Regionaler Energiemarkt: EWV geht bei Ökostrom voran

Von: Udo Kals
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Stolberg/Herzogenrath. Beeindruckende Zahlen legten die Wirtschaftsprüfer von Sal. Oppenheim und Price Waterhouse Coopers den regionalen Energie- und Wasserversorgern Enwor, EWV und Stawag vor rund einem Jahr vor: Einsparpotenziale von zig Millionen Euro werden in dem Gutachten in Aussicht gestellt, wenn sich die drei Unternehmen auf ein umfassendes Kooperationsmodell einlassen.

Als Einstieg wurde eine engere Zusammenarbeit in den Feldern Netze/Konzessionen sowie regenerative Energien angeregt. Der Plan: Für diese Geschäftsbereiche gründen die Versorger möglichst bis Anfang 2011 gemeinsame Kooperationsgesellschaften, um ihre Aktivitäten zu bündeln. Doch die Lage sieht inzwischen gänzlich anders aus.

So lehnte der Enwor-Aufsichtsrat Mitte November das von den Wirtschaftsprüfern vorgeschlagene und vom EWV-Aufsichtsrat bereits beschlossene Fusionsmodell für die sofortige Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft ab, „weil eine solche Vorgehensweise mit erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen” für das in Herzogenrath ansässige Unternehmen verbunden wäre.

„Weil wir ein kleines Unternehmen sind, genießen wir zurzeit viele Vorteile. Durch eine Ausgliederung des Netzes würde unsere Struktur in eine bedrohliche Schieflage geraten. Und wir werden unser Unternehmen nicht filetieren”, sagt Enwor-Geschäftsführer Herbert Pagel, der betont, dass bei einer Kooperation „keines der Unternehmen auf der Strecke bleiben” dürfe.

Vielmehr sehen er und der Enwor-Aufsichtsrat als einen möglichen ersten Schritt an, sich mit EWV und Stawag gemeinsam um freiwerdende Konzessionen zu bewerben. Bis Anfang 2014 werden in sechs Kommunen insgesamt zwölf Gas- und Stromkonzessionen vergeben. „Und vielleicht fordern die Räte ja auch ein regionales Gesamtpaket ein”, bringt Pagel die Gestaltungsmacht der Politik ins Spiel.

EWV-Geschäftsführer Manfred Schröder bedauert indes das Nein der Herzogenrather Konkurrenz zur Netz-Gesellschaft. Zumal es für sein Unternehmen vor diesem Hintergrund „schwieriger” geworden sei, gemeinsam um Konzessionen zu bieten. Zu eng gehören für ihn diese Bereiche zusammen.

Während auf diesem Feld derzeit Stillstand herrscht, macht der mehrheitlich zum RWE-Konzern gehörende Regionalversorger aber im Öko-Bereich Nägel mit Köpfen. So hat der EWV-Aufsichtsrat jetzt grünes Licht für die Gründung eines Unternehmens zur Förderung regenerativer Energien gegeben, an dem sich alle Kommunen aus dem Versorgungsgebiet des in Stolberg ansässigen Unternehmens beteiligen können. Die 22 Kommunen aus der Städteregion sowie den Kreisen Düren und Heinsberg seien bereits angeschrieben worden. „Wir haben viele positive Rückmeldungen”, sagt Vertriebsleiter Axel Kahl.

Kein Wunder. Können doch vor allem finanzschwache Kommunen über die neue Gesellschaft, die im Frühjahr 2011 gegründet werden soll, Projekte abwickeln, die sie alleine nicht stemmen könnten - von Biomasse über Solarenergie bis zu Windkraft soll die ganze Bandbreite möglich sein. „Bei einem Stammkapital der Gesellschaft von 25000 Euro wollen wir die Einstiegshürde für die Kommunen bewusst niedrig halten”, sagt Kahl. Und im Gegensatz zum „Green Gecco”-Projekt, bei dem die EWV sich etwa in Schottland engagiert, bleibe das Geld in der Region.

„Die Potenziale sind da - und wir wollen eine aktive Rolle spielen”, sagt Schröder und fügt an: „Dies ist keine Absage an Kooperationen, wir wollen aber nicht mehr warten.” Und er betont auch mit Blick auf Enwor und Stawag, dass die neue Gesellschaft später auch offen für Dritte sei.

Nach Enwor erhöht auch EWV die Strompreise. Nach 26 Monaten Preisstabilität erhöht der Versorger seine Tarife zum 1. März. Die genaue Teuerungsrate steht laut Vertriebschef Axel Kahl zwar noch nicht fest, doch werde diese im höheren einstelligen Bereich liegen.

Mitte Oktober hatten die Übertragungsnetzbetreiber angekündigt, die von allen Verbrauchern mit der Stromrechnung bezahlte Umlage zur Förderung von Wind-, Sonnen- und Biomassestrom zum 1. Januar 2011 um mehr als 70 Prozent von rund zwei Cent auf 3,5 Cent je Kilowattstunde anzuheben.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, kritisiert die Preiserhöhungen der Stromanbieter - bundesweit im Schnitt um 7,1 Prozent. Es sei „sachlich nicht gerechtfertigt”, die Steigerung der Ökostromumlage auf die Verbraucher umzulegen.

Die Stawag hebt die Tarife wie berichtet zum neuen Jahr um gut sieben Prozent; Enwor schraubt den allgemeinen Tarif um zehn Prozent hoch, der Heimvorteiltarif bleibt bis Ende 2011 stabil.

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