Schulsozialarbeiter: Land erteilt der Städteregion eine Abfuhr

Von: Michael Grobusch
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In den Internationalen Förderklassen werden nicht nur Sprache und fachliche Inhalte vermittelt. Auch die Betreuung durch Sozialarbeiter ist nach Aussage der Berufskollegleiter sehr wichtig. Foto: Imago/Ralph Lueger

Städteregion. Wenn es denn irgendetwas Positives an dieser Geschichte gibt, dann ist es Folgendes: Das Warten hat ein Ende, das Land hat – endlich – für Klarheit gesorgt. Nicht nur Helmut Etschenberg dürfte darin aber einen ganz schwachen Trost finden.

Denn im Großen und Ganzen hat ihm das Land, übermittelt vom NRW-Schulministerium, eine Abfuhr erteilt: Lediglich zwei von den mittlerweile 17 reklamierten Stellen für Schulsozialarbeit in Internationalen Förderklassen (IFK) an Berufskollegs will Düsseldorf bezahlen.

Sie sollen der Städteregion für die Bildung von „multiprofessionellen Teams“ bewilligt werden. Die Zusage ist an die Bedingung gekoppelt, dass der Antragsteller selber ebenfalls eine zusätzliche Stelle schafft. „Das wird geschehen“, versichert Schuldezernent Gregor Jansen. „Aber damit wird der Bedarf natürlich bei Weitem nicht gedeckt.“

Bereits im September hatte der Städteregionsrat in einem Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft einen aus seiner Sicht erheblichen Bedarf an Schulsozialarbeitern zum Ausdruck gebracht – verbunden mit der Forderung, dass das Land die Personalkosten übernehmen müsse. Zu diesem Zeitpunkt gab es an den neun städteregionalen Berufskollegs 19 Internationale Förderklassen, für die jeweils eine halbe Stelle in der Schulsozialarbeit geschaffen werden sollte, in der Summe machte das also 9,5 Stellen.

Seitdem hat sich der Bedarf allerdings kontinuierlich gesteigert. Aktuell gibt es 34 Förderklassen an den Berufskollegs, in denen 612 junge Flüchtlinge unterrichtet werden. „Nach Aussage der Kommunalen Integrationszentren von Stadt Aachen und Städteregion ist mit weiteren jugendlichen Flüchtlingen zu rechen. Damit wird auch die Zahl der IFKs weiter steigen“, blickt Gregor Jansen nach vorne.

Und das wohl sehr bald, schließlich kann Timur Bozkir große Fortschritte bei der Beratung vermelden. „Die Wartezeiten für einen Termin konnten deutlich reduziert werden“, freut sich der Leiter des städteregionalen Integrationszentrums. Vergingen bis vor Kurzem noch bis zu acht Wochen, ehe ein Flüchtlingskind hinsichtlich seiner schulischen Laufbahn beraten werden konnte, ist dies laut Boszkir nun spätestens eine Woche nach der ersten Anfrage möglich.

Eine angemessene soziale Betreuung in der Schule scheint in vielen Fällen hingegen nicht möglich zu sein. Die beiden vom Land bewilligten Stellen sind aus Sicht der Verwaltung allenfalls der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. „In Anbetracht des tatsächlichen Bedarfs wird es sehr schwierig, diese beiden Schulsozialarbeiter sinnvoll einzusetzen“, stellt Gregor Jansen fest. Hoffnung, dass Düsseldorf in absehbarer Zeit doch noch einmal nachlegen könnte, hat der Dezernent nicht. „Das Land hat uns keine weiteren Möglichkeiten geboten.“

Was das für die tägliche Arbeit in den Internationalen Förderklassen bedeutet, muss jetzt in erster Linie die Politik beantworten. Die aber zeigte sich in einer ersten Reaktion eher zögerlich. Im Schulausschuss verständigten sich die Fraktionen darauf, im Zuge der Beratungen für den Haushalt 2017 zu erörtern, ob die Städteregion eigene Mittel für die Schaffung von zusätzlichen Stellen zur Verfügung stellen soll. Das wird aber erst im Herbst geschehen. Der akute Mangel droht – lediglich unterbrochen von den gut sechswöchigen Sommerferien – also zum Dauerzustand zu werden.

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