Pilotprojekt: Barrierefreies Wegenetz im Broichbachtal

Von: Michael Grobusch
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In einer ersten Stufe, so sieht es der Projektplan vor, soll eine barrierefreie Runde im Bereich des Herzogenrather Stausees hergerichtet werden. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Fangen wir an dieser Stelle mit der schlechten Nachricht an: Ein barrierefreies Leitsystem im Wurmtal lässt sich nicht realisieren. Ein Aachener Ingenieurbüro, das das Gebiet im Auftrag der Städteregion untersucht hat, kommt zu dem Schluss, dass dort zu viele Steigungen existieren, die sich durch bauliche Maßnahmen nicht so sehr ausgleichen lassen, dass sie für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zu bewältigen wären.

Drei Prozent gilt in Fachkreisen als Grenzwert. „Und das werden wir dort genauso wenig hinbekommen wie in Monschau“, stellt Bettina Herlitzius mit Bedauern fest.

Ganz andere Perspektiven bieten sich hingegen im Broichbachtal, und damit kommen wir zu der guten Nachricht. Hier gibt es fast ausschließlich Wege, die unter der Drei-Prozent-Marke liegen. Und somit beste Voraussetzungen, um das Projekt, das nach Aussage der Leiterin des Amtes für Inklusion und Sozialplanung über die Städteregion hinaus Pilot- und Vorbildcharakter hätte, zu realisieren. „Wir wollen nicht nur eine Runde anbieten, sondern mehrere. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal“, betont Herlitzius.

Die Experten schlagen der Städteregion eine Umsetzung in fünf Stufen vor. Den Anfang würde demnach eine Runde um die Talsperre Herzogenrath machen. Die folgenden Erweiterungen führten dann zunächst bis „Ruif“ und danach bis zur Römergasse, zum Parkplatz Duffesheider Weg und schließlich bis zum Tierpark in Alsdorf.

Allerdings wäre dies mit einem erheblichen Aufwand verbunden: Unebenheiten müssten beseitigt und die Wegeoberflächen erneuert werden, eine einseitige Kante – etwa mit Holzplanken – wäre für Sehbehinderte und Blinde notwendig, und nicht zuletzt müssten Sitzgelegenheiten in kürzeren Abständen geschaffen werden. Insgesamt listet das Ingenieurbüro in seiner Expertise 22 Maßnahmen auf, die zur Schaffung der uneingeschränkten Barrierefreiheit umgesetzt werden müssten.

„Das ist machbar“, versichert Bettina Herlitzius, die mit den betroffenen und für die Wege verantwortlichen Kommunen bereits Gespräche geführt hat. Und es sei auch finanzierbar, zeigt sich die Amtsleiterin zuversichtlich: „Wir hoffen darauf, im Rahmen des Städtebauförderprogramms ‚Investitionspaket Soziale Integration im Quartier NRW‘ berücksichtigt zu werden.“

Eine 90-prozentige Förderung winkt in einem solchen Fall, der Eigenanteil dürfte bei einem geschätzten Gesamtkostenvolumen von „weniger als 500.000 Euro“ von den drei Kommunen und der Städteregion leicht zu schultern sein.

Größere Probleme als die Finanzierung könnte hingegen die ebenfalls vorgesehene barrierefreie Herrichtung der Haltestellen und der Einsatz entsprechender Linienbusse bereiten. „Die Barrierefreiheit wird im neuen Nahverkehrsplan gefordert und soll schrittweise nach einer Prioritätenliste umgesetzt werden.

Mit unserem Pilotprojekt könnten wir eine hohe Priorität erlangen“, stellt Herlitzius mit Blick auf die erforderlichen Baumaßnahmen fest. Anders sei der Zusammenhang bei den Bussen. „Die müssen die Kommunen bestellen.“ Und damit auch die Kosten tragen.

Die Einreichungsfrist für Anträge zum erwähnten Städtebauförderprogramm endet am 3. Mai. Bis dahin sollen die Gespräche mit den Technischen Beigeordneten aus Alsdorf, Herzogenrath und Würselen abgeschlossen sein und im Städteregionsausschuss am 27. April ein Grundsatzbeschluss gefasst werden.

Damit wären die Weichen – eine Genehmigung des Landes vorausgesetzt – grundsätzlich gestellt. „Doch bis zur Umsetzung wird man sich noch einige Zeit gedulden müssen“, betont Bettina Herlitzius. „Das Thema ist komplex. Ich rechne damit, dass wir frühestens zur Jahreswende 2018/19 loslegen können.“

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