Respekt ist das oberste „Jump”-Gebot

Von: Anja Klingbeil
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Da hebt auch Peter Cafitz (l.)
Da hebt auch Peter Cafitz (l.) ab: Die „Jumper” sind engagiert und motiviert. Sie wollen dafür kämpfen, dass vom Projekt noch viele weitere Jugendliche Foto: Heike Eisenmenger

Städteregion. Wer Faruk Öz zuhört, kann kaum glauben, was der 18-Jährige erzählt. „Früher war ich sehr gewalttätig”, sagt er. Faruk spricht ruhig und besonnen, wenn er über seine Vergangenheit redet. Eine Zeit, die noch gar nicht so lange her ist - gerade einmal drei Jahre.

Doch in denen hat sich für den Stolberger Jugendlichen fast sein ganzes Leben verändert. „Seitdem ich bei Jump bin, habe ich niemanden mehr geschlagen. Wenn es Streit gibt, gehe ich einfach weg”, sagt Faruk.

„Jump” steht für das Jugendmigrationsprojekt „Miteinander - Füreinander”. Vor drei Jahren gestartet, hat es sich in Stolberg mehr als etabliert. Kernstück ist der Baustein der Streitschlichter-Ausbildung. Mehr als 130 Jugendliche von Stolberger Schulen aller Schulformen haben an diesen Seminaren teilgenommen. Gemeinsame Fahrten etwa zur Gedenkstätte Buchenwald, Anti-Gewalt-Trainings, Teilnahme am Integrativen Sommercamp auf dem Flugplatz Merzbrück, Gesprächsrunden, Filmdrehs, Theaterstücke sowie Aktionen gegen Rechts runden das Projekt ab. Zudem öffnet einmal in der Woche, jeweils mittwochs, das „Jump”-Café im Westside-Jugendtreff am Kaplan-Dunkel-Platz in Stolberg. Die „Jumper”, wie sie sich selber nennen, das sind Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 24 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund.

Respekt ist das oberste Gebot, das Peter Cafitz, Pädagoge und „Jump”-Koordinator, den Jugendlichen mit auf den Weg geben will. Sind sie zusammen, spielt es keine Rolle, welcher Nationalität sie sind oder von welcher Schule sie kommen. „Das hat gleich von Beginn an gut funktioniert”, sagt Cafitz. Beim Startschuss kamen acht Jugendliche ins Café. Cafitz sowie seine Kollegen Hasan Arman und Jennifer Schieren gingen auf die Straße, sprachen junge Menschen direkt an, verteilten Flyer. Die Mund-zu-Mund-Propaganda tat ihr übriges. Heute sind weit über 60 Jugendliche aktiv.

Ganz bewusst haben sich die Organisatoren vor drei Jahren für Stolberg als Standort entschieden. Dort sorgte 2008 der Mordfall Kevin für Aufsehen. „Eine Beziehungstat, die seitdem schamlos von Neo-Nazis für ihre Propaganda-Zwecke ausgenutzt wird”, wie Cafitz sagt. Doch sollen die „Jumper” nicht nur gegen rechte Tendenzen gestärkt werden. „Wir möchten die Jugendlichen soweit bringen, dass sie alle radikalen Gedanken hinterfragen, sich an der Gesellschaft beteiligen und helfen, Vorurteile abzubauen”, sagt Hasan Arman. Jeder, der an einem Seminar teilgenommen hat, ist somit auch ein wichtiger Multiplikator, der die „Jump”-Idee weiterträgt.

Drei Jahre lang war die finanzielle Förderung unter anderem durch die „Aktion Mensch” (bis Ende Oktober 2011) und Landesmittel gesichert. Ende Februar laufen diese aus. Doch „Jump” soll und muss weitergehen. „Wir kämpfen”, sagt die 15-jährige Wiktoria Nawarra. Die gebürtige Polin ist seit einem Jahr Stammgast im Jugendtreff. Dort hat sie schnell und gut Deutsch gelernt, konnte von der Haupt- auf die Realschule wechseln. Solche Erfolgsgeschichten wie jene von Wiktoria gibt es viele. Etwa noch die von Kevin-Pierre Nickel. Der 20-Jährige ist früher nicht so gerne auf Menschen zugegangen, scheute soziale Kontakte. Das ist jetzt anders.

In diesen Tagen haben die „Jumper” mächtig viel zu tun. Denn damit ihr Projekt weitergeht, wollen sie am Samstag, 3. März, richtig Werbung machen. Knapp 150 Unternehmen und Institutionen aus der Region haben sie zu einer Veranstaltung in den Zinkhütter Hof eingeladen. Dort wollen die Jugendlichen sich und ihre Arbeit vorstellen. Der DRK-Kreisverband hat für das Jahr 2012 bereits eine Grundförderung zur Verfügung gestellt. Die Sparkasse Aachen und die Firma Berzelius haben schon gespendet. Rund 40.000 Euro, so schätzt Cafitz, müssen nun noch in Form von Sponsoren-Geldern zusammenkommen, damit das Projekt im vollen Umfang weitegeführt werden kann.

Wie wichtig dies wäre, macht Norbert Monteiro Augusto (17 Jahre) deutlich: „Das Jump-Projekt hat vielen geholfen, man bewegt sich ganz anders in der Gesellschaft, ist sensibler und denkt mehr über bestimmte Sachen nach. Auch ich bin erwachsener geworden.”

Hass und Gewalt in jeder Form entgegentreten

Leitmotiv des „Jump”-Projektes ist es „Hass und Gewalt in welcher Form auch immer entgegenzutreten”. Bei „Jump” arbeiten zusammen: das Deutsche Rote Kreuz, DRK in der Städteregion Aachen, das Jugendamt der Stadt Stolberg, die Deutsch-Türkische Gesellschaft Eurotürk sowie die Rotkreuzgesellschaften in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und im niederländischen Distrikt Süd-Limburg. Träger ist der DRK-Kreisverband Städteregion Aachen.

Wer das Projekt unterstützen will, damit noch viele Jugendliche davon profitieren, kann Spenden. Der DRK-Kreisverband Städteregion hat bei der Sparkasse Aachen ein Konto eingerichtet: Kontonummer 234566, BLZ 39050000.

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