Sigmund Freud trifft einen geheimnisvollen Gast

Von: Grit Schorn
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Aachen. Die Stücke des Franzosen Eric-Emmanuel Schmitt, der inzwischen in Brüssel lebt, sind im Grenzlandtheater schon lange „angesagt”. Die Erfolgsreihe begann vor Jahren mit „Der Freigeist” und „Enigma” und setzte sich vor allem mit „Oskar und die Dame in Rosa” sowie mit „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran” nahtlos fort.

Jetzt folgt mit „Der Besucher” das Stück, mit dem der heutige Erfolgsautor und Dramatiker seinen Durchbruch feierte.

Wie bei den anderen Stücken verwandelt auch dieses Mal Regisseur Paul Bäcker die Sprache Schmitts in spannende Bühnenabenteuer. Kein Wunder, denn Bäcker ist mit seiner französischen Frau Annette auch der deutsche Übersetzer von Schmitts Stücken.

Traurig ist nur, dass Paul Bäcker sich mit dem „Besucher” von der Theaterarbeit verabschiedet. Noch sei nichts endgültig, hofft Intendant Manfred Langner, der seinem Freund und „Hausregisseur” aber natürlich den wohlverdienten Ruhestand in Südfrankreich gönnt.

Die Handlung spielt in Wien im Jahre 1938, in der Wohnung von Sigmund Freud. Der todkranke Forscher und Begründer der Psychoanalyse hat Besuch von der Gestapo bekommen, die Wohnung wurde gefilzt und seine Tochter Anna zum Verhör ins Hotel „Metropol” verschleppt. Der „Anschluss” Österreichs ans Deutsche Reich hat die Nazis in Wien übermächtig werden lassen.

Noch ein Jahr hat der vereinsamte Krebskranke zu leben, bis er im Londoner Exil am 23. September 1939 stirbt. Als unerwartet ein Fremder in Freuds Wohnung erscheint, beginnt eine ungewöhnliche Interaktion. Der Besucher scheint alles über den 82-jährigen Psychoanalytiker zu wissen, Vergangenes wie Zukünftiges. Wer ist dieser Gast: ein Einbrecher, ein eleganter Opernbesucher mit Zylinder oder ein entlaufener Irrenhäusler? Oder aber ist es Gott selbst? Doch der Freigeist Freud hat Gott „abgeschafft”. Vielleicht ist es ja nur ein Streich des von Freud entdeckten Unterbewusstseins?

Raffinierte Volten des 1960 in Lyon geborenen Autors und spannende Dialog-Gefechte wechseln sich ab in diesem „theosophischen Boulevard”, wie Regisseur Bäcker das unterhaltsame Stück nennt, das in Aachen mit einem „freudianischen” Bühnenbild aufwartet, einschließlich der berühmten Couch und einem Stephansdom en miniature. Als Freud ist Volker K. Bauer zu sehen, Lisa Adler spielt Tochter Anna, am Grenzlandtheater in guter Erinnerung aus mehreren Aufführungen („Feelgood”). Steffen Laube, hier ebenfalls kein Unbekannter, verkörpert den „Besucher” und der unverzichtbare Eugen May einen Nazi-Handlanger. Das Stück dauert etwa zwei Stunden inklusive Pause.

„Der Besucher” von Eric-Emmanuel Schmitt hat am Freitag, 23. Januar, Premiere im Grenzlandtheater in der Elisen-Galerie. Beginn 20 Uhr. Karten-Telefon: 0241/4746111. Ab dem 28. Februar ist das Stück auch im Kreisgebiet zu sehen.

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