Projekt „Akzente“: Großer Lerneffekt für Migranten und Lehrer

Von: Michael Grobusch
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Studenten und ihr Dozent Björn Meißner üben mit den Migranten teils auch in spielerischer Form die deutsche Sprache. Foto: Grobusch

Aachen. Am Ende kam ein bisschen Wehmut auf. Denn der Dienstag markierte für mehr als 20 junge Migranten den Abschluss des Projektes „Akzente“. 18 Jahre ist es her, dass die Käthe-Kollwitz-Schule und das Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der RWTH Aachen unter diesem Titel ihre Kooperation begründet haben.

Anlass war damals die Eröffnung der ersten Internationalen Förderklasse (IFK) an dem heute städteregionalen Berufskolleg. Und Ziel die noch bessere Vermittlung der deutschen Sprache, die für die Integration und die Lebensperspektive der Flüchtlinge von so großer Bedeutung ist.

An dem Angebot hat sich in fast zwei Jahrzehnten nicht viel geändert – ganz im Gegensatz zur Nachfrage. Mittlerweile gibt es in der Städteregion 34 Internationale Förderklassen. Drei davon allein an der Käthe-Kollwitz-Schule in der Aachener Bayernallee, wo bald sogar eine vierte hinzukommen wird. Außerdem können Migranten dort in der sogenannten Berufsfachschule innerhalb von zwei Jahren den mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife) erlangen.

Für Björn Meißner und seine Studenten bedeutet das Projekt „Akzente“ jede Menge Arbeit und große Herausforderungen. „Die Gruppe ist sehr heterogen. Im Grunde müsste man für jeden Teilnehmer ein eigenes Konzept erstellen“, berichtet der Diplom-Sprechwissenschaftler, der als wissenschaftlicher Angestellter an der RWTH tätig ist. Eine derart individuelle Förderung sei jedoch nicht zu leisten. „Aber dank der vielen teilnehmenden Studierenden können wir immerhin in Kleingruppen arbeiten.“

Davon profitieren nicht nur die Migranten, die ihre Sprachkenntnisse verbessern können. „Für die Studenten ergibt sich die schöne Möglichkeit, früh mit der Praxis und dem Schulbetrieb in Berührung zu kommen und sich in ganz kleinem Rahmen auszuprobieren“, nennt Meißner einen weiteren Aspekt. Fast alle sind sie Lehramtsstudenten und deshalb für einen Markt interessant, der derzeit händeringend nach qualifizierten Kräften für die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache sucht. „Der Unterricht mit Muttersprachlern stellt für Deutschlehrer natürlich kein Problem dar. Aber der phonetische Spracherwerb ist ein noch ziemlich unbekanntes Feld“, weiß der Dozent.

Auf dem üben sich Studierende und Lernende an der Käthe-Kollwitz-Schule gleichermaßen. Das Aussprachetraining kann gerade am Anfang durchaus mit Hemmungen und auch Frustration verbunden sein. Damit die Motivation dennoch hoch bleibt und der Spaß nicht zu kurz kommt, wählt Björn Meißner immer wieder auch unkonventionelle Methoden. Da werden beispielsweise Bälle im Kreis geworfen, wenn es gilt, sich Wörter auszudenken, oder – wie am Dienstag geschehen – Vokale in Luftballons gesprochen.

Es wird viel gelacht, die Atmosphäre ist entspannt. „Das ist nicht nur für den Lernerfolg von Bedeutung“, erklärt Rita Schaar. Schließlich haben die meisten Migranten in ihrer Heimat und auf dem Weg nach Deutschland viel Not und Leid erlebt, was sie immer noch schwer belastet, weiß die Sozialpädagogin. „Die Studenten sind häufig überrascht von den Problemen“, berichtet Björn Meißner aus den Nachbesprechungen.

Auch das ist aus Sicht von Rita Schaar ein positiver (Neben-) Effekt des Projektes: „Ich finde es wichtig, dass unsere jungen Leute eine Idee von dem bekommen, was Flüchtlinge so mitbringen und erlitten haben.“ Das gegenseitige Verständnis sei schließlich enorm wichtig für die gesellschaftliche Integration.

Und es kann auch zu echten Freundschaften führen. „Manche Teilnehmer haben private Kontakte zu den Schülern aufgebaut“, freut sich Björn Meißner. Aber auch sonst, davon ist Rita Schaar überzeugt, wirkt das Projekt nach und soll deshalb fortgesetzt werden. Nach Ostern beginnt der nächste Unterrichtsblock mit dann anderen Schülern und anderen Studenten. Und es soll noch lange nicht der letzte sein, wie Schaar betont, denn: „Der Bedarf ist unverändert groß, und die Zusammenarbeit hat sich wirklich bewährt.“

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