Stadt wehrt sich gegen ein NPD-Zentrum

Von: Robert Esser
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Widerstand formiert sich: Inhaber Ralf Elsen will sein Hotel Hesse, das an der Friedlandstraße liegt, an die rechtsextreme NPD verkaufen. Die will dort ein „Schulungszentrum” Foto: Robert Esser

Aachen. Asylbewerber hatte die Stadt im Hotel Hesse an der Friedlandstraße vor 20 Jahren untergebracht. Jetzt will Ralf Elsen, dessen Familie das Drei-Sterne-Haus mit 19 Zimmern, Restaurant und Hofgarten nach eigenen Angaben seit 70 Jahren besitzt, an die rechtsextreme NPD verkaufen.

Deren Mitglieder sollen künftig genau dort schlafen, essen und lernen, wo vor Jahren noch Ausländer auf ihre Aufenthaltsberechtigung warteten. „Ja, es ist wahr. Ich werde 65 Jahre alt, ich will schon seit zwei Jahren aufhören. Ich rechne in Kürze mit dem Abschluss der Verhandlungen”, bestätigte Elsen.

Wie Elsen stammt auch der Chef der hiesigen NPD, Willibert Kunkel, aus Stolberg. Auf seiner Internetseite preist er das Aachener Hotel, das in der Nähe des Marschiertors und kaum 150 Meter vom Hauptbahnhof entfernt liegt, in Wort und Bild an. „Die Finanzierungsfrage habe ich im Vorfeld mit auswärtigen Geldgebern geklärt”, behauptete er gegenüber der AZ.

Die Sorge vor einem neuen Anziehungspunkt für rechtsextremes Publikum wächst nicht nur in der unmittelbaren Nachbarschaft. Der Aachener Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Dirk Deutz, ist doppelt betroffen: als Verbandschef und als Inhaber des Restaurants Altes Zollhaus, das direkt neben dem potenziellen NPD-Quartier beheimatet ist. „In beiden Rollen kann ich mich mit der NPD überhaupt nicht anfreunden”, sagte er.

OB Marcel Philipp stellte indes klar: „In Aachen ist kein Platz für rechtsradikale Kräfte.” Die Verwaltung prüfe jetzt - ohne Hektik, aber mit Nachdruck - welche Werkzeuge gegen das NPD-Vorhaben verfügbar seien. Möglicherweise liege ein Vorkaufsrecht der Stadt vor. Oder die Stadt könne eine etwaige Nutzungsänderung des jetzigen Hotelbetriebs verweigern.

„Das werden wir jetzt ausloten.” Keinesfalls werde man aber als Stadt mit einem eigenen Kaufangebot in horrender Höhe selbst in den Ring steigen. Man lasse sich nicht zum Spielball möglicher Preisspekulationen machen, erklärte Philipp. Gegen die NPD formiert der Stadtrat den parteiübergreifenden Schulterschluss: „Die Fraktionen werden das Thema noch vor dem Wochenende gemeinsam beraten”, sagte der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Helmut Ludwig.

CDU-Fraktionschef Harald Baal erklärte: „Klar ist: Die NPD ist hier nicht erwünscht.” SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Angelika Weinkauf fügte hinzu, dass man alle rechtlichen Optionen von Fachleuten prüfen lasse. FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg sagte: „Ich bin entsetzt! Und ich fürchte, es könnte schwierig werden, den Kauf des Hotels durch die NPD zu verhindern.”

In jüngster Zeit hatte die NPD Kaufinteressen an kleineren Gaststätten in Düren-Merken und am Rande Stolbergs bekundet. Beides scheiterte - auch aufgrund des Einsatzes des Dürener Architekten Werner Wiegand vom „Bündnis gegen Rechts”. Er warnte die Stadt Aachen gestern eindrücklich: Man dürfe weder Opfer von „Luftgeschäften” werden noch neue Vorhaben der NPD unterschätzen. Bestenfalls müsse man dem verkaufswilligen Hotelier Elsen einen anderen Käufer vermitteln. Denn der Eigentümer des Hotels Hesse hatte betont: „Mir ist völlig egal, wer kauft. Hauptsache, er kauft.”
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