Psychische Erkrankungen im Job nehmen zu

Von: Jutta Geese
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Stress im Job: Nach einer Erhebung der DAK Aachen nehmen psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz zu. Genannt werden Depressionen, Angststörungen und Medikamentenmissbrauch. Foto: stock/Chromorange

Städteregion Aachen. Während bundes- und auch landesweit Arbeitnehmer im vergangenen Jahr weniger häufig wegen einer Erkrankung im Job gefehlt haben als im Jahr davor, hat sich der Krankenstand in der Region Aachen nicht verändert. Nach wie vor liegt er mit 4,1 Prozent leicht über dem nordrhein-westfälischen Durchschnitt von 3,8 Prozent.

Damit waren an jedem Tag des Jahres von 1000 Arbeitnehmern 41 krankgeschrieben. Das hat die DAK-Gesundheit auf der Basis der Daten ihrer Versicherten ermittelt.

Die meisten Ausfalltage gab es wie in den Vorjahren aufgrund von Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, etwa Rückenbeschwerden, berichtet Michael Engels, Leiter der DAK-Gesundheit Aachen. Mehr als jeder fünfte Ausfalltag (22,3 Prozent) wird demnach durch eine solche Erkrankung verursacht. Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzustände belegen mit 20,2 Prozent Platz zwei in der Rangfolge der Krankheiten bei Arbeitnehmern. „Hier gab es erneut einen Anstieg um rund 13 Prozent“, erläutert Jürgen Scholtes, stellvertretender Leiter der DAK-Gesundheit Aachen.

Seit dem Jahr 2000 sei die Zahl der durch psychische Erkrankungen bedingten Ausfalltage um insgesamt 120 Prozent gestiegen. Woran das liegt, müsste nach Ansicht von Professor Dr. Michael Grözinger vom Uniklinikum Aachen genauer untersucht werden. Für wahrscheinlich hält er es, dass es einfach mehr Diagnosen gibt als früher und dass die Stigmatisierung mancher psychischen Erkrankungen nachgelassen habe. Mit Depressionen oder einen Burn-out etwa werde heutzutage viel offener umgegangen.

Früher habe man das eher verheimlichen wollen und eine Krankschreibung mit dieser Diagnose vermieden. Stattdessen habe der Arzt dann einen anderen Grund angegeben. Es gebe derzeit jedenfalls keinen belastbaren Beleg dafür, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen insgesamt zugenommen habe, sagt Grözinger.

Allerdings: „Das ist schon ein Hinweis darauf, dass Arbeitsverdichtung und Arbeitsdruck von den Beschäftigten zunehmend als belastend empfunden werden. Wir müssen darüber eine gesellschaftliche Diskussion in Gang setzen.“ Dies auch mit Blick darauf, dass sich offenbar immer mehr Arbeitnehmer dopen, um den Anforderungen gewachsen zu sein.

Statistisch gesehen haben in Nordrhein-Westfalen rund sechs Prozent der Beschäftigten schon einmal „Hirndoping im Job“ betrieben, also verschreibungspflichtige Medikamente zur Leistungssteigerung oder zum Stressabbau missbraucht, erläutert Michael Engels die Ergebnisse einer repräsentativen Befragen von bundesweit 5000 Männern und Frauen im Alter zwischen 20 und 45 Jahren. „Rechnet man dies auf die Städteregion herunter, betrifft dies 7000 Frauen und Männer.“ Das sei sicher noch kein Massenphänomen, aber durchaus ernst zu nehmen, meint er und verweist auf die gesundheitlichen Gefahren von Medikamentenmissbrauch.

Mit vorbeugenden Maßnahmen, individuell und mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement, könnten die Folgen der Belastungen im Job, ob psychisch oder physisch, verringert werden, meinen die Experten. Mit der Verdoppelung der Präventionsmittel ab dem kommenden Jahr trage der Gesetzgeber diesem Gedanken Rechnung.

Und wie alle Kassen macht auch die DAK ihren Versicherten und Betrieben entsprechende Angebote. „Aus betrieblicher Sicht sind da vor allem die Kurzzeiterkrankungen von Interesse, weil sie zu empfindlichen Störungen im Betriebsablauf führen können“, meint Jürgen Scholtes.

Denn 36,8 Prozent der Krankschreibungen erfolgt für ein bis drei Tage, weitere 29,5 Prozent für vier bis sieben Tage und 16,2 Prozent für acht bis 14 Tage. Zusammen verursachen diese 82,5 Prozent der Fälle allerdings nur 29,7 Prozent aller Ausfalltage. Allein 46,1 Prozent der Ausfalltage entfallen dagegen auf die vier Prozent Langzeiterkrankten (43 Tage und mehr).

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