Serap Güler: Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen

Von: Jutta Geese
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Serap Güler berichtete in Würselen auch von den Zuständen, die sie in einem libanesischen Flüchtlingslager erlebt hat. Foto: CDU

Städteregion. Kann die Integration Tausender Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak in Deutschland gelingen? Ja, sagt Serap Güler, CDU-Landtagsabgeordnete mit türkischen Wurzeln aus Köln. „Allerdings wird das nicht einfach sein, unsere Werte zu vermitteln. Und sicher werden wir auch nicht alle erreichen. Wir müssen aber auf jeden Fall die Fehler der Vergangenheit vermeiden.“

Eine ganze Generation von sogenannten Gastarbeitern wie ihr Vater sei bis in die 1980er Jahre hinein komplett alleine gelassen worden. Politik und Gesellschaft seien gefordert, es jetzt besser zu machen. „Die Menschen verdienen alle eine Chance, und es gibt ganz, ganz viele, die hier nach unseren Regeln leben und nicht auf den Staat angewiesen sein möchten.“

Dass sich Menschen aus den Bürgerkriegsregionen im Nahen Osten mit der Hoffnung auf ein Leben in Frieden auf den Weg nach Europa machen, kann Serap Güler nur allzu gut verstehen. Sie hat ein Flüchtlingslager im Libanon besucht und sagt angesichts der dort herrschenden Zustände: „Ich war überrascht, dass sich nicht alle aufgemacht haben.“ Die Begründung der dort Verharrenden überraschte sie dann weniger: „Die Leute haben kein Geld für die Flucht. Das heißt: Wer jetzt als Flüchtling nach Deutschland kommt, kommt aus der Mittelschicht und kann sich die Flucht leisten.“

Wer fliehen will, lasse sich nicht aufhalten, sagte Serap Güler bei einer Veranstaltung auf Einladung des Vereins Eurotürk und der Christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Aachen in Würselen. „Ich habe deshalb nichts von der Debatte um Obergrenzen bei der Aufnahme von Flüchtlingen gehalten. Die Türkei hat übrigens eine solche Obergrenze: Die ‚rote Linie‘ liegt bei 100.000.

Und es gibt eine bewachte Ländergrenze zu Syrien. Trotzdem leben jetzt 2,5 Millionen Flüchtlinge in der Türkei.“ Da müsse man genau schauen, wie Deutschland, wie Europa die Türkei unterstützen könne, damit die Menschen in der Region bleiben können. Die Skepsis gegenüber dem „Türkei-Deal“ – das Land erhält von der EU einige Milliarden Euro und hält dafür Flüchtlinge von Griechenland fern – teilt sie.

„Staatspräsident Erdogan ist nicht gerade ein verlässlicher Partner. Und bei Werten, die uns wichtig sind, hat er eher eine rückwärtsgewandte Haltung“, sagte sie und fügte an: „Wenn wir wollen, dass sich die Türkei in Sachen Demokratie weiterentwickelt, dann dürfen wir sie nicht alleine lassen.“

Die Flüchtlinge, die in Deutschland leben, müssen laut Güler – anders als vor Jahrzehnten die „Gastarbeiter“ – von Anfang an Sprach- und Integrationskurse erhalten. Das sahen auch ihre Zuhörer so. Einige zeigten sich aber skeptisch, ob Politik und Gesellschaft tatsächlich aus den von Güler beschriebenen Fehlern gelernt haben. Es gebe immer noch zu wenig Kurse, manche seien von zweifelhafter Qualität, und viele Flüchtlinge erhielten erst Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland Zugang.

Zu vieles werde noch immer ausschließlich ehrenamtlich Engagierten überlassen, die Kommunen seien finanziell überfordert. Und Arbeitgeber, die junge Flüchtlinge ausbilden oder einstellen wollen, stünden vor bürokratischen Hürden. Das sind Probleme, an denen gearbeitet werden müsse und auch werde, versicherte Serap Güler.

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