Reittherapie stellt den Menschen in den Fokus

Von: pan
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Gleich gehts los: Saskia Scha
Gleich gehts los: Saskia Schaap (rechts) hat ein Auge darauf, wenn Therapiepferd Moritz seine Arbeit aufnimmt. Links Claudia Schönborn, Leiterin des Lohner Hofes. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler/Nordkreis. „Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde”, schrieb einst Friedrich von Bodenstedt. Nun, das Angebot des Reit- und Therapiezentrums Lohner Hof kann er damals noch nicht gekannt haben, aber wohl die Wirkung eines Pferdes auf den Menschen.

Umso verwunderlicher ist es, dass die Reittherapie immer noch nicht die Anerkennung erhält, die sie verdient. Schlimmer noch: Die Zukunft des Lohner Hofes, der vom TÜV zertifiziert und vom Kuratorium für Therapeutisches Reiten anerkannt ist, wackelt.

Obwohl viele Menschen mit Behinderungen in der Region die Arbeit auf dem Gut in Eschweilers Norden schätzen, lebt das Angebot mehr denn je von Spenden. Heinz Brosig muss Woche für Woche viele Klinken putzen, um Unterstützung zu erhalten. Er kennt den Hof und das Projekt seit seiner Gründung vor zwölf Jahren. Damals übernahm er den Vorsitz des gemeinnützigen Vereins, den er bis heute innehat.

„Wir sind stolz darauf, sagen zu können, dass wir keine Elite-Therapie anbieten, sondern sie besonders dem Menschenkreis zukommen lassen möchten, der sie bitter nötig hat, sie sich aber nicht leisten kann”, sagt er.

Öffentliche Mittel sind weggebrochen: Therapeutisches Reiten wird nicht mehr über die Eingliederungshilfe vom Sozialamt bezahlt, auch Jugendämter streichen die Kostenübernahme für Pflegekinder mit Handicap.

Es gibt hunderte Beispiele, wie die Reittherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung unterschiedlich positiv wirkt: ein autistischer Junge, dessen Autoaggressionen abnahmen. Ein Mädchen, das nach einer Borreliose-Erkrankung an den Rollstuhl gefesselt war, wurde zunächst „passiv” vom Pferd getragen, entwickelte im Sattel Kräfte, gegen die Krankheit anzukämpfen und schaffte es, selbstständig zu reiten. Ein scheuer Junge fasste durch den Kontakt mit dem Pferd Mut und gewann Selbstvertrauen.

Die Erfolgsliste des Lohner Hofes ist lang. Möglich machen dies eine Reihe von Ehrenamtlern, die mit Muskelkraft und auch mit manchem Gerät aushelfen. „Ohne diese Menschen müssten wir den Laden dichtmachen”, lobt Heinz Brosig die vielen Helfer. Nicht nur für Kinder gibt es auf dem Hof in der Nähe des Hagelkreuzes in Eschweiler viel zu entdecken: ein kleiner Streichelzoo, Hühner und natürlich die zehn Pferde, acht davon sind aktive Therapiepferde.

Für ihre Arbeit mit den Menschen sind sie extra mit viel Geduld ausgebildet worden. „Sie dürfen schließlich niemals unruhig werden und falsch reagieren”, erläutert die Leiterin des Lohner Hofes, Claudia Schönborn. Zwei Jahre dauert die Ausbildung, ehe das Pferd die ersten Therapiestunden absolviert.

Verschiedene Formen werden dann angeboten: Die Hippotherapie macht sich die Schwingungen des Pferdes beim Gang zunutze. Beim Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren sammeln die Menschen die wertvollen Erfahrungen, die das Selbstwertgefühl, die Konzentration und vieles mehr fördern. Darüber hinaus bietet der Lohner Hof regelmäßig Ferienmaßnahmen für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung an - das nächste Angebot startet in den Herbstferien.

Bis zu 100 Patienten im Alter zwischen 3 und 83 Jahren werden im Lohner Hof therapiert. In vielen Fällen ist eine Teilnahme nur durch Spenden möglich. Der gemeinnützige Verein muss zudem den Betrieb des Hofes, für den zwei Stallhelfer und sechs Honorarkräfte arbeiten, tragen. „Da stößt man schnell an die finanziellen Grenzen”, gesteht Brosig.

Unsere Aktion „Menschen helfen Menschen” möchte das Angebot des Lohner Hofes unterstützen. Deswegen bitten wir Sie, liebe Leser, um eine Spende, die wir gerne an den Lohner Hof weitergeben. Die Kontodaten: Menschen helfen Menschen, Sparkasse Aachen, BLZ 39050000, Kontonummer 776666, Verwendungszweck „Lohner Hof”.
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