Projekt „Mütter in Arbeit” in Alsdorf und Eschweiler

Von: Stefan Schaum
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Bei „MiA” gibt es gleich auch einen neuen Haarschnitt: Gegenseitig frisieren sich die Projektteilnehmerinnen, um Einblicke in das Friseurhandwerk zu bekommen. Foto: Stefan Schaum

Aachen. Mama hat jetzt auch einen Stundenplan. Die drei Kinder von Isabella Petry finden es prima, dass der in der Küche gleich neben ihren eigenen hängt. Freilich drückt die 39-Jährige aus Alsdorf nicht mehr die Schulbank. Jedenfalls nicht so richtig.

Sie bereitet sich stattdessen seit gut vier Wochen darauf vor, nach zwölf Jahren beruflicher Auszeit und als Alleinerziehende im Erwerbsleben erneut Fuß zu fassen. Und sie weiß: „Ohne Hilfe ist das verdammt schwer!”

Doch ohne Hilfe ist sie nicht. Sie ist in einem neuartigen Projekt eine von derzeit 50 Frauen, die einiges verbindet: Sie sind alleinerziehend, haben minderjährige Kinder und schlagen sich mit Arbeitslosengeld II durchs Leben. Etwa 2900 solcher Frauen betreut die Hartz-IV-Arge im Kreis Aachen.

Das jetzt in Alsdorf und Eschweiler gestartete Projekt „Mütter in Arbeit” (MiA) soll helfen, wieder zurückzufinden in einen Tagesrhythmus, der auch durch eine Arbeit bestimmt wird. Ein gutes halbes Jahr bleibt Zeit, diesen Weg zu gehen.

Stärken und Schwächen

Während der ersten vier Wochen werden Stärken und Schwächen der Teilnehmerinnen abgeklopft, berufliche Wünsche abgefragt und ein Bewerberinnenprofil erstellt. Dann geht es an die Qualifizierung. Die Frauen schnuppern in Berufsfelder von Handwerk über Hauswirtschaft bis Verwaltung hinein. Gleichzeitig werden sie in Fächern wie Deutsch, Mathematik und EDV möglichst sattelfest gemacht. Ein Praktikum in einem Betrieb soll das Ganze abrunden.

Mit dem Finden entsprechender Praktikumsplätze hat Susanne Fenzl, Projektleiterin in Alsdorf, derzeit gut zu tun. Eine nicht immer leichte Aufgabe. „Wir müssen potenziellen Arbeitgebern vermitteln, dass auch Mütter als Mitarbeiterinnen interessant sind.” Der gängigste Vorbehalt seitens der Personalchefs: Mütter fallen zu oft aus, wenn das Kind krank wird oder es keine Betreuung gibt. Deshalb gehört auch das zum Projekt: Es wird sichergestellt, dass die Kinder gut untergebracht sind, während die Mutter arbeitet.



Das fängt bereits im Projekt an. Die Teilnehmerinnen können Kinder, die noch nicht einen Kindergarten oder die Schule besuchen, dort betreuen lassen. In Alsdorf, wo der Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) Kooperationspartner der Arge ist, ist im Gebäude ein Raum umgestaltet worden. Viel Spielzeug und zahlreiche Kinderbücher gibt es dort und eine gemütliche Kuschelecke. Eine Sozialarbeiterin kümmert sich um die Kinder, während die Mütter sich etwa im Frisieren üben oder im Schreinern.

Ein solches Angebot macht diese Form der Förderung zwar „deutlich teurer als andere Qualifizierungsmaßnahmen”, wie Kurt Rieder, Projektkoordinator der Arge, sagt. Doch lohne sich der Aufwand. Denn nicht selten seien die Mütter gut ausgebildet - aber ohne Hilfe dennoch im Rennen um Arbeitsplätze abgeschlagen. Rieder: „Mittlere Reife plus abgeschlossene Berufsausbildung und dennoch Hartz IV - das charakterisiert viele der Teilnehmerinnen.”

Auch Isabella Petry ist ausgebildete Hauswirtschafterin, hat fünf Jahre lang in einer Großküche gearbeitet, anschließend als Verkäuferin im Einzelhandel. Seit drei Jahren ist sie alleinerziehend, seit dem vergangenen April Kundin der Arge. Die Bemühungen um einen Job verliefen bislang ergebnislos. „Sobald ich sage, dass ich in Teilzeit arbeiten möchte, winken alle ab”, berichtet die Alsdorferin.

Das soll nun anders werden, viele Helfer suchen im Projekt nach möglichen Arbeitgebern, die Teilzeitkräfte beschäftigen wollen. Eventuell wird sich Isabella Petry bei Friseuren bewerben. „Ich habe hier im Projekt gemerkt, dass mir das richtig gut liegt. Das könnte was werden. Ich bin jetzt ganz zuversichtlich.”

Kurse starten im September und Dezember

Im Projekt „Mütter in Arbeit” wird die Arge von mehreren Kooperationspartnern unterstützt. In Alsdorf ist der Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) für die Umsetzung zuständig, in Stolberg teilt er sich diese Aufgabe mit dem Kreisverband Aachen-Land der Arbeiterwohlfahrt (Awo). In Eschweiler ist die Awo alleiniger Partner. Zuständig für Herzogenrath ist das Oswald-von-Nell-Breuning-Haus.

Rund 25 Wochenstunden umfasst das sechsmonatige Projekt. Neben einem Job-Coach betreut auch ein Psychologe die Teilnehmerinnen, um etwa mögliche psychische Probleme nach einer Trennung aufzuarbeiten. Auch die Organisation des familiären Umfeldes und der Kinderbetreuung gehören zu „MiA”.

In Herzogenrath und Stolberg startet das Projekt erstmals am 1. September. Die zweiten Kurse in Alsdorf und Eschweiler beginnen am 15. Dezember.
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