„Spurensuche”: Kunstdetektive heben vergessene Schätze

Von: Udo Kals
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Spurensuche im Umzugskarton: Noch ist die Schau nicht fertig. Doch Dr. Nina Mika-Helfmeier (v.l.), Leiterin des Monschauer Kunst- und Kulturzentrums (KuK), sowie Antje Rüter vom Projektbeirat und Ausstellungsdesigner Felix Herten arbeiten mit Hochdruck daran. Foto: Udo Kals

Monschau. Um das Tor in die Vergangenheit aufzustoßen, muss Dr. Nina Mika-Helfmeier nur die Tür zu einer Abstellkammer öffnen.

Nach Jahren der „Detektivarbeit und der liebevollen Restaurierung”, wie die Leiterin des Kunst- und Kulturzentrums (KuK) der Städteregion in Monschau sagt, steht dort in Kisten und Folien verpackt, was schon bald zu sehen sein wird: Holztruhen und Sessel, Zeichnungen und Ölbilder, Zinkkrüge und Tonschalen.

Was zunächst wie ein recht willkürliches Sammelsurium anmutet, erhält schon bald einen roten Faden. Denn am Samstag, 25. September, wird um 17 Uhr für ein Jahr die Ausstellung „Spurensuche” im KuK an der Austraße eröffnet. Untertitel: „Das Archiv der Städteregion Aachen öffnet seine Tore.”

Für Mika-Helfmeier ist diese Schau „die Bewahrung eines Stückes Geschichte” sowie „die Wiederentdeckung und Sicherung fast vergessener Kulturschätze”. Denn die Geschichte des Archivs ist schon eine spezielle - deren Aufarbeitung vor ein paar Jahren übrigens mit der Gründung der Städteregion begann.

Genauer gesagt: „Zur Erstellung einer Eröffnungsbilanz mussten alle Vermögenswerte des damaligen Kreises, die auf die Städteregion übertragen werden sollten, bewertet werden - auch archivale Gegenstände”, erzählt Mika-Helfmeier, für die Anfang 2008 die Spurensuche begann, die bis heute andauert.

Denn: „Wir haben bis heute keine vollständige Liste über die Möbel, Kunst- und Gebrauchsgegenstände, die einst zum Archiv des Kreises gehörten. Durch den Zweiten Weltkrieg und die folgenden Wirren ist vieles verloren gegangen”, sagt Mika-Helfmeier.

Dabei hat das ursprüngliche Heimatmuseum, in dem das Archiv einst untergebracht war, nur wenige Jahre existiert. In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf den Weg gebracht, wurde das Museum am 3. Oktober 1936 unter der Herrschaft der Nationalsozialisten eröffnet und für deren „Heimatidee” instrumentalisiert.

Untergebracht war das Museum in der früheren Reichsabtei in Kornelimünster, das damals zum Kreisgebiet gehörte. Acht Jahre später war das Gebäude durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen: „Die Museumsräume waren fast leer. Die zahlreichen wertvollen Schätze waren, wie es hieß, nach Belgien entführt. Die Akten und vieles andere, auch Mobiliar, war verbrannt worden oder in einem nahegelegenen Fabrikraum vermodert”, notierte der damalige Museumsleiter Dr. Jakob.

70 von 300 Exponaten

Pläne, das Museum wieder einzurichten, scheiterten am Geld. Die Folge: „Vieles verschwand in Archiven, wurde Museen wie dem der Burg Frankenberg oder dem Suermondt-Ludwig in Aachen oder dem Freilichtmuseum in Kommern, sowie Kirchengemeinden und Verwaltungen als Dauerleihgabe überlassen”, sagt Mika-Helfmeier, die mit Hilfe des Projektbeirats um die Restauratoren Stefanie Philipp und Egbert Grofe, der Kunsthistorikerin Sabine Philipp und Antje Rüter „in akribischer Arbeit” einen Teil der Kulturgüter wieder zusammengetragen hat.

Dabei seien „Zeichnungen wegen unsachgemäßer Lagerung in Archivschränken der früheren Kreisverwaltung teilweise in einem miserablen Zustand gewesen”, erzählt die Projektleiterin.

70 von inzwischen 300 Exponate sind nun zu sehen. Dafür verantwortlich ist Felix Herten, für den es „eine große Herausforderung ist, die passenden Exponate auszuwählen und spannend zu präsentieren”. Dabei arbeitet er unter anderem mit Projektionen - etwa bei einem Fresko des Historienmalers Arthur Kampf, von dem nur noch drei Bruchstücke erhalten sind. Das Gesamtbild wird per Beamer auf eine Wand projiziert.

Insgesamt erwarten den Besucher fünf Themenräume. Neben dem Fresko präsentiert die Schau unter dem Titel „Großbilder” einen ganz besonderen Fund: eine Serie von Drucken des Landschaftsmalers Casper Johannes Nepomuk Scheuren aus dem späten 19. Jahrhundert. Im „Aachener Zimmer” werden darüber hinaus die um 1840 entstandenen Entwurfsskizzen Alfred Rethels für die Wandgemälde des Kaisersaals im Aachener Rathaus gezeigt.

Und Mika-Helfmeier verspricht: „Wir arbeiten das Archiv weiter auf. Es wird eine Fortsetzung der Ausstellung geben.” Die jetzige läuft bis zum 30. September 2011, Eintritt frei.
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