Sparkasse: Girokonten werden im neuen Jahr teurer

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
13163863.jpg
Eine wirtschaftliche Schieflage soll vermieden werden: Weil die Zinserträge weiter rückläufig sind, wird die Sparkasse Aachen die Preise für ihre Girokonten zum 1. Januar 2017 erhöhen. Foto: Archiv

Städteregion. Die dauerhafte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die dadurch bedingt rückläufigen Zinsgewinne machen auch der Sparkasse Aachen zunehmend zu schaffen. Das Kreditinstitut hat am Dienstag gegenüber unserer Zeitung angekündigt, die Preise für private und geschäftliche Girokonten zum 1. Januar 2017 „anzupassen“.

Die Preissteigerungen bewegen sich je nach Kontomodell zwischen 50 Cent und 1,25 Euro pro Monat, zudem wird bei einzelnen Modellen die Zahl der kostenfreien Papierüberweisungen eingeschränkt.

Anforderung der Bankenaufsicht

„Das Zinsergebnis als unsere wichtigste Einnahmequelle wird in den kommenden Jahren immer stärker schrumpfen. Entsprechende Planrechnungen, die die Banken unter anderem auf Anforderung der Deutschen Bundesbank erstellen, belegen diese Entwicklung“, stellt Hubert Herpers fest. „Dennoch benötigen auch die Sparkassen Überschüsse in ausreichendem Umfang, damit sie Eigenkapital bilden und so den Anforderungen der Bankenaufsicht genügen können“, erläutert der Vorstandsvorsitzende.

Da „eine Subventionierung aus dem Einlagengeschäft“ quasi nicht mehr gegeben sei, müsse nun auch die Sparkasse Aachen dem Beispiel anderer Kreditinstitute folgen und Preiserhöhungen vornehmen. „Bei einem Großteil der Konten sind die Preise aber seit zehn bis zwölf Jahren unverändert“, betont Herpers.

Fortan soll verstärkt das Verursacherprinzip gelten. Oder wie es Hubert Herpers formuliert: „Die Kosten sollen möglichst dort in Rechnung gestellt werden, wo sie tatsächlich entstehen.“ Das betrifft in erster Linie die rund 290.000 Privatgirokonten, die bei der Sparkasse Aachen geführt werden. „Girokonten beinhalten eine Vielzahl an Leistungen, zum Beispiel den Zahlungsverkehr im In- und Ausland, Daueraufträge, Lastschrifteinzüge, Bargeldabhebung und -einzahlung sowie die Erstellung von Kontoauszügen“, argumentiert der Vorstandsvorsitzende.

„All diese Leistungen benötigen eine komplexe, stabile und sichere Hardware- und Softwareausstattung mit entsprechender Wartung. Oftmals beinhalten sie auch personalintensive manuelle Tätigkeiten. Dies verursacht Kosten, die letztlich durch Einnahmen gedeckt werden müssen.“

Noch im Januar hatte Herpers bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2015 die Ertragslage der Sparkasse Aachen als „überdurchschnittlich“ bezeichnet. „Wir haben damals aber auch darüber berichtet, dass bei anhaltend niedrigem Zinsniveau mit einer weiterhin spürbaren rückläufigen Ertragslage zu rechnen ist“, betont er.

Dieser Entwicklung will die Sparkasse Aachen laut Herpers nicht nur mit Preiserhöhungen begegnen. „Natürlich versuchen wir auch, Abläufe zu optimieren und so Sachkosten und Personalkosten einzusparen. Wenn wir die Mitarbeiterzahl reduzieren, dann geschieht dies über die natürliche Fluktuation. Betriebsbedingte Kündigungen hat es bei der Sparkasse Aachen bisher nicht gegeben und sind auch keineswegs beabsichtigt.“

Und mit Blick auf die derzeit 95 Filialen stellt er fest: „Auch wir prüfen in regelmäßigen Abständen, ob wir noch richtig aufgestellt sind.“ Ob es angesichts der aktuellen Entwicklung in Zukunft zur Schließung einzelner Filialen kommen könnte, ließ der Vorstandsvorsitzende offen.

Klar ist hingegen aus Sicht der Sparkasse Aachen, dass die Niedrigzinsphase vorerst anhalten wird. „Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass die EZB ihre Politik kurzfristig verändert.“ Gleichwohl gebe es einen gewissen Hoffnungsschimmer, da die amerikanische Notenbank für Dezember die Möglichkeit einer leichten Zinsanhebung angedeutet habe.

„Da die Amerikaner in den letzten Jahrzehnten einer Zinserhöhung oftmals mehrere folgen ließen, gibt es zumindest die kleine Hoffnung, dass die EZB für den Fall einer derartigen Entscheidung nicht unbeeindruckt bleiben wird, da ansonsten größere Geldbestände Europa verlassen könnten.“

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert