Raus aus der Schule, rein in den Betrieb

Von: Jutta Geese
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Wie sieht eigentlich der Arbeitsalltag von einem Schreiner, einer Kfz-Mechatronikerin, einem Bürokaufmann, einer Garten- und Landschaftsbauerin oder einem Altenpfleger aus? Bei Berufsfelderkundungen sollen Achtklässler Einblick in mindestens drei Berufe erhalten. Foto: imago/imagebroker

Städteregion. Jugendarbeitslosigkeit ist eines der großen Themen in Europa. „Vor allem in Südeuropa, hier nicht so sehr“, sagt Städteregionsrat Helmut Etschenberg. „Aber ich kann mich an Zeiten erinnern, da war das anders.“ Zudem gibt es auch in der Städteregion immer noch zu viele Jugendliche, die Probleme beim Übergang von der Schule in den Beruf haben.

Weil sie keinen Schulabschluss erreichen oder nicht genau wissen, was sie eigentliche machen wollen. Weil sie keine Lehrstelle finden oder eine Ausbildung abbrechen, weil sie so gar nicht ihren Erwartungen entsprochen hat. Die Städteregion möchte da gegensteuern. Deshalb engagiert sie sich unter anderem in dem Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss: Übergang Schule – Beruf in NRW“ und sorgt für die Vernetzung aller relevanten Akteure zwischen Baesweiler und Monschau. Dazu gehören etwa neben den Schulen die Kammern und die Arbeitsagentur.

Ein wichtiger Baustein in dem Projekt sind die sogenannten Berufsfelderkundungen schon in den achten Klassen aller weiterführenden Schulen. Jeder Jugendliche soll dabei mindestens drei verschiedene Berufsfelder kennenlernen, und zwar praxisnah in einem Unternehmen. Sie sollen ein realistisches Bild von den von ihnen favorisierten Berufen erhalten. „Das ist eine große Herausforderung“, weiß Etschenberg. Schließlich gilt es für die Schulen, jede Menge Firmen, vor allem auch kleinere, mit ins Boot zu holen.

Was das für die Schulen bedeutet, erläutert Elke M. Cometz von den Realschule Patternhof in Eschweiler: „Wir müssen für das kommende Schuljahr 510 Praktikumsplätze akquirieren, das geht nicht nur vor Ort. Aber dann haben wir das Problem, dass Fahrtkosten anfallen. Und nicht alle Eltern können die übernehmen.“ Nicht immer könnten die Betriebe das anbieten, was die Schulen brauchen, sagt sie, und die Schulen könnten zeitlich nicht so flexibel reagieren, wie Betriebe das erwarten. Dennoch ist die Vorsitzende des Qualitätszirkels der Realschulen von dem ganzen Projekt begeistert. Das seien auch ihre Kollegen, Eltern und Jugendliche, sagt sie.

Das hören Etschenberg und Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, gerne. Neben dem Land NRW und der Städteregion steckt auch der Bund viel Geld in die Verbesserung des Übergangs Jugendlicher von der Schule in den Beruf. „Seit dem Jahr 2005 hat der Bund 300 Millionen Euro in Berufsorientierungsprogramme investiert und 660.000 Jugendliche erreicht“, sagt Rachel. In die Städteregion seien davon seit 2008 rund 3,8 Millionen Euro geflossen. „Für das kommende Schuljahr stellt der Bund für etwa 3500 Schülerinnen und Schüler von 48 Schulen rund 870.000 Euro für Potenzialanalysen und Berufsfelderkundungen bereit.“ Damit trage der Bund dazu bei, jungen Leuten frühzeitig eine berufliche Perspektive aufzuzeigen – und die gebe es nicht nur im Hochschulsektor.

Das sieht auch Jürgen Koch von der Arbeitsagentur so. Der Vorsitzende des Beirates Schule und Beruf will Betrieben Mut machen, sich an dem Projekt zu beteiligen. auch mit Blick darauf, dass sie sich frühzeitig um Nachwuchs kümmern müssen. Denn die Zahl der Schulabgänger sinke stetig. „Ich sage den Betrieben immer: Seid den Praktikanten gute Gastgeber, denn wir brauchen die Jugendlichen.“

Ins gleiche Horn stoßen Gisbert Kurlfinke von der Industrie- und Handelskammer und Georg Stoffels von der Handwerkskammer. Beide rühren bereits mächtig die Werbetrommeln und versuchen Betriebsinhaber davon zu überzeugen, dass sie junge Leute ausbilden, zumindest aber Plätze für die Berufsfelderkundungen zur Verfügung stellen.

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