So tickt die Jugend der Region

Von: Jutta Geese
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Wir tickt die Jugend in der Städteregion? Das wissen Prof. Dr. Claudia Mayer (2.v.l.)und ihr studentisches Team – im Bild (v.l.)Meik Halka, Almir Sruji, Gordian Geilen, Fabian Pohlmann und Britta Cloesgen – nach der Auswertung von tausenden Fragebögen im Juni.. Foto: Michael Jaspers

Städteregion. Ist es eine bloße Floskel oder steckt mehr dahinter, wenn Parteien und Verwaltungen davon sprechen, dass sie die Bürger mehr in Entscheidungen einbeziehen wollen? Sind Bürger, die sich einmischen, nicht eher lästig als willkommen?

Und wie kann man Bürger – vor allem auch junge – so in Entscheidungsprozesse einbinden, dass sie sich am Ende nicht benutzt fühlen, sondern das Gefühl haben, etwas bewirken zu können? Fragen, mit denen sich Prof. Claudia Mayer und ihre Studenten von der Fachhochschule Aachen seit gut drei Jahren auf Wunsch der Städteregion intensiv beschäftigen.

Hauptprojekt derzeit: eine online-Befragung aller Schulabgänger des laufenden Schuljahres. Hauptziel: herausfinden, wie die Jugend in der Städteregion tickt. „Die Befragung geht deutlich über das Thema Beteiligung hinaus“, sagt Mayer, die gespannt ist, wie viele Fragebögen ihr Team ab Mittwoch auswerten kann. Potenziell wären es 11.000, so viele Jugendliche verlassen in diesem Jahr eine weiterführende Schule, Förderschulen eingeschlossen.

Und die Befragung ist nicht als repräsentative, sondern als Vollerhebung angelegt, erklärt Mayer. „Das gab es in der Region noch nie.“ Bis zum Wochenende hatten immerhin etwa 4000 junge Leute die Fragen beantwortet. Das sind weit mehr, als sich üblicherweise an solchen Umfragen beteiligen, stellt Mayer fest. Hier zahlt sich offenbar die wissenschaftlich fundierte und aufwendige Vorbereitung aus. So musste der Fragebogen einen fünfstufigen Testlauf bestehen, ehe er unters Volk gebracht wurde.

Bis Juni will das FH-Team die Antworten der Jugendlichen auf Fragen zu ihrer Berufs- und Studienwahl, zu ihrem gesellschaftlichen Engagement, zu ihrem Medienkonsum und ihrem Freizeitverhalten auswerten. Das städteregionale Bildungsbüro, Kooperationspartner bei der Befragung, interessiert speziell, ob die Jugendlichen sich ausreichend informiert fühlen, welche Verbesserungsvorschläge für den Übergang von der Schule in den Beruf sie haben und wie sie ganz allgemein auf ihre Schulzeit zurückblicken.

Die Auswertung erfolgt natürlich anonym, betont Mayer. Die Ergebnisse werden für die gesamte Städteregion und für jede Kommune aufbereitet, jeweils nach Schulform und Altersstufe. Und dann heißt es, die richtigen Schlüsse aus der Befragung zu ziehen. „Auf der Grundlage dieser Befragung können wir unter anderem Konzepte für Jugendpartizipation entwickeln“, sagt die FH-Professorin. Und das auf einer deutlich breiteren Datenbasis als bisher.

Eine erste Befragung von rund 1300 Jugendlichen hatte ihr Team bereits im vergangenen Jahr durchgeführt und dabei unter anderem herausgefunden, dass Jugendliche sehr an Beteiligung interessiert sind, und das vor allem in den Bereichen Natur- und Tierschutz sowie Soziales. Allerdings wollen sie nicht in den üblichen Gremienstrukturen aktiv werden, sondern eher projektbezogen.

In fünf Modellkommunen – Alsdorf, Baesweiler, Eschweiler, Herzogenrath und Stolberg – wird derzeit unter dem Slogan „Das geht! Mitdenken, mitreden, mitmischen …“ erprobt, wie Jugendpartizipation gewinnbringend für alle Beteiligten oder auch Betroffenen konzipiert werden muss.

Klares Ziel definieren

Egal ob Bürgerbeteiligung im Allgemeinen oder Jugendpartizipation im Speziellen, wichtig sind laut Prof. Mayer zwei Dinge: Es funktioniert nur, wenn alle Beteiligten auf Augenhöhe miteinander kommunizieren, und es muss ein klares Ziel definiert werden. Und: „Erfolgreich ist man nicht nur, wenn man sein Ziel zu hundert Prozent erreicht. Erfolgreich ist man, wenn man etwas bewirkt, wenn man beispielsweise einen Kompromiss erarbeitet.“

Bürgerbeteiligung erfordere natürlich eine völlig andere Arbeitsweise von Politik und Verwaltung als bisher, sagt Mayer. „Die Gesellschaft heute ist eine andere als die vor 20 Jahren, und sie wird in 20 Jahren wieder anders sein.“ Damit einher gehe, dass sich die Ansprüche an Mitsprache und deren Formen stetig verändern. Was Politik und Verwaltung vor Herausforderungen stelle.

„Sie müssen lernen, dass Bürger nicht hinderlich sind, sondern kreativ an Problemlösungen mitarbeiten wollen“, sagt Mayer. Das sei keineswegs eine Bedrohung der parlamentarischen Demokratie, sondern eine sehr gute Ergänzung.

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