Radschnellweg: Die Neustraße erweist sich als Sackgasse

Von: Michael Grobusch und Holger Richter
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Die Städte Aachen und Herzogenrath sollen zukünftig über einen Radschnellweg verbunden werden. Über die Trassenführung gibt es aber weiterhin Diskussionen. Foto: Archiv
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Claudius Wettstein (r.) übergab Städteregionsrat Helmut Etschenberg jetzt eine Liste mit 1276 Unterschriften von Unterstützern des Radschnellwegs Euregio. Foto: Andreas Herrmann

Städteregion. „Ich freue mich immer, wenn sich Menschen für etwas einsetzen“, begrüßte Städteregionsrat Helmut Etschenberg die kleine Delegation im Städteregionshaus. „Denn das ist selten geworden“, fügte er hinzu.

Claudius Wettstein setzt sich für etwas ein, denn er ist Sprecher der Bürgerinitiative Pro Radschnellweg Euregio, der zwischen Aachen und Herzogenrath gebaut werden soll. Und als solcher hatte er 1276 Unterschriften in das Haus der Städteregion mitgebracht von Menschen, die sich ebenfalls für die geplante Radverbindung einsetzen, deren Machbarkeitsstudie anschließend Thema im städteregionalen Bauausschuss war. „Unsere Verwaltung müssen sie nicht mehr überzeugen“, hatte Etschenberg der Delegation zuvor lächelnd erklärt, „jetzt geht es um die Politik.“

Und die war sich in der Tat nicht einig. Zwar gab es am Ende der Sitzung mit 13:5 Stimmen – gegen SPD und Linke – einen mehrheitlichen Beschluss. Die seit Monaten geführten Diskussionen über die geplante Radverbindung im Allgemeinen und die möglichen Trassenführungen im Speziellen dürften damit aber noch nicht beendet sein.

Der Ausschussvorsitzende Heiner Berlipp (SPD) will das Nein seiner Fraktion in der Abstimmung, in der es um den Abschnitt zwischen Kohlscheid und Herzogenrath ging, allerdings nicht als generelle Absage an das Projekt verstanden wissen. Im Gegenteil: „Beim Radschnellweg handelt es sich um ein wichtiges Zukunftsprojekt, dem wir bei der politischen Bewertung im Städteregionsausschuss in der nächsten Woche sicherlich nicht im Wege stehen werden“, betont Berlipp.

Die SPD hätte es aber bevorzugt, zunächst eine Reaktion der Stadt Herzogenrath auf eine Stellungnahme des Landesverkehrsministerium einzuholen, in der die von Herzogenrath bevorzugte Streckenführung über die Nieuwstraat als nicht förderfähig eingestuft wird. Stattdessen plädierte die Mehrheit dafür, sich bei den weiteren Planungen auf die parallel zur Bahnlinie Aachen – Düsseldorf verlaufende Option zu beschränken.

„Außerdem sind wir der Meinung, dass die Anfrage der Verwaltung falsch formuliert war. Die Neustraße bzw. Nieuwstraat ist in den 80er Jahren von deutschen und Niederländern als gemeinsame Straße ausgebaut worden“, erklärt SPD-Sprecher Gerd Neitzke. „Wenn man dem Land aber sagt, der Radschnellweg führe über niederländisches Gebiet, dann ist es doch klar, dass das Land eine Förderung ablehnt.“

Claudius Wettstein und seine bislang 1276 Mitstreiter sehen sich hingegen auf Seiten der Mehrheit des Bauausschusses. Über die Nieuwstraat sei kein Radschnellweg möglich, finden sie und kämpfen stattdessen für einen steigungsarmen und kreuzungsfreien Weg auf einer anderen Trasse. Denn Berufspendler, die mit dem Auto fahren, würden auf ihrem Arbeitsweg nach Aachen nur dann aufs Fahrrad umsteigen, „wenn sie merken, dass sie in 15 Minuten von Herzogenrath nach Aachen kommen – ohne zu schwitzen“, so Wettstein. Und nur dann gebe es eine Förderung vom Land – im Falle von Herzogenrath als Kommune mit weniger als 50.000 Einwohnern sogar zu 100 Prozent.

Die Variante entlang der Bahnlinie soll nach dem Beschluss des Bauausschusses nun bei der Machbarkeitsstudie genauer unter die Lupe genommen werden. Das freilich setzt die Zustimmung des Bau- und Verkehrsausschusses der Stadt Herzogenrath voraus, der sich in der Vergangenheit explizit gegen diese Strecke und für die über die Nieuwstraat führende Variante ausgesprochen hatte.

Städteregionsrat Helmut Etschenberg hält sich bei der Diskussion über den Verlauf der Trasse zurück. Für ihn zählt vor allem, dass das Projekt am Ende tatsächlich umgesetzt werden kann: „Wir müssen die Chancen eines Radschnellweges nutzen.“

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