftlich vor. Am Freitag nun wird Häusler ihr Konzept zusammen mit Thilo Koch, dem Geschäftsführer der städteregionalen Gesundheitskonferenz, den Vertretern des Landeszentrums Gesundheit erläutern. Deren Entscheidung wird nicht nur sie mit Spannung erwarten.

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