Städten fehlen tausende Wohnungen

Von: Jutta Geese
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Wohnungsnot: Nicht nur für Flüchtlinge müssen schnell Wohnungen her. Viele Menschen mit geringem Einkommen oder Familien mit mehreren Kindern benötigen auch in der Städteregion dringend ein bezahlbares Zuhause. Foto: stock/Kai Horstmann
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So etwas will niemand in der Städteregion als Dauerlösung: Wohncontainer für Flüchtlinge wie hier in Berlin-Marzahn. Foto: stock/Christian Mang

Städteregion. Fehlen in der Städteregion allein für Flüchtlinge in diesem Jahr 2640 Wohnungen? Mit dieser Zahl ist das Pestel-Institut Hannover in dieser Woche an die Öffentlichkeit getreten. Bei der Berechnung ging das Institut davon aus, dass rund 6600 Flüchtlingen im Laufe dieses Jahres in die Städteregion kommen werden.

Insgesamt steige der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen – nicht nur für Flüchtlinge – in Aachen und den neun früheren Kreiskommunen im laufenden Jahr auf 4470. Fertiggestellt würden im Schnitt pro Jahr aber nur rund 1120 Wohnungen, heißt es in der aktuellen Wohnungsmarktanalyse des Instituts. Die Studie in Auftrag gegeben hatte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt gemeinsam mit Verbänden der Bauwirtschaft und Architekten.

Bestätigen mochte am Donnerstag niemand in der Städteregionsverwaltung diese Zahlen, aber auch nicht dementieren. Nur so viel wollte Städteregionssprecher Detlef Funken sagen: „Aktuell haben wir mehr als 3000 Erstaufnahmeplätze für Flüchtlinge.“ Realistischerweise müsse man davon ausgehen, dass die Zahl derer, die ins Asylverfahren kommen und dann den Kommunen zugewiesen werden, etwa gleich hoch sein werde.

„Das ist alles sehr kompliziert“

Fakt aber ist: Es fehlt an bezahlbaren Wohnungen und an Bauherren, die bereit sind, in solche zu investieren – und das in allen zehn Kommunen der Städteregion. Wohnungen werden gebraucht nicht nur, aber eben auch für eine noch nicht vorhersehbare Zahl von zugewiesenen Flüchtlingen im Asylverfahren und solche, deren Verfahren mit der Anerkennung abgeschlossen ist und die dauerhaft bleiben. Letztere können frei über ihren Wohnort entscheiden, ob sie dann in der Städteregion bleiben oder nicht, kann aber niemand seriös vorhersagen.

„Das ist alles sehr kompliziert“, sagte Uwe Zink, Baudezernent der Städteregion, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir werden mit Zwischenlösungen leben müssen.“ Die Städteregion könne nur flankierend tätig werden. Die Kommunen seien hier gefordert, müssten leerstehende Gebäude benennen oder auch Grundstücke, auf denen kurzfristig gebaut werden könne.

Am Donnerstag hat sich deshalb die städteregionale (Ober-)Bürgermeisterkonferenz mit diesem Thema eingehend beschäftigt. Beschlossen hat sie noch nichts, erst einmal Erfahrungen ausgetauscht über die jeweilige kommunale Situation. „Wichtig für uns alle ist: Wir stehen zu unserer Verantwortung. Wir müssen kurzfristig Lösungen finden, aber auch mittelfristige Konzepte entwickeln“, sagte Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, derzeit Sprecher der Bürgermeisterkonferenz, am Donnerstag auf Anfrage.

Dabei sind sich laut Hermanns alle einig: „Container werden von uns nicht präferiert.“ Stattdessen setzen die Bürgermeister offenbar darauf, neu zu bauen. Dezentral, und möglichst so, dass die Wohnungsgrößen problemlos und kostengünstig den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden können. Jedenfalls haben Prof. Dr. Axel Thomas, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft für die Städteregion, und Zink den Bürgermeistern und Städteregionsrat Helmut Etschenberg ein solches Konzept vorgestellt.

Demnach könnten relativ kurzfristig – Zink spricht von einem halben Jahr – Häuser in Massivbauweise errichtet werden mit 15 Quadratmeter großen Wohneinheiten, die, wenn sich der Bedarf später ändert, zu bis zu 90 Quadratmeter großen Wohnungen „umgebaut“ werden können. „Betriebswirtschaftlich würde man sagen: Das muss man in großen Einheiten machen, weil es so kostengünstiger zu verwirklichen ist“, erklärt Thomas. „Soziologisch sind solche großen Einheiten aber nicht sinnvoll.“ Als „guten Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und Integration“ hält er Häuser mit 24 bis 30 Wohneinheiten für machbar.

Die Baukosten setzt er mit 1600 Euro je Quadratmeter an. „Das ist zwar ehrgeizig, aber machbar“, meint er. Und dafür bekomme man gute Qualität, mindestens 16 Jahre würden solche schlichten Massivbauten halten, Wohncontainer seien dagegen schon nach fünf Jahren „abgewohnt“. Und auch nicht gerade billig, so man denn überhaupt noch welche bekommt. „Der Quadratmeterpreis für solche Container liegt derzeit bei etwa 1200 Euro“, sagt Thomas. Innerhalb eines Jahres sei er um das vierfache gestiegen. Aber Container als Dauerlösung will in der Städteregion ja ohnehin niemand.

Offen ist allerdings, wie solche Neubauten finanziert werden können. Vom Land gibt es derzeit attraktive Fördertöpfe, die auch einen Tilgungsnachlass beinhalten. „Die Stadt Aachen könnte 35 Prozent Tilgungsnachlass bekommen, Simmerath 15 bis 20 Prozent“, sagt Thomas. Das hänge von der jeweiligen Situation vor Ort ab. Das müssten die Kommunen jeweils für sich prüfen. Thomas kann sich vorstellen, dass seine Wohnungsbaugesellschaft im Auftrag der Kommunen oder auch nur einzelner aktiv wird.

Die Bürgermeister wollen jedenfalls rasch handeln, sagte ihr Sprecher Hermanns auf Anfrage. Noch vor der Weihnachtspause wollen sie sich erneut treffen und über Lösungsmöglichkeiten sprechen. Bis dahin, so haben sie am Donnerstag verabredet, werden sie nach geeigneten Grundstücken in ihren Kommunen schauen und sich über Finanzierungsmodalitäten informieren.

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