Städteregion - Personalnot: Staus bei der Kfz-Anmeldung

Personalnot: Staus bei der Kfz-Anmeldung

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
12925216.jpg
Warteschlangen im Straßenverkehrsamt: Die – zu wenigen – Mitarbeiter bearbeiten jährlich die Anliegen von 150 000 Besuchern und beantworten 100 000 Anrufe sowie 150 000 E-Mails. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Lange Warteschlangen, eingeschränkte Öffnungszeiten: Jeder, der mit dem Straßenverkehrsamt der Städteregion zu tun hat, bekommt zu spüren, wie groß die Personalnot in dieser Behörde ist.

Die Gründe sind dieselben wie vor vier Jahren, als das Amt schon einmal wegen überlanger Wartezeiten für Schlagzeilen sorgte: Immer weniger Beschäftigte müssen immer mehr Fälle bearbeiten und neue gesetzliche Aufgaben erfüllen. Die hohe Arbeitsbelastung und die Überstunden gehen auf Dauer an ihre Substanz. Mit der Folge, dass der Krankenstand überdurchschnittlich hoch ist.

Das Personal muss deutlich aufgestockt werden – um mindestens neun Volllzeitstellen, damit die von der Politik geforderte Servicequalität gehalten und alle gesetzlichen Aufgaben erfüllt werden können. Letzteres ist derzeit nicht gewährleistet. Das hat eine unabhängige Unternehmensberatung ermittelt. Werden deren Vorschläge zur Neuorganisation und zur besseren technischen Ausstattung des Amtes nicht umgesetzt, wären sogar 20 zusätzliche Vollzeitstellen nötig – bei derzeit 71, verteilt auf 82 Beschäftigte.

Acht Monate lang haben die Gutachter jeden einzelnen Arbeitsplatz im Straßenverkehrsamt genau unter die Lupe genommen. Sie haben ermittelt, was wie in welcher Zeit bearbeitet wird, haben sich die Abläufe und die Organisationsstrukturen angeschaut und die Ergebnisse mit denen anderer Straßenverkehrsämter verglichen. Aus all diesen Daten und Befunden haben sie 37 Maßnahmen abgeleitet, deren sukzessive Umsetzung in den nächsten Jahren zu dauerhaften Verbesserungen führen soll.

Das reicht von der besseren IT-Ausstattung (Hard- wie Software), über die Veränderung von Arbeitsabläufen bis zur Anschaffung eines Systems, das Bürgern auf der Homepage und dem Smartphone die jeweils aktuellen Wartezeiten anzeigt und die Möglichkeit von Terminreservierungen bietet.

Beschäftigte eingebunden

„Wir haben keinen Prozess über die Beschäftigten gemacht, sondern mit ihnen“, betonte Gutachter Christian Griesbach jetzt im Personalausschuss. „Und wir haben motivierte Mitarbeiter angetroffen, die sehr engagiert mitgearbeitet haben“, betonte er. „Das ist nicht alltäglich und auch nicht üblich.“

Nicht üblich ist auch, dass die Führungskräfte so massiv wie dort ins operative Tagesgeschäfts eingebunden sind. „Sie fehlen damit natürlich als Ansprechpartner für die Beschäftigten bei Problemen“, erklärte Griesbach. Ganz abgesehen davon, dass nach Auffassung des Organisationsentwicklers die Führungsebene „viel zu dünn besetzt“ ist.

Bei all dem überrascht, dass sich die Arbeitsergebnisse im Vergleich zu anderen Straßenverkehrsämtern durchaus sehen lassen können. Allerdings: Manche gesetzliche Pflichtaufgaben, beispielsweise die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten und die Überprüfung von Sehteststellen, bleibe schon mal auf der Strecke.

„Wir brennen darauf, die Vorschläge der Gutachter umzusetzen“, erklärte Dezernent Gregor Jansen im Ausschuss. Als Sofortmaßnahme zur Behebung der für Bürger wie Beschäftigte gleichermaßen unbefriedigenden Situation im Straßenverkehrsamt würde er gerne möglichst schnell vier zunächst auf zwei Jahre befristete Stellen einrichten. „Das soll auch ein Signal in Richtung unserer Mitarbeiter sein, dass sich etwas tut“, betonte Personaldezernent Axel Hartmann.

Doch dieses Signal gaben die Politiker im Personalausschuss nicht. Sie monierten vielmehr, dass ihnen noch nicht das Gesamtkonzept mit allen 37 Gutachter-Vorschlägen vorliegt. Erst wenn sie dieses gelesen und darüber beraten haben und wenn die Verwaltung eine „ordentliche Vorlage“ (Heiner Höfken, SPD) für die Sitzung des Städteregionsausschuss am 29. September vorlegt, wollen sie sich dazu äußern. Bislang könne er „nicht nachvollziehen“, ob tatsächlich so viele Stellen geschaffen werden müssen oder ob nicht einige durch technische Hilfsmittel überflüssig werden, sagte Franz Körlings (CDU).

Er könne ja verstehen, dass die Politiker mehr Informationen brauchen, sagte Personalratsvorsitzender Frank Schalge. Er machte aber auch deutlich, dass dringend gehandelt werden muss. Die Belastungsgrenze der Mitarbeiter im Straßenverkehrsamt sei längst erreicht, wenn nicht überschritten. Bislang habe der Personalrat der Mehrarbeit immer zugestimmt. „Aber jetzt sind wir nicht mehr bereit, die Leute mehr zu belasten.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert