Sogar Pappteller sind neben den Böllern verboten

Von: Margot Gasper
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Alles was zischt, knallt und Funken sprüht, ist auch ein Fall für die Sprengstoffexperten von der Bezirksregierung. Die Kontrolleure überprüfen stichprobenartig Verkauf und Lagerung. Foto: Heike Lachmann
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Auch in Aachen war der Feuerwerkskontrolleur unterwegs.

Aachen. Seit Dienstag läuft der Countdown vor dem großen Silvester-Spektakel. Drei Tage lang, vom 29. bis 31. Dezember, darf in den Läden Feuerwerk verkauft werden. Damit die explosive Ware ordnungsgemäß an den Mann und die Frau gebracht wird, sind in diesen Tagen auch wieder die Kontrolleure der Bezirksregierung Köln unterwegs.

Sie überprüfen die Lagerung im Großhandel und den Weiterverkauf in den Geschäften. Etwa zwei Dutzend Leute überprüfen vor Silvester bis zu 500 Discounter, Drogeriemärkte, Kaufhäuser, Tankstellen… Sie tun das nur stichprobenartig. Denn allein für die Stadt Aachen sind bei der Bezirksregierung diesmal 219 Verkaufsstellen von Feuerwerk angezeigt worden.

Dienstagmorgen, kurz nach 10 Uhr. Gewerbeamtsrat Christian H. ist heute – unter anderem – in Aachen unterwegs. In einem Discounter steuert er zielstrebig auf den Tisch mit den Raketen, Böllern und Verbundfeuerwerk zu. Die zulässige Nettoexplosivstoffmasse für den Verkaufsraum, 70 Kilo, wird hier bei weitem nicht erreicht. Das sieht er auf den ersten Blick. Die erlaubte Höchstmenge überschreite heutzutage kaum noch ein Laden, erzählt der Kontrolleur. „Früher dagegen waren oft rund 70 Prozent der überprüften Verkaufsstände überlagert.“ Hier trage die intensive Aufklärungsarbeit seiner Behörde Früchte, sagt er. Vermutlich aber auch die drastischen Strafen, die drohen. Denn wer zu viel auf die Verkaufstische packt, macht sich strafbar. Und das wird dann teuer.

Auch beim Feuerschutz gibt’s in dem Discounter nix zu meckern. Der Feuerlöscher steht parat, daneben sogar ein großer Eimer Wasser. „Wasser, das ist super“, lobt der Kontrolleur. „Einen Feuerlöscher können die meisten von uns im Ernstfall ja sowieso nicht bedienen.“ Im Lager macht er gleich die Probe aufs Exempel. In der Tat: Die Mitarbeiterin hantiert etwas ratlos mit dem knallroten Gerät.

Einzelne Waren nimmt der Mann aus Köln sehr genau unter die Lupe. Tragen Batterien, Raketen und Knaller die vorgeschriebene Kennzeichnung? Wo findet man die Prüfnummer der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM-Nummer), das CE-Zeichen, das Gefahrensymbol? Nur damit können Verkäufer und Käufer sicher sein, dass das Feuerwerk für den deutschen Markt zugelassen ist und kein illegales und damit brandgefährliches Zeug über die Ladentheke geht.

Nächste Station in Aachen ist ein Drogeriemarkt. Hier lässt der Kontrolleur einige Stapel Pappteller wegräumen. „Papier brennt gut“, erläutert er. Deshalb fallen die harmlosen Pappteller unter die leicht entzündlichen Waren. Und die haben neben dem Feuerwerk nichts zu suchen.

Der Kontrolleur aus Köln checkt nicht nur Verkaufstische und Lagerbestand, er schaut sich auch die Rettungswege genau an. Denn da gebe es häufiger etwas zu beanstanden. „Dabei ist der Rettungsweg ganz besonders wichtig, wenn Pyrotechnik verkauft wird.“

Feuerlöscher richtig positionieren

Die allermeisten, die Feuerwerk anbieten, machen alles richtig, bis hin zur Schulung des Personals. Regelrechte Straftatbestände, etwa zu viel Pyrotechnik im Verkaufsraum, werden in einem bis fünf Prozent der kontrollierten Läden festgestellt. „Bei 20 bis 30 Prozent der Stichproben stellen wir aber Ordnungswidrigkeiten fest“, sagt Christian H.. Zum Beispiel wenn Rettungswege zugestellt oder nicht richtig ausgeschildert sind. Manchmal muss auch einfach nur der Feuerlöscher anders positioniert oder ein Verkaufsständer zur Seite geschoben werden. „Unser oberstes Ziel ist es schließlich, Sicherheit zu gewährleisten“, sagt der Kontrolleur.

Er kommt an diesem Dienstag noch viel rum im Regierungsbezirk. Von Aachen fährt er weiter Richtung Eifel, bis hinein in den Kreis Euskirchen. Raketen zünden darf Otto Normalverbraucher nur an Silvester und Neujahr. Christian H. dagegen hat neulich schon ordentlich Feuerwerk abgebrannt: auf Kontrollbesuch bei einem großen Feuerwerkshersteller. „Hauptsächlich testen wir da neue Produkte“, erläutert er. Wir überprüfen, ob die Sachen halten, was sie versprechen, und ob sie sicher sind.“

Morgen, am Silvesterabend, wird der Feuerwerkskontrolleur allerdings selbst keine einzige Rakete in den Himmel jagen. „Wenn man das ganze Jahr mit Sprengstoff zu tun hat, ist das nicht so spannend“, sagt der 43-Jährige.

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