Ohne Stichwahl und für sechs Jahre

Von: Udo Kals
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Herzogenrath. Christoph von den Driesch hat für seine Zunft in die Kristallkugel geguckt: Als erster Bürgermeister in der Städteregion wurde der Christdemokrat am 24. Februar vergangenen Jahres für sechs Jahre gewählt - in einem Wahlgang, ohne Stichwahl.

Und als erster Kandidat in Stadt und Kreis Aachen ging er mit seinen Konkurrenten Dr. Manfred Fleckenstein (SPD) und Anne Fink (Grüne) alleine auf Stimmenfang, abgekoppelt von den Wahlen zum Stadtrat, die sonst für die politische Begleitmusik sorgen. „Wir haben schon Pionierarbeit geleistet”, erinnert sich der CDU-Mann an einen besonderen Wahlkampf, der aber auch so manche Herausforderungen mit sich brachte.

„Viele Reformen auf Kommunalebene sind bei den Bürgern und selbst bei Parteimitgliedern noch nicht angekommen. Da musste ich schon das eine oder andere Mal erklären, warum der Bürgermeister überhaupt und warum nur der alleine gewählt wird”, erzählt von den Driesch.

Ganz so viel Neuland wie seinerzeit Christoph von den Driesch betreten die 43 Kandidaten, die sich in Stadt und Kreis Aachen um die Chefposten in den Rathäusern und in der Städteregion bewerben, indes nicht. Noch werden die (Ober-)Bürgermeister und die Parlamente am 30. August bei einer Wahl bestimmt.

Doch dies zum letzten Mal. Denn während die Stadt- und Gemeinderäte sowie der Städteregionstag auf fünf Jahre gewählt werden, bleiben die Verwaltungschefs sechs Jahre im Amt. Das heißt: In Zukunft wird es viele verschiedene Wahltermine geben - nicht nur, wenn ein Bürgermeister mitten in seiner Amtszeit etwa aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten muss. Dies war in Herzogenrath Ende 2007 passiert, so dass ein Nachfolger für Gerd Zimmermann (CDU) gewählt werden musste.

Wie die Bürger künftig bei den Einzelwahlterminen mobilisiert werden können, bleibt abzuwarten. Von den Drieschs erste Erfahrungen sind nicht so gut. Im Vergleich zur Kommunalwahl 2004 fiel die Wahlbeteiligung um 14,6 auf 42,2 Prozent. Und noch zwei weitere Zahlen kennt er: Zwar siegte er mit 48,5 Prozent der Stimmen (Fleckenstein: 44,3 Prozent, Fink: 7,2 Prozent), doch auf alle rund 38000 Wahlberechtigten bezogen, wurde er nur von jedem Fünften (20,2 Prozent) gewählt. Reicht das? „Natürlich gibt es da ein Problem. Aber ich fühle mich ausreichend legitimiert und werde auch als Bürgermeister aller Herzogenrather akzeptiert”, sagt er und führt aus: „Es gibt nicht das perfekte Wahlsystem. Wobei ich nicht glaube, dass das vorherige Wahlrecht besser war als das jetzige.” Die Ergebnisse aus anderen Kommunen hätten gezeigt, dass die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl 14 Tage nach dem ersten Urnengang oft nicht mehr so hoch gewesen sei. Wichtig ist ihm, dass der Bürgermeister als Verwaltungschef im Gegensatz zum früheren Stadtdirektor direkt vom Bürger gewählt wird. „Das unterstreicht die besondere Position.”
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