Aachen - Per Teilzeit in den Job: Offensive für den Einstieg

Per Teilzeit in den Job: Offensive für den Einstieg

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Aachen. Das Sozialwerk Aachener Christen ist ebenso wie der „Verein für Allgemeine und Berufliche Weiterbildung“ (VABW) aus Alsdorf eng mit Arbeit und den Wegen in den Job verknüpft. Jeder, der hier hinkommt, will (wieder) erfolgreich am Arbeitsleben teilnehmen.

Wenn der etwa dreijährige Rotschopf mit Karacho und Luftballons in den Händen zu seinen Eltern in der ersten Reihe rennt, ist aber klar: Heute ist nicht Arbeit allein die oberste Priorität der Besucher der Rosfabrik, dem Standort des Sozialwerks. Im Einklang mit der Versorgung von Kindern oder Pflegebedürftigen eine Ausbildung machen – das ist ihr Ziel. Das Projekt TEP kann die Lösung sein. Jetzt wurde es in der Rosfabrik vorgestellt.

TEP steht für: Teilzeitausbildung, Einstieg begleiten, Perspektiven eröffnen. 25 Frauen und Männer werden zum 1. April in das neue Programm aufgenommen. In vier bis sechs Monaten werden sie vom Sozialwerk oder dem VABW auf eine duale Ausbildung vorbereitet und nach Ausbildungsbeginn noch weitere sechs bis acht Monate begleitet. Es kann der Einstieg in eine neue, selbstbestimmte Zukunft sein.

Das Berufsbildungsgesetz sieht seit 2005 die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung vor, wenn die Auszubildenden durch Familie oder Pflege eines Angehörigen zeitlich eingeschränkt sind. Egal für welchen Beruf sie sich schließlich entschieden haben – ihre Abschlussprüfung machen sie in der Regel nach der regulären Ausbildungszeit von drei bis dreieinhalb Jahren. Allerdings eignen sie sich in gut der Hälfte der Arbeitszeit – in 25 bis 30 Wochenstunden – das nötige Fachwissen in Betrieb und Berufsschule an.

Hohe Sozialkompetenz

So ist das auch bei TEP. Die Teilnehmer des vom Land und der EU geförderten Projekts genießen jedoch einen unschlagbaren Vorteil: Sie stehen der Ausbildungsplatzsuche, der Bewerbung, der Organisation von Kinderbetreuung und Pflege sowie den Herausforderungen des Lernens nicht allein gegenüber.

Mitbringen müssen sie einen Schulabschluss – mindestens von einer Hauptschule – und vor allem Zielstrebigkeit, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. „Sonst sind die Unternehmen nicht zu überzeugen“, macht Karin Wieder, TEP-Projektverantwortliche beim Sozialwerk, deutlich.

Die Betriebe stehen der Teilzeitausbildung nach anfänglicher Zurückhaltung indes zunehmend positiv gegenüber. Zwar geht die verkürzte Zeit voll zu Lasten des praktischen Einsatzes am Ausbildungsplatz, „dafür bringen die Bewerber oft eine viel größere Sozialkompetenz und Lebenserfahrung mit“, sagt Waltraud Greven, Referatsleiterin Berufsstart der IHK Aachen.

„Wer sich einmal darauf eingelassen hat, ist gerne wieder dabei.“ Die IHK wirbt ebenso wie die Handwerkskammer bei ihren Mitgliedern aktiv für die Teilzeitausbildung und steht den TEP-Teilnehmern beratend zur Seite. Denn so ließen sich auch Ausbildungsplätze mit hoch motivierten Leuten besetzen, die ansonsten frei blieben und den Fachkräftemangel weiter anheizten.

„Besonders Betriebe aus der Nahrungsmittelverarbeitung haben diese Chance bereits erkannt“, erklärt Christine Kappes. Sie leitet die Regionalagentur als Schnittstelle zwischen Land und Region, wenn es um die Umsetzung arbeitspolitischer Programme des Landes NRW und der EU geht. Grundsätzlich ist TEP aber auf keine bestimmte Branche festgelegt. Neben allen dualen Ausbildungen steht auch der schulische Weg in die Altenpflege offen.

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