Pflege: Noch tragen Familien die Hauptlast

Von: Jutta Geese
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Aachen. Die beiden Befunde lassen aufhorchen: Überdurchschnittlich viele Menschen in der Städteregion sind pflegebedürftig, gleichzeitig weist die Städteregion eine der niedrigsten Quoten bei der stationären Versorgung in Nordrhein-Westfalen auf.

Woran ersteres liegt, lässt sich aus dem aktuellen Bericht zur kommunalen Pflegeplanung, der am Dienstag im Seniorenbeirat und kommende Woche im Sozialausschuss der Städteregion vorgestellt wird, nicht ablesen.

Gründe für die niedrige Heimquote dagegen schon. In der Städteregion, vor allem in den Kommunen des ehemaligen Kreises, scheinen die familiären Strukturen noch intakt und die Bereitschaft, sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern, recht hoch zu sein. So werden in den früheren Kreiskommunen knapp 76 der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, in der Stadt Aachen 68 Prozent. Fraglich aber ist angesichts der demographischen Entwicklung, ob dies in den kommenden Jahren so bleibt.

Zwar wird die Einwohnerzahl allen Prognosen zufolge bis zum Jahr 2030 noch leicht - um 0,7 Prozent - steigen. Enorm wachsen aber wird der Anteil der Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind - von knapp einem Viertel auf dann mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Und mit fortschreitendem Lebensalter erhöht sich das Krankheits-, Hilfe- und Pflegebedürftigkeitsrisiko.

„Tendenziell sinkende Bevölkerungszahlen in den jüngeren Altersgruppen, sich verändernde Familienstrukturen, eine zunehmende Zahl kinderloser Paare sowie steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen der jüngeren und mittleren Generation sprechen mittel- bis langfristig für einen deutlichen Rückgang des informellen Pflegepotenzials klassischer Prägung, vor allem Töchter und Schwiegertöchter”, folgert Diplom-Soziologin Antje Rüter, die den Bericht für die Städteregion erstellt hat. Sprich: Die Nachfrage nach professioneller Pflege, ob ambulant oder stationär, wird auch in der Städteregion steigen. Und darauf müssen sich die Kommunen vorbereiten.

Lag der Anteil der Pflegebedürftigen Ende 2007 in den zehn Kommunen bei 3,15 Prozent (NRW: 2,7) oder 17.905 Frauen und Männern, steigt die absolute Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 in der Städteregion je nach Modellrechnung auf 25.200 bis 27.100. Derzeit werden über 72 Prozent der Pflegebedürftigen (knapp 13.000) zu Hause betreut, etwa 9600 ausschließlich durch Familienangehörige und 3400 mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes. In Heimen leben etwa 4900 Frauen und Männer.

„Die Versorgungsstrukturen in der Städteregion sind recht gut ausgebaut”, bilanziert Rüter die Lage. So gibt es 63 stationäre Pflegeheime mit insgesamt rund 5250 Plätzen und 55 ambulante Pflegedienste. „Das ist ein flächendeckendes Angebot”, meint Rüter, auch wenn es „leichte regionale Ungleichgewichte” gebe.

Erfreulicherweise habe sich auch im Bereich Tagespflege einiges bewegt. So stieg die Zahl der Einrichtungen von 2007 bis Mitte 2009 von sieben auf zehn, die Zahl der Plätze von 86 auf 122 - wobei das Angebot in Aachen deutlich besser als in den übrigen neun Kommunen ist.

Empfehlungen, in welchem Umfang welche Hilfsangebote wo ausgebaut werden sollten, gibt der Bericht nicht. Denn es lässt sich laut Rüter kaum prognostizieren, wie sich die Nachfrage tatsächlich entwickeln wird. Viele Einflussfaktoren spielen dabei eine Rolle - angefangen von der finanziellen und rechtlichen Ausgestaltung der Pflegeversicherung über die qualitative und quantitative Entwicklung nachbarschaftlicher und familiärer Hilfesysteme bis hin zu Folgen des medizinischen Fortschritts. Der Bericht soll jedoch die Grundlage für Diskussionen über mögliche Folgen des demographischen Wandels auf den Pflegebereich in den zehn Kommunen schaffen.
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