Aachen - Online-Konten: Wer weniger hat, zahlt jetzt noch mehr

Online-Konten: Wer weniger hat, zahlt jetzt noch mehr

Von: Matthias Hinrichs
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Per Internet wird‘s teurer, wenn die monatlichen Eingänge 1750 Euro nicht übersteigen: Die Sparkasse hat die Gebühren für Online-Konten erhöht. Foto: imago stock

Aachen. Wenn es ums „liebe Geld“ geht, erlebt so mancher dieser Tage eine böse Überraschung: Zum 1. Januar hat die Sparkasse Aachen die Gebühren für Online-Konten, auf die monatlich weniger als 1750 Euro eingehen, von 3,50 Euro auf 4,50 Euro pro Monat erhöht.

Die Maßnahme, die bereits im Oktober offiziell angekündigt worden war, ist im Verwaltungsrat des Geldinstituts längst abgesegnet worden, stößt jetzt aber auch bei einigen Politikern auf Kritik. Von manchem empörten Kunden ganz zu schweigen: Als „unsozial“ brandmarkte etwa AZ-Leser Wolfgang Raub die Entscheidung jüngst per Facebook an die Adresse des Sparkassenvorstands. Dabei, betonte er, gehe es ihm viel weniger um den Dreh an der Tarifschraube an sich als ums grundsätzliche Gebaren in Sachen Gebühren.

Knackpunkt: Kosten werden nur für Online-Konten fällig, die Bewegungen unter der besagten Summe von 1750 Euro ausweisen. Kunden, deren Einkünfte höher liegen, zahlen nichts. Bislang lag das Limit bei lediglich 1000 Euro. „Es kann doch nicht angehen, dass gerade Menschen mit geringen Einkommen derart zur Kasse gebeten werden“, findet Raub.

Verkehrte Welt auf dem viel zitierten Finanzsektor? Die Sparkasse jedenfalls weist die Vorwürfe nicht zuletzt mit Hinweis auf die gängige Praxis in der Branche mit Nachdruck zurück: Ohnehin würden private Geldgeschäfte per Internet prinzipiell preiswerter abgewickelt, betont Pressesprecher Achim Plaum auf AZ-Nachfrage.

Die Erhöhung sei erforderlich geworden, da eine „Subventionierung“ von Konten mit entsprechend geringen Einlagen „aufgrund der aktuellen Zinssituation nicht mehr darstellbar“ sei. Heißt: Angesichts „negativer Ertragsentwicklung“ unter anderem aus dem allgemeinen Kreditgeschäft sehe sich auch die Sparkasse gezwungen, Kosten für Dienstleistungen und Verwaltung bei schmaleren Konten verstärkt zu kompensieren, da letztere im operativen Geschäft naturgemäß wenig einbringen beziehungsweise die Gesamtbilanz sogar belasten.

„In anderen Kreditinstituten liegt die Bemessungsgrenze weit höher, nämlich bei etwa 3000 Euro“, unterstreicht Plaum. Lediglich bei der genossenschaftlich organisierten Aachener Bank ist das Limit bereits seit 2007 bei 1250 Euro angesetzt.

Für Studierende und Auszubildende bleibe die Kontenführung überdies weiterhin gratis, betont Plaum. Individuelle Lösungen seien zudem möglich, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. AZ-Leser Raub freilich appelliert vor allem an das „soziale Gewissen“ der Verantwortlichen bei der Sparkasse, die sich als Finanzdienstleister immerhin dem Gemeinwohl verpflichtet hätten.Dies habe er auch in einem „Brandbrief“ an Oberbürgermeister Marcel Philipp – seines Zeichens Verwaltungsratsvorsitzender des Unternehmens – sowie diverse Vertreter der Ratsfraktionen zum Ausdruck gebracht.

Philipp bekräftigt dagegen, die Preiserhöhung sei durchaus nachvollziehbar. „Schließlich muss die Sparkasse langfristig im Wettbewerb mit anderen Häusern bestehen können“, sagt er. Dies zumal, da private Institute weniger gut Betuchte oft gar nicht erst als Kunden akzeptierten. Helmut Ludwig, der dem Verwaltungsrat der Sparkasse für die Grünen angehört, hält die Kritik hingegen für berechtigt: „Wir wollen das Thema auf jeden Fall noch einmal aufs Tableau bringen; wir finden es nicht richtig, dass hier Menschen mit kleineren Einkommen benachteiligt werden.“

Auch die Linke, betont Raub, habe sich entschieden gegen die Erhöhung ausgesprochen. „Man könnte hier sicher zu einer verträglicheren Lösung kommen, indem man eine Art Solidaritätsbeitrag einführt und diese Kosten auf alle Kontoinhaber umlegt“, meint der Sparkassenkunde. „Damit könnte man zum Beispiel Alleinerziehende mit ,prekären‘ Einkommensverhältnissen entlasten.“

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