Sieger im Wettbewerb: Familie Lürkens ist Energiesparmeister

Von: Annika Thee
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Energiesparmeister: Stephanie und Thomas Lürkens sowie ihre Kinder aus Alsdorf haben den städteregionalen Wettbewerb gewonnen. Die Familie spart dauerhaft viel Geld bei Strom- und Heizkosten. Foto: Annika Thee

Städteregion. Vor dem Schlafengehen das Handy vom Ladegerät nehmen oder beim Verlassen des Raumes das Licht ausschalten. Familie Lürkens aus Alsdorf hat damals nicht auf solche Dinge geachtet, aber heute passiert der fünfköpfigen Familie das nicht mehr. Schließlich ist sie Energiesparmeister der Städteregion geworden.

Sie hat es geschafft, innerhalb eines Jahres dank kleiner Verhaltensänderungen 35 Prozent ihrer Stromkosten und sieben Prozent der Heizkosten einzusparen.

Ein Jahr Laufzeit

Geholfen hat Familie Lürkens und den anderen 14 teilnehmenden Familien aus der Städteregion Gerhard Weiß, Energieberater in der Beratungsstelle Alsdorf der Verbraucherzentrale NRW. Der Diplom-Ingenieur ist seit 1995 als Energieberater tätig. Beim Energiesparen macht ihm wohl keiner so schnell etwas vor, hat er doch bereits über 2000 Häuser auf Herz und Nieren geprüft, stets mit dem Anspruch, einen Sparplan zu entwickeln, „der zu den Leuten passt, denn Energieberatung ist immer auch ein gutes Stück Lebensberatung“, wie Weiß sagt. Er war es auch, der in einer schlaflosen Nacht den Energiesparwettbewerb erfunden hat, als er sich gefragt hat, wie man den Menschen auf spaßige Art und Weise das Energiesparen näherbringen kann.

Zusammen mit Sarah Göttlicher von der Stabsstelle Klimaschutz der Städteregion, dem Verein „altbau plus“ und dem Alsdorfer Energeticon wurde der Energiesparwettbewerb über das gesamte Jahr 2016 hinweg durchgeführt. Die teilnehmenden Familien verpflichteten sich, jeden Monat die Zählerstände für den Strom- und Wärmeverbrauch abzulesen und an die Verbraucherzentrale weiterzuleiten. Außerdem dokumentierten die Teilnehmer, welche Maßnahmen sie umsetzten, um Energie zu sparen, beispielsweise den Austausch von Halogen- zu LED-Lampen oder die Anschaffung von Steckdosenleisten mit Ausschalter.

Unterstützend erhielten die Familien nicht nur eine kostenlose Beratung von Gerhard Weiß. An ihren Häusern wurde auch eine Thermographie durchgeführt, bei der mit einer Wärmebildkamera festgestellt wird, wo viel Wärme nach außen gelangt. Die Kosten von 190 Euro pro Teilnehmer übernahm die Städteregion. Außerdem erhielten die Familien ein Gerät, mit dem der Stromverbrauch von verschiedenen Geräten gemessen werden konnte. „Damit haben wir gemerkt, dass der Wasserkocher und die Mikrowelle auch im Standby-Modus viel Strom ziehen. Außerdem benötigt die Waschmaschine bei 40 Grad deutlich weniger Strom als bei 60 Grad“, erklärt Stephanie Lürkens. Inzwischen wäscht sie mehr bei niedrigerer Temperatur und entfernt einzelne Flecken per Handwäsche.

Stromfressende Aktivitäten

„An viele kleine Dinge denken die Menschen häufig nicht. Wasserbetten und elektrische Garagentore kosten viel Strom, genau wie alte Wärmepumpen oder ein alter Kühlschrank, besonders, wenn dieser neben dem Herd steht“, erklärt Energieberater Weiß.

„Insbesondere mit Teenagern fällt es schwer, Energie zu sparen“, beschreibt eine Familie ihre Erfahrungen. „Unsere Teenager halten sich viel zu Hause auf, beschäftigen sich hauptsächlich mit stromfressenden Aktivitäten wie Computerspielen und suchen seit diesem Jahr ständig die Entspannung in einem heißen Bad“. Der Energiesparwille der Eltern erhöht dann die Stresssituation, die man sowieso beim Umgang mit der Pubertät hat, erheblich.“ Bei Familie Lürkens war jedoch das Gegenteil der Fall. Der zehnjährige Moritz war neben Vater Thomas Lürkens die treibende Kraft beim Energiesparen. „Denn er wollte ja, dass wir Energiesparmeister werden“, erinnert sich Stephanie Lürkens mit einem Lächeln.

Letztendlich haben fast alle Familien langfristig Strom- und Heizkosten eingespart, „und keiner musste dabei im Winter frieren oder kalt duschen“, schmunzelt Gerhard Weiß. Schließlich sei es darum gegangen, „den inneren Schlendrian zu überwinden“, ohne dabei das leibliche Wohl zu vernachlässigen. „Man kann einfach die Raumtemperatur um ein bis zwei Grad verringern, ohne dass der Körper das merkt. Pro Grad spart man aber 6 Prozent Heizkosten.“

Die lange Laufzeit des Wettbewerbs habe dazu beigetragen, dass neue, energieschonende Gewohnheiten verinnerlicht wurden. „Wir haben einfach die Zeit gestoppt, damit niemand länger als fünf Minuten duscht“, sagt Thomas Lürkens. Nach einer Weile hätten sich alle daran gewöhnt.

Landesweit einmaliges Projekt

Jetzt fand die Energiesparmeisterschaft mit einer Feier im Energeticon ihr Ende, bei der Familie Lürkens als Gewinner gekürt und die Preise ausgelost wurden. Der Wettbewerb war nicht zuletzt ein Erfolg, weil alle 15 Familien bis zum Schluss im Rennen waren, freut sich Weiß. Die Preise wurden von den regionalen Energieversorgern Stawag, EWV und Enwor verlost, „weil sich die Ausgangsbedingungen so sehr unterschieden haben, dass sich objektiv kein Sieger bestimmen ließ“, erklärt Weiß.

Dass das Projekt die Teilnehmer begeistert hat, zeigt sich darin, dass viele auch nach dem offiziellen Ende der Energiesparmeisterschaft ihre Zählerstände an die Verbraucherzentrale schicken und weiter am Ball bleiben möchten. „Wenn einmal die Routine drin ist, dann fällt das Energiesparen leicht“, bestätigt Stephanie Lürkens. „Inzwischen haben sich unsere Denkmuster auch geändert. Geräte, die neu angeschafft werden, müssen nicht nur hübsch aussehen, sondern vor allem auch wenig Energie verbrauchen“, fügt ihr Mann Thomas hinzu.

Die Energiesparmeisterschaft sei ein landesweit einmaliges Pilotprojekt gewesen, das aber aufgrund des Erfolges nochmals aufgegriffen werden soll, sagt Weiß.

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