Städteregion - „Speed-Dating”: Jobcenter führt Arbeitslose und Arbeitgeber zusammen

„Speed-Dating”: Jobcenter führt Arbeitslose und Arbeitgeber zusammen

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
Zwei gute Angebote: Martin Daw
Zwei gute Angebote: Martin Dawidowski, hier mit Freundin Rebecca, beim „Job-Speed-Dating”.

Städteregion. Der angespannte Ausdruck in Martin Dawidowskis Gesicht ist einem Lächeln gewichen. Heute fühlt er sich wie ein Überflieger, wie ein Gewinner. Das war nicht immer so im noch jungen Leben des 23-Jährigen.

Gerade hat er sechs Vorstellungsgespräche hinter sich gebracht, in gerade einmal anderthalb Stunden. Dank „Job-Speed-Dating” ist das möglich. Um Unternehmen mit Personalmangel und Arbeitsuchende zusammenzubringen, hat der TÜV Nord Bildung im Auftrag des Jobcenters der Städteregion zum ersten „Date”, also Treffen, in das Stolberger Museum Zinkhütter Hof eingeladen. Beim „Speed-Dating” geht es im ursprünglichen Sinn darum, schnell neue Flirt-, Beziehungspartner oder Geschäftskontakte zu finden. Oder eben eine neue Arbeitsstelle. Es geht Schlag auf Schlag, alle zehn Minuten ein neues Vorstellungsgespräch bei 30 anwesenden Unternehmen - einer Mischung aus Zeitarbeits- und Personalvermittlungsfirmen, aber auch „regulären” Arbeitgebern.

Jeder Fünfte mit einem Angebot

Ein lauter Glockenschlag läutet den Wechsel ein, für den fünf Minuten Zeit bleiben. „Viele Bewerber schaffen es gar nicht erst zum klassischen Vorstellungsgespräch, weil sie mit ihrem Lebenslauf durch das Raster fallen”, erklärt Hermann Oecking. Hier sei es anders. Beide Seiten kommen zusammen, und jeder Fünfte gehe mit einem Angebot raus, „das ist doch toll”, meint der Geschäftsführer von TÜV Nord Bildung.

Eine konkrete Stellenzusage hat Martin Dawidowski zwar noch nicht, aber nach seinen sechs Stationen immerhin zwei gute Angebote. Ein Personaldienstleister nennt ihm eine Ansprechpartnerin bei Saint Gobain, dort soll er sich nächste Woche vorstellen. Der Vertreter einer anderen Dienstleistungsfirma wird noch konkreter: Einstellungstest bei Continental. „Damit habe ich nicht gerechnet”, gibt Martin zu. So zurückhaltend wie beim ersten Vorstellungsgespräch ist er längst nicht mehr, die Worte sprudeln geradezu aus ihm heraus.

In der ersten Runde scheitert der junge Mann auch schon an etwas ziemlich Grundsätzlichem: Er hat kein Auto. Noch nicht mal einen Führerschein. In seiner Kurzbewerbung, die er den potenziellen Arbeitgebern vorlegt, steht, dass er als Lager- und Produktionshelfer tätig werden möchte - ohne Gabelstaplerschein geht auch das natürlich nicht. Hier darf Kurt Rieder, Teamleiter Projektentwicklung beim Jobcenter, ausnahmsweise eingreifen: „Das wäre kein Problem. Für den Gabelstaplerschein könnten wir ihn nächste Woche anmelden, und auch den Führerschein würden wir finanzieren bei einer Einstellungszusage.”

Martin Dawidowski war Schüler an der Stolberger Regenbogenschule, eine Förderschule mit Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung”. Den Hauptschulabschluss hat er gemacht, nach einem langen Praktikum im Metallbau hat er die Ausbildung zum Maler und Lackierer begonnen, aber aus gesundheitlichen wie persönlichen Gründen nicht beenden können. In diese Berufsbranche möchte der 23-Jährige auch nicht mehr zurückkehren. Seit einiger Zeit ist er Arbeitslosengeld-Bezieher. Das allerdings will er definitiv ändern.

Mit ihm sind 162 Kunden des Jobcenters ins Industriemuseum gekommen, alle mit der Hoffnung, endlich einen neuen Job zu finden. Die meisten tragen Alltags- oder Bürokleidung, manche ein Sakko, einige sogar einen Anzug. Martin ist sportlich angezogen, weiße Turnschuhe, Jeans, dunkles Shirt, die Frisur sitzt - mit seinem Äußeren hinterlässt er schon mal einen guten Eindruck. „Die Teilnehmer werden im Vorfeld auf diese besondere Veranstaltungsform vorbereitet: Mit Hilfe professioneller Jobcoaches, Fachdozenten und Trainer erstellen sie aktuelle Bewerbungsunterlagen in Form eines Bewerbungsflyers und üben gezielt ihre kommunikativen Kompetenzen ein. Sie erhalten außerdem Informationen über den regionalen Arbeitsmarkt sowie über die Unternehmen, die geeignetes Personal suchen”, sagt Horst Mendez vom Jobcenter. „Jeder Bewerber kommt hier hochmotiviert hin”, ergänzt Veranstaltungsorganisatorin Renate Buxbaum-Calin.

Martin Dawidowski ist sichtlich entspannt. Mit seiner Freundin Rebecca möchte er einen schönen Abend verbringen. Und mehr noch: „Wenn ich jetzt eine vernünftige Arbeitsstelle und kein Arbeitslosengeld mehr bekomme, können wir endlich auch Geld zur Seite legen. Rebecca und ich, wir wollen nämlich heiraten!”

Weitere Termine in Aachen und Alsdorf

Auf die Stolberger Veranstaltung folgt am Mittwoch, 17. Oktober, das Job-Speed-Dating Aachen (Tivoli) für weitere 280 Arbeitsuchende. Einen Monat später, am Mittwoch, 21. November, findet die noch recht junge Form der Arbeitsvermittlung in der Alsdorfer Stadthalle statt.

Für beide Veranstaltungen, die für alle Teilnehmer kostenlos sind, können sich interessierte Unternehmen beim TÜV Nord Bildung auch kurzfristig noch anmelden. Kontakt: Christiane Schwiderski, Telefon 02402/125103 oder Mail: cschwiderski@tuev-nord.de

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert