Plage: Städteregion bekämpft giftige Pflanzen

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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95 Grad heißes Wasser kommt aus der Wasserlanze, mit der hier Mario Bappert die Wurzelknolle einer Herkulesstaude abtötet. Das Gerät wird seit dem Sommer dieses Jahres eingesetzt. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Drei Meter hoch wächst der Riesenbärenklau. Er produziert in seinen Blütendolden bis zu 20 000 Samen. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Städteregion. Vor wenigen Jahren noch wurden die Samen der Herkulesstaude in Tütchen verkauft, zum Anpflanzen im Garten: So große Pflanzen! So schöne weiße Blüten! Und sogar noch eine prima Bienenweide! Inzwischen ist der Riesenbärenklau, wie diese Pflanze eigentlich heißt, zu einer gefährlichen Plage geworden.

Sie verbreitet sich an Bachufern, erobert Naturschutzgebiete, verdrängt die heimische Flora. Und: Sie ist giftig. Seit dem Sommer gehen die Landschaftspfleger der Städteregion nicht nur mit dem Spaten, sondern mit Heißwasser-Lanzen gegen sie vor. Mit Erfolg.

Das auf einem Anhänger montierte Gerät erzeugt kochend heißes Wasser, das durch zwei isolierte Hochdruckschläuche zu Drucklanzen geleitet wird. Sie ähneln einem Hochdruckreiniger. Die Lanze mit mehreren Öffnungen in der Spitze wird in die Knolle gerammt und kocht diese mit dem schäumenden, heißen Wasser vollständig durch.

„Der Schaum, der dem Wasser beigemischt wird, ist notwendig, um die Hitze von 95 Grad möglichst lange zu halten“, erläutert Diplom-Ingenieur Udo Thorwesten vom Umweltamt der Städteregion. Der biologische Schaumerzeuger stammt aus der Kokosfettproduktion und ist unbedenklich für die Umwelt.

Es ist harte Arbeit für die Männer, die am Freitag auf einem mit Brennnesseln und Brombeerranken zugewucherten Gelände an der Inde in Eschweiler dem Riesenbärenklau den Garaus machten. Bei großen Pflanzen, die in weichem Boden stehen, graben sie die Wurzelknollen aus. Die sind so groß wie Zuckerrüben. An schwierigen Stellen, etwa zwischen Steinen an der Uferbefestigung, muss die Heißwasser-Lanze ran.

Besonders im Sommer ist das ein Knochenjob, denn dann müssen die Arbeiter auch Schutzmasken tragen, weil der Saft der Herkulesstaude phototoxisch ist – das Gift wirkt besonders bei Sonnenschein und kann zu Verbrennungen dritten Grades und schwer heilbaren Wunden führen. Beauftragt mit der Beseitigung des Riesenbärenklaus ist ein Team der Integrationsfirma LF-Werkstätten.

Vorarbeiter Alex Riffel hat große Erfahrung im Aufspüren der Wurzelknollen im Boden. „Er ist wie ein Trüffelschwein“, lacht Udo Thorwesten. „Das stimmt“, sagt Riffel. „Man kann die Pflanzen am Geruch unterscheiden, also den Riesenbärenklau und den einheimischen Bärenklau.“ Der einheimische soll natürlich bleiben.

Zur Verbreitung des Riesenbärenklaus tragen nicht nur Wasser und Wind, sondern auch gedankenlose oder gar böswillige Menschen bei. Das Grundstück an der Inde, auf dem am Freitag Alex Riffel und seine Kollegen arbeiteten, liegt in einem geschützten Gebiet.

Dennoch wurden dort Gartenabfälle abgeladen. „Das sind die Samstagmittag-Schubkarren-Fahrer, die da mal flott ihre Abfälle hinkarren“ ärgert sich Thorwesten. Auf den so gedüngten Flächen verbreitet sich der Riesenbärenklau fast explosionsartig. Ab und zu erwische man solche Leute, dann werden Bußgelder fällig.

Ganz falsch sei es auch, solche Pflanzen zu kompostieren oder in die Grüne Tonne zu stopfen. „Das Zeug gehört in die Restmülltonne“, beschwört Thorwesten alle Gartenfreunde. Die Samen bleiben jahrelang keimfähig und überstehen auch die Temperaturen in einer Rotte, in der es immerhin 60 Grad warm wird.

Seit 2008 kämpft die Untere Landschaftsbehörde der Städteregion gegen den Riesenbärenklau und andere Neophyten – das ist der Fachbegriff für Pflanzen, die aus anderen Weltgegenden eingewandert sind. Der Riesenbärenklau etwa stammt ursprünglich aus dem Kaukasus. Zu den Neophyten gehören zum Beispiel das Drüsige Springkraut, der Riesenknöterich und die Goldrute.

Im vorigen Jahr wurde das Springkraut erstmals probeweise im Naturschutzgebiet Wurmtal an zwei Stellen nahe der Alten Mühle bekämpft. In diesem Jahr waren nur noch ein Zehntel der Pflanzen übrig, die dann ausgerissen wurden. Auch die Biologische Station in Stolberg kümmert sich seit Jahren um Neophyten in vielen Schutzgebieten.

Seit Mitte Mai werden bereits in den Vorjahren bearbeitete Vorkommen von Riesenbärenklau von Baesweiler bis Monschau kontrolliert und die Restbestände behandelt. Auch neue Standorte werden von Bürgern, von der Landschaftswacht von der Biologischen Station und von Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde bei der Städteregion gemeldet, kartiert und individuell bekämpft. So kamen neue Vorkommen in Stolberg-Hammerberg, in Stolberg-Breinigerberg und in einem Rückhaltebecken in Würselen dazu.

Früher wurde in der Region versucht, den Riesenbärenklau durch Mähen kleinzuhalten oder ganz zu beseitigen. Das war ein Fehlschlag. Das Beispiel Meisbachtal im Nordkreis zeigt, dass die vorher mit einem Traktormulchgerät immer wieder niedergemähten Pflanzen stärker als vorher austrieben.

Sie waren schließlich wie ein flächendeckender Teppich und bildeten ihre Blüten schon in 20 Zentimetern Höhe aus. Thorwesten: „Die bloße Beseitigung der ausgetriebenen Pflanzenteile ist folglich das falsche Mittel.“ Auch nutze es nichts, die Pflanze chemisch oder durch Niedertreten zu bekämpfen. Sie erholt sich innerhalb weniger Tage und bildet dann Nottriebe und -blüten.

Um nicht nur die Herkulesstaude, sondern alle Neophyten zu bekämpfen, „bräuchten wir mindestens 30 Leute, das ganze Jahr über“, sagt Diplom-Ingenieur Thorwesten. „Wir machen in Naturschutzgebieten deshalb in erster Linie den Riesenbärenklau, weil er gefährlich ist.“

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