Nicht weggesehen, sondern Leben gerettet

Von: Daniel Gerhards
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Mit dem Bürgerpreis „Zvilcourage” ausgezeichnet: Michael Klarmann (v.l.), Kevin Martin und Christa Kerhof. Foto: Daniel Gerhards

Aachen. Als Kevin Martin sah, dass auf dem Baesweiler Marktplatz ein älterer Mann stürzte, überlegte er nicht lange. Er lief gleich zu ihm und vergewisserte sich, was mit ihm los war. „Zuerst war ich ziemlich geschockt”, sagt der Zehnjährige. Doch dann wurde ihm klar, dass er helfen musste.

„Der Mann ist dann auch noch auf die Straße gestürzt”, erzählt Kevin. Er lief zum nächsten Haus, damit die Anwohner per Telefon Hilfe holen konnten.

Für diesen Einsatz wurde Kevin Martin jetzt mit dem erstmals vergebenen Bürgerpreis „Zivilcourage” ausgezeichnet. Axel Hartmann, allgemeiner Vertreter von Städteregionsrat Helmut Etschenberg, lobte das entschlossene Handeln der Preisträger, zu denen auch Michael Klarmann und Christa Kerhof gehören. „Sie haben gehandelt, als es eigentlich einfacher war wegzusehen.”

Und das Helfen gestaltete sich für Kevin schwer. Als er bei einer Anwohnerin klingelte, wollte diese nicht den Notruf wählen. Der Junge bat die Frau solange, bis diese doch zum Telefon griff. „Man kann schon sagen, dass Kevin ein Held ist”, sagte Theo Steinröx, Ehrenamtsbeauftragter der Städteregion. „Er hat sich gegen den Widerstand Älterer durchgesetzt.”

Auch Christa Kerhof handelte in einer Notsituation uneigennützig und geistesgegenwärtig. Sie beobachtete, wie ein bewaffneter Mann in einen Drogeriemarkt in Burtscheid ging. Und ihr wurde gleich klar, dass er das Geschäft ausrauben wollte.

Als Kerhof sah, dass Kinder zum Einkaufen in den Laden gehen wollten, hielt sie diese davon ab. Später verfolgte sie den flüchtenden Kriminellen, der ein Messer verlor, als sie ihm ein Bein stellte. In einem weiteren Gerangel hielt er ihr eine Schusswaffe an den Kopf. Zwar konnte der Mann zunächst entkommen.

Doch mittlerweile ist er verurteilt. „Das war wirklich ein vorbildlicher Einsatz mit hohem Risiko für die eigene Gesundheit”, sagte Laudator Markus Terodde von der Städteregion.

„Mir war klar, dass die Kinder und ich in Lebensgefahr sind”, sagte die Geehrte. Trotzdem wollte sie den Täter nicht entkommen lassen. „Ich habe den Mut gefasst, weil es mich unglaublich wütend macht, wenn jemand einem anderen Menschen das Leben nehmen will.”

Michael Klarmann, der Mitarbeiter dieser Zeitung ist, erhielt den Preis für seine jahrelange Aufklärungsarbeit über den Rechtsextremismus in der Region.

„Sein Einsatz geht klar über die reine journalistische Recherche hinaus. Er gibt sein Wissen als Referent weiter und benennt klar Namen und Fakten”, sagt Manfred Reinders, Vorsitzender des Beirats für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement der Stadt Aachen.

„Ich habe zuerst überlegt, ob ich die Auszeichnung annehmen soll, denn der Journalismus ist ja mein Beruf. Allerdings sind die Einschnitte durch die Bedrohungen so stark, dass ich es vertreten kann, ihn anzunehmen”, sagte Klarmann.

Wegen seines Engagements steht er oft in der Schusslinie der Rechtsextremen. So erhielt er kürzlich eine Bombendrohung, im Internet wird er außerdem regelmäßig bedroht und beleidigt.

Die Einsatzbereitschaft Klarmanns stellte auch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp heraus. „Er akzeptiert, dass es in seinem Leben dauerhaft eine Bedrohung gibt. Damit nimmt er uns alle in die Pflicht, bei Demonstrationen auch unser Gesicht zu zeigen.”
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