Pflege zu Hause oder doch im Heim?

Von: Jutta Geese
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Gut versorgt im Pflegeheim: In der Städteregion gibt es rechnerisch genügend Plätze für pflegebedürftige Menschen. Deshalb soll im nächsten Jahr auch keine neue Einrichtung mehr gebaut werden. Foto: Stock/epd

Städteregion. Es ist in den Kommunen unübersehbar: Die Zahl der alten und sehr alten Menschen steigt. Derzeit ist bereits jeder Vierte in der Städteregion 60 Jahre und älter – im Jahr 2030 wird es jeder Dritte sein. Dann werden voraussichtlich 190.000 Frauen und Männer der Generation 60plus angehören, rund 136.000 sind es jetzt.

Und die Zahl der Hochaltrigen – 85 Jahre und älter – unter ihnen wird von jetzt 12.500 auf dann 22.000 steigen. Das hat Antje Rüter für das aktuellen Demografie-Kompendium der Städteregion erreichnet. Spannende Fragen, die sich aus diesen Zahlen ergeben, lauten: Wie viele Seniorinnen und Senioren werden in den nächsten Jahren pflegebedürftig sein? Wie viele werden dann einen Heimplatz brauchen? Oder einen Platz in einer Tagespflegeeinrichtung? Und: Wo werden solche Plätze gebraucht?

Fragen, die die Sozialwissenschaftlerin vom städteregionalen Amt für Kultur und empirische Forschung in Rahmen der Kommunalen Pflegeplanung zu beantworten sucht. Anhand ihrer Ergebnisse muss die Politik entscheiden, ob in einer der zehn Kommunen zwischen Baesweiler, Aachen und Monschau Handlungsbedarf besteht.

Für das kommende Jahr haben Rüter und ihre für Pflegeplanung zuständigen Kollegen vom städteregionalen Sozialamt „Entwarnung“ gegeben, jedenfalls für den Heimbereich: Aktuell ist das Angebot an Heimplätzen nämlich größer als es rechnerisch sein muss, bei einer Auslastung von durchschnittlich 93 Prozent. Und das bedeutet: Es wird keine verbindliche Bedarfsbestätigung gemäß dem Alten- und Pflegesetz NRW erteilt. Als Konsequenz daraus folgt: Wer dennoch eine neue stationäre Pflegeheimrichtung bauen will, kann dies zwar tun, erhält dafür aber keine Zuschüsse.

Die Konferenz „Alter und Pflege“ hat sich der Empfehlung der Verwaltung bereits angeschlossen. Der Sozialausschuss wird sich in der kommenden Woche (Mittwoch, 16 Uhr im Städteregionshaus, Zollernstraße in Aachen) mit dem Thema beschäftigen. Die Fachleute in der Konferenz begrüßten, dass die Städteregion für den Bereich Tagespflegeeinrichtungen keine verbindliche Bedarfsaussage treffen will. Dies deshalb, weil es noch keine Erkenntnisse darüber gibt, wie sich dieser Bereich entwickeln wird, nachdem die finanziellen Rahmenbedingungen für die Tagespflege geändert worden sind.

„Insbesondere bei der Tagespflege muss man zudem stärker die Quartiersperspektive einnehmen, also vom Wohnviertel der alten Menschen ausgehen, die einen Tagespflegeplatz brauchen“, sagt Rüter. Derzeit reiche das Angebot – 322 Plätze in 24 Einrichtungen – sicher noch nicht aus, ebenso wenig wie das Angebot an Kurzzeitpflegeplätzen. „Aber es gehen zurzeit noch zahlreiche Anfragen für die Errichtung neuer Tagespflegeeinrichtungen ein.“

Wie drängend das Thema Pflege ist, sowohl mit Blick auf ambulante als auch auf teil- oder vollstationäre Hilfen, belegen folgende Zahlen, die Rüter zusammengestellt hat: In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Pflegebedürftigen in der Städteregion um gut 5500 auf aktuell etwa 21.300 gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 35 Prozent. Und bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen auf gut 26.700 steigen.

Mehr als 16.100 der aktuell Pflegebedürftigen – das entspricht fast 76 Prozent – werden zu Hause versorgt, die meisten (knapp 11.800) sogar ausschließlich von Angehörigen. Bei den anderen sind zusätzlich oder aber auch ausschließlich Beschäftigte der insgesamt 82 ambulanten Pflegedienste im Einsatz. Eine Tendenz: Erst wenn es gar nicht mehr zu Hause geht, kommt für viele ein Umzug in eines der 68 Heime in der Städteregion in Frage. „Je älter die Menschen und je höher der Grad der Pflegebedürftigkeit, desto höher ist der Anteil an Heimpflege“, stellt Rüter fest.

Wie sich die Nachfrage in den kommenden Jahren verändern wird, hängt laut Rüter von verschiedenen Faktoren ab. Es sei aber davon auszugehen, dass die Zahl der pflegenden Angehörigen zurückgehen werde. „Das liegt daran, dass sich Familienstrukturen verändert haben. Es gibt heute viel mehr Ein-Kind-Familien als früher. Deutlich mehr Frauen als früher sind erwerbstätig und stehen deshalb für die familiäre Pflege nicht mehr in dem Maße zur Verfügung, wie man es heute noch kennt.“ Einfluss auf die Nachfrage habe sicherlich auch, wie die Pflegeversicherung weiterentwickelt wird.

Eine immer größere Rolle wird das Thema Demenz spielen, meint Rüter. Denn die Zahl der Erkrankten nimmt stetig zu. Aktuell sind fast 10.000 Menschen in der Städteregion betroffen – und jährlich gibt es 2100 Neuerkrankungen.

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