Städteregion - Sprachturnier Rotary-Club: Eigene Gedanken auf den Punkt bringen

Sprachturnier Rotary-Club: Eigene Gedanken auf den Punkt bringen

Von: Kristina Toussaint
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Bis Ende November haben die rund 40 Teilnehmer am Sprachturnier noch Zeit, an ihren Reden zu feilen. Dann gilt es, innerhalb von 12 Minuten zu überzeugen – inhaltlich, rhetorisch, mit Mimik, Gestik und Emotionalität. Foto: Matej Kastelic / Colourbox

Städteregion. Vor Publikum frei sprechen, dabei ein Thema für die Zuhörer stringent und verständlich erklären und in angemessener Zeit auf den Punkt bringen: darum kommt im Berufsleben inzwischen fast niemand mehr herum. Um dem Rechnung zu tragen und die Talente junger Rhetorik-Interessierter zu fördern, richten die Rotary-Clubs der Städteregion seit elf Jahren ein Sprachturnier aus.

Schüler der Oberstufen aller Schulformen können sich bis zum 13. Oktober für den Wettbewerb im November anmelden. Das begleitende Programm, bei dem die Teilnehmer sich gemeinsam mit Kommunikationsexperten vorbereiten, startet allerdings bereits diesen Mittwoch, 4. Oktober, mit einer Auftaktveranstaltung im Stadttheater Aachen.

„Für viele ist Kommunikation sehr wichtig für die Karriere, aber generell erwirbt man hier Fähigkeiten, die einem keiner mehr nimmt – und die einem beispielsweise auch in einem Ehrenamt zugute kommen können“, sagt Professor Thomas Niehr vom Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaften an der RWTH.

Er ist Teil des Organisationsteams und begleitet die Vorbereitung der Redner mit einer Rede-Werkstatt am 9. November. „Die Schüler sollen die Kompetenz erwerben, Dinge auf den Punkt zu bringen und ihre eigenen Gedanke frei vorzutragen“, sagt Niehr. Zwar haben viele Jugendliche Angst, vor anderen zu sprechen, da die Schüler aus Eigeninitiative mitmachen, seien viele Teilnehmer jedoch bereits sehr versiert.

„Was die Jugendlichen hier inzwischen zeigen – das hätten wir früher so nicht gekonnt“, sagt Professor Walter Eversheim anerkennend. Der gelernte Maschinenbauer war 2006 Mitinitiator des ersten Aachener Sprachturniers. Inzwischen hat er das Zepter der aktiven Organisation weitergereicht, freut sich jedoch, in diesem Jahr als Schirmherr dabei zu sein.

Es sei beeindruckend, wie gut die Schüler sich einarbeiten und dann in den frei vorgetragenen Reden ihre Themen auf den Punkt bringen und mit passenden Zitaten aus der entsprechenden Fachliteratur ergänzen. Er selbst habe das nie gelernt, sagt Eversheim. Aufgewachsen in Büsbach, habe er zu Hause und mit den Schulfreunden nur Plattdeutsch gesprochen. „Als ich dann im Studium mein erstes Repetitorium gehalten habe, musste ich Deutsch wie eine Fremdsprache lernen.“ In seinem bewegten Berufsleben habe er dann irgendwann Übung darin gehabt, vor anderen zu sprechen.

Spickzettel erlaubt

Beim Sprachturnier sind allein Spickzettel erlaubt, abgelesen wird nichts, an einer Powerpoint-Präsentation dürfen sich die Teilnehmer auch nicht entlang hangeln. Fundiertes Hintergrundwissen zum Thema des Vortrags ist also erforderlich. Die Redner haben dabei die Wahl zwischen drei Themen. Bei der Entscheidung für das Thema Populismus soll herausgestellt werden, inwiefern dieser Ausdruck einer verunsicherten Gesellschaft ist.

Außerdem zur Wahl stehen die Themen Jugendsprache sowie selbstfahrende Autos, Drohnen und Roboter. Bei letzterem Thema soll insbesondere differenziert werden zwischen Fortschritt und Risiko, zwischen der Faszination für die Technik und dem ethischen Aspekt.

Bewertet werden die Reden der rund 30 bis 40 Schüler von einer Jury, die sich aus jeweils zwei Mitgliedern der sechs beteiligten Rotary-Clubs – neben den fünf Aachener Clubs ist das jener aus Monschau/Nordeifel – zusammensetzt. Anhand eines Bewertungsschemas werden Punkte in acht verschiedenen Kategorien vergeben. Neben der Beherrschung des Themas und dem sprachlichen Ausdruck fallen auch die Überzeugungskraft, der Einsatz von Gestik und Mimik und die Zuwendung zum Hörer ins Gewicht.

Zum Wettbewerb aufgerufen sind alle Oberstufen der umliegenden Gymnasien, Berufskollegs und Gesamtschulen. Neben zahlreichen Schulen aus Aachen sind daher auch Schüler aus Eschweiler und Stolberg vertreten.

„Es ist wirklich schön zu sehen, wie gut die Schüler dann tatsächlich sind“, sagt Niehr. Nachdem in den Vorjahren „Meisterredner“ zu Besuch kamen, um bei der Auftaktveranstaltung zu sprechen, werden seit dem vergangenen Wettbewerb im Jahr 2015 die Sieger der Vorjahre eingeladen. So wird am 13. Oktober nicht Frank Plasberg oder Jürgen Linden den Teilnehmern zeigen, wie es geht, sondern junge Menschen, die selbst erst vor zwei Jahren von normalen Schülern zu überzeugenden Rednern gewachsen sind.

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