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Ohne Berufsabschluss kaum Chancen auf einen Job

Von: Jutta Geese
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Städteregion. So viele Frauen und Männer wie seit zehn Jahren nicht mehr sind in der Städteregion sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 189.000 sind es laut der jüngsten Zahlen der Arbeitsagentur, etwa 11.000 mehr als im Jahr 2004 und sogar 18.000 mehr als im Krisenjahr 2006.

Allerdings: Die Zunahme ist komplett auf die Einrichtung von Teilzeitstellen zurückzuführen. Deren Zahl stieg seit 2006 um 19.000 oder 58 Prozent, während die Zahl der Vollzeitstellen um 900 oder 0,6 Prozent schrumpfte. Eine Folge: Die Zahl derjenigen, die auf Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende (Hartz IV) angewiesen ist, steigt wieder. Derzeit betrifft dies in der Städteregion rund 53.000 Frauen, Männer und Kinder.

„Zwei Hauptproblemlagen“ hat das Jobcenter der Städteregion bei der Analyse der Daten ausfindig gemacht, erklärte Manfred Kreutzer, stellvertretender Jobcenter-Geschäftsführer, am Dienstag bei der Vorstellung der Jahresstatistik zusammen mit der Aachener Arbeitsagentur: die hohe Zahl der Hartz-IV-Leistungsbezieher ohne Berufsabschluss und die hohe Zahl derer, die aufgrund von massiven Problemen wie Überschuldung oder Sucht nur schwer in Arbeit zu vermitteln sind.

Konzept entwickelt

„Wer verschuldet ist, denkt erst einmal daran, wie er damit fertig wird, und weniger daran, wie er einen Job bekommt“, stellte Kreutzer fest. Deshalb habe das Jobcenter im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Städteregion und den Beratungsstellen ein Konzept entwickelt, um Überschuldeten schneller als bislang zu helfen. Mehr als 1800 Beratungsgutscheine, 300 mehr als im Jahr zuvor, habe man ausgestellt. „Das wollen wir weiter ausbauen, auch bei anderen psychosozialen Problemen, um Vermittlungshemmnisse aus dem Weg zu räumen.“

Schwer in Arbeit zu vermitteln sind insbesondere die Menschen, die keinen Berufsabschluss haben. Und das sind viele in der Städteregion – 69 Prozent der aktuell rund 18.500 beim Jobcenter gemeldeten Arbeitslosen. 20 Prozent haben nicht einmal einen Hauptschulabschluss. Deshalb setzt das Jobcenter auf eine Art Bausteinsystem: „Wir müssen bei den Menschen die Lust am Lernen wieder wecken und sie mit sehr niedrigschwelligen Angeboten zu einer abschlussorientierten Qualifikation motivieren.“ Wie die Aachener Arbeitsagentur bei ihrer Klientel will das Jobcenter mehr Frauen und Männern zu einem Berufsabschluss zu verhelfen, statt sie in kurze Qualifizierungsmaßnahmen zu stecken. „Da wollen wir uns 2014 schwerpunktmäßig engagieren“, betonte Kreutzer. Er denkt da vor allem an sogenannte betriebliche Einzelumschulungen und weniger an außerbetriebliche Maßnahmen.

Eine Herkulesaufgabe, wie die Zahlen erahnen lassen. Zumal weder die Arbeitsagentur noch das Jobcenter damit rechnen, dass ihr Budget in diesem Jahr deutlich aufgestockt werden wird. Jürgen Koch, Vorsitzender der Arbeitsagentur Aachen-Düren, sieht jedoch auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Sie müssten sich angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung darauf einstellen, dass sie „auch Schwächere einstellen müssen“, die aber, so Koch, „auch ihr Potenzial mitbringen“.

Kontinuierlich ist auch die Zahl derjenigen gestiegen, die zwar erwerbstätig sind, aber zusätzlich zu ihrem Einkommen auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind. In der Städteregion sind dies etwa 10.000 Menschen, 1000 mehr als im Jahr 2007. Die meisten der sogenannten Aufstocker – 5800 sind es aktuell, 700 mehr als im Jahr 2007 – sind geringfügig beschäftigt, verdienen also weniger als 450 Euro im Monat. 1600 (+ 300) verdienen zwischen 450 und 850 Euro und 2000 (- 160) mehr als 850 Euro. Selbstständig erwerbstätig, aber zusätzlich auf Hatz IV angewiesen sind etwa 730 Frauen und Männer (+ 230). Wie viele von ihnen von einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde, wie ihn die Große Koalition einführen will, profitieren würden, vermag niemand zu sagen.

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