Alsdorf - Rabatt ja, aber selten mit der Familienkarte

Rabatt ja, aber selten mit der Familienkarte

Von: Stefan Schaum
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Mal Ladenhüter, mal Kassenschlager: Die Geschäftsleute haben unterschiedliche Erfahrungen mit der Familienkarte gemacht. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Familienkarte? Da war doch was? Elisabeth Grotenrath überlegt einen Moment. „Ach, Sie meinen das da”, sagt sie dann und deutet auf den großen Aufkleber, den sie vor gut zwei Jahren an ihre Ladentür geklebt hat.

Auf dem steht zu lesen: Wir sind ein familienfreundliches Unternehmen. Wer bei der Alsdorfer Schuhhändlerin etwas kauft und die Familienkarte vorzeigt, dem würde sie glatt zehn Prozent Rabatt gewähren. Würde, denn: „Das hat erst einmal jemand getan!” Zwar gehöre die Kundenfrage nach Rabatt grundsätzlich zum täglichen Geschäft, doch die grüne Karte der Städteregion bekommt sie nie zu Gesicht und hat sie schon beinahe vergessen. Und da ist sie nicht die einzige.

„Eigentlich nie”, sagt der Alsdorfer Sportartikelhändler Karl Bernd Stollwerk auf die Frage, wie oft ihm jemand die Karte vorlegt. Da hatte er sich deutlich mehr erhofft. Neue Kunden etwa, die ihm die Aussicht auf Preisnachlass bescheren sollte. Wo die sind? Weiß er nicht. „Ich denke, dass die Karte noch zu wenig bekannt ist.” Hin und wieder spricht er seine Kunden zwar darauf an, doch viele zucken dann mit den Schultern. Eine Karte? Beantragen? Im Rathaus? Ach, lieber nicht. Ist doch bestimmt kompliziert...

Erstaunlich unbürokratisch

Tatsächlich ist es jedoch ein Klacks und erstaunlich unbürokratisch. Die Dame vom Jugendamt wirft bloß einen kurzen Blick in den Kinderausweis, tippt Namen und Geburtsdatum in den Computer. Zwei Minuten später ist die Karte kostenlos ausgedruckt und steckt bereits im Plastikumschlag. Recht groß ist sie allerdings, zu sperrig für die Scheckkartenfächer im Portemonnaie.

„Das ist schon blöd”, findet Andrea Maas. Weil die Alsdorferin die Karte nicht in der Geldbörse stecken hat, vergisst sie sie des öfteren beim Einkaufsbummel. Grundsätzlich begrüßt sie sie jedoch. Jüngst war die vierköpfige Familie im Theater Aachen. „Da waren die Eintrittskarten 40 Prozent günstiger, das ist doch was.” Auch im Ludwig-Forum war das Eintrittsgeld nach Vorzeigen der Karte deutlich geringer.

So weit, ihre Shoppingtouren nach der Familienkarte zu planen, geht sie jedoch nicht. Dafür sei die Zahl der teilnehmenden Geschäfte zu gering und die Broschüre zu unübersichtlich. Das kleine Heftchen, das es zur Karte gibt, listet alle Geschäfte und Freizeiteinrichtungen, die sich beteiligen und Rabatte gewähren, nach Kommunen der Städteregion sortiert auf. Genaues Hinschauen lohnt sich dabei. Denn nicht immer gibt es Prozente auf alles. Mal nur auf bestimmte Produkte und mal nur dann, wenn eine bestimmte Menge gekauft wird.

Im Merksteiner Freibad gibt es erst ab drei Kindern einen Nachlass, bei der VHS im Nordkreis erst ab dem dritten gebuchten Kurs pro Semester. „Das ist vielleicht nicht ganz so attraktiv”, räumt VHS-Leiter Klaus Peschke ein. Doch soll es das auch gar nicht sein. „Wir wollen unser normales Rabattsystem nicht gefährden”, sagt er. So bekommen Schüler und Azubis grundsätzlich 50 Prozent Ermäßigung. Von 10583 Teilnehmern im vergangenen Semester haben das 1438 Personen genutzt. Buchungen mit Familienkarte weist die Statistik hingegen mit 74 aus. „Würden wir die Nachlässe bei der Familienkarte erhöhen, müssten wir woanders reduzieren”, sagt Peschke.

So sieht es auch der Baesweiler Spielwarenhändler Jens Strauch. In seiner „Rappelkiste” kann mit der Familienkarte niemand punkten. „Ich will jeden Kunden belohnen.” Pro Einkauf verteilt er deshalb Stempel auf einer eigenen Rabattkarte, ab dem dritten gibt es Prozente. „Davon profitieren doch alle.” Im übrigen habe ihn bislang kaum jemand gefragt, ob er auch die Familienkarte akzeptiere.

Ganz anders ist das ein paar Ladentüren weiter, bei der Kindermodenhändlerin Marlies Lammertz. „Gut 15 Prozent meiner Kunden kommen bereits mit der Karte”, sagt sie. Und es sollen noch deutlich mehr werden. „Ich spreche fast jeden darauf an.” Warum sie so erpicht darauf ist, Rabatte zu gewähren? „Es zahlt sich aus, und zwar für beide Seiten.” Stammkunden halten und neue gewinnen - diese einfache Rechnung steckt für sie hinter der Karte.

Ulrike Rothärmel hat sie ihr schon oft gezeigt, wenn sie Kleidung für ihre drei Kinder kauft. „Ich benutze die Karte sehr oft und gehe gezielt in die Geschäfte, die sie akzeptieren.” Vor allem Sportkleidung für die schwimm- und fußballbegeisterte Familie läuft über die Karte. Und sie rührt im Bekanntenkreis kräftig die Werbetrommel. „Wenn noch mehr Leute die Karte haben”, sagt sie, „werden sich wohl auch mehr Händler finden, die sie akzeptieren.”
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