Städteregion - Prädikat „Familienfreundlich“: Erstmals ein Preis für ein ganzes Dorf

Prädikat „Familienfreundlich“: Erstmals ein Preis für ein ganzes Dorf

Von: Jutta Geese
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Preiswürdig: die Geehrten des Prädikats „familienfreundlich“ mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg (4. v. l.). Foto: Ralf Roeger

Städteregion. Gleich zwei Premieren gab es bei der siebten Verleihung des Prädikats „Familienfreundlich“ durch die Städteregion: Zum ersten Mal wurde mit Stolberg-Venwegen ein ganzes Dorf ausgezeichnet und zum ersten Mal wurde ein Sonderpreis für generationenverbindende Ideen verliehen.

Letzterer ging an die 22 ehrenamtlichen Spielplatzpaten der Stadt Eschweiler. Weitere Preisträger des Jahres 2014 sind das Projekt „Diesseits“ der Aachener Malteser und der Pfarre St. Franziska sowie der Verein „Tapfere Knirpse“.

Probleme. Hürden, Anforderungen

Die Frage, ob eine Ehrung wie die mit dem Prädikat „Familienfreundlich“ noch bedarf, beantwortete Städteregionsrat Helmut Etschenberg mit einem klaren Ja. Familien, und damit meine er nicht nur die klassische Vater-Mutter-Kind-Konstellation, stünden heute „vor Problemen, Hürden und Anforderungen, die selbst vor 20 Jahren noch kein Thema waren“. Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen, „die sich nicht aufhalten lassen, mit denen wir aber umgehen lernen müssen, ist es bemerkenswert und gesellschaftlich unverzichtbar, dass immer wieder Menschen viel Zeit und Mühe und Energie und oftmals zusätzlich Geld investieren, um Familien in jeder erdenklichen Weise zu stützen und zu stärken“.

Mit der Auszeichnung wolle die Städteregion den Blick auf dieses Engagement lenken und Dank sagen – nicht nur den Aktiven der vier prämierten Projekte, sondern denen der 28 weiteren Bewerber in diesem Jahr und all denen, die auch gute Arbeit für Familien leisten, aber keine Bewerbung eingereicht haben.Was sie alles für Familie leisten, wurde den Einwohnern von Venwegen erst so richtig durch das Prädikat „Familienfreundlich“ klar, sagt Nicole Schweitzer, die die Bewerbung initiiert hatte und jetzt zusammen mit dem zwölfjährigen Lukas Becker den Preis entgegennahm.

Überreicht wurde er ihnen von Stolbergs Bürgermeister Tim Grüttemeier und der Stolberger Ehrenamtsbeauftragten Hildegard Nießen. Herzstück der Aktivitäten von Vereinen und nicht organisierten Bürgern ist die Alte Schule, eine Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Rund 200 Menschen aus 50 Familien kümmern sich ehrenamtlich um die Einrichtung, organisieren Feste, Gruppentreffen und kulturelle Angebote. „Vorbildliches Miteinander“, urteilt die Jury.Das Projekt „Diesseits“ nimmt sich eines schwierigen Familienthemas an: der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die einen Sterbefall in ihrer nächsten Umgebung erlebt haben. Zwei Hauptamtlerinnen und sechs ehrenamtlich Tätige bieten seit 2011 diese Hilfe ein.

Oft übersehen

„Kinder werden bei Trauerfällen oft übersehen“, sagt Maria Pirch, die den Preis zusammen mit Ines Kaulard entgegennahm. „Das passiert nicht bewusst, aber es passiert.“ Oftmals werde es Monate nach einer Beerdigung deutlich, dass das Kind Hilfe benötige. „Wir sind einfach da. Wir hören zu.“ In der Gruppe treffen die Kinder und Jugendliche zudem auf Gleichaltrige, die gleiche Erfahrungen gemacht haben. „Es ist großartig, dass es auch bei so schwierigen Themen wie Trauer Menschen gibt, die sich engagieren“, lobt Theo Steinröx, Ehrenamtsbeauftragter der Städteregion.

In schwierigen Zeiten ist auch der Verein „Tapfere Knirpse“ für Familien da: Der bundesweit im Mai 2013 gegründete Zusammenschluss von Fotografinnen und Fotografen schenkt Familien mit schwerkranken, oft sterbenskranken Kindern, Fotoshootings. Sie wollen den Eltern und Kindern einerseits einige unbeschwerte Stunden bescheren und andererseits mit den Fotos bleibende Erinnerungen schaffen. Günter Jagodzinska, einer von 20 Aktiven des Vereins in der hiesigen Region, warb bei der Preisverleihung mit weitere Mitstreiter, warnte aber auch: „Das kann nicht jeder, es muss einfach passen.“ Dabei komme es nicht nur auf das fotografische Können an, sondern vor allem auf die Einstellung und das Einfühlungsvermögen. „Eltern schwerkranker oder gar sterbender Kinder denken in einer solchen Situation an alles, nur nicht daran, Erinnerungen zu schaffen“, sagt Städteregionsrat Etschenberg. „ Ich habe großen Respekt für dieses Projekt, das Familien auf andere Weise unterstützt.“

Die Generationen verbindend

Generationen verbindend sind die Spielplatzpaten in Eschweiler. 22 Männer und Frauen kümmern sich ehrenamtlich um 28 der 60 städtischen Spielplätze. Und dabei geht es nicht nur um Sauberkeit oder Sicherheit der Spielgeräte, wie Norbert Laufenberg berichtet. Der pensionierte Briefträger ist für vier Plätze im Stadtteil Dürwiß zuständig und oft Ansprechpartner für Anwohner oder auch Jugendliche. „Ich mache das gerne“, sagt er. Viel Aufhebens will er gar nicht machen um sein ehrenamtliches Tun. Er packt an, weil er gesehen hat, dass da was zu tun ist. „Ich sage immer: Bevor man sich über etwas beschwert, kann man es besser selber machen.“

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