Nicht bürgerfreundlich: Eklatante Unterschiede bei Friedhofsgebühren

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
Bildnummer: 54682258  Datum: 2
Unterschiedliche Faktoren bestimmen, wie teuer die letzte Ruhestätte ist. Die Satzungen sind aber alles andere als bürgerfreundlich. Foto: imago

Stolberg. Langt die Stadt Stolberg bei den Friedhofsgebühren kräftig zu, um ihren desolaten Haushalt wenigstens ein klein wenig aufzubessern? Dieser Eindruck wird jedenfalls in einer E-Mail erweckt, die dieser Tage die Redaktion erreichte.

Tatsache ist, dass Stolberg die mit Abstand höchsten Nutzungsgebühren für Grabstellen in der Städteregion erhebt. So werden seit dem 1. Januar allein für die Bereitstellung eines Reihengrabes 2511 Euro fällig, während es in Würselen 210 Euro sind und selbst die zweitteuerste Stadt - Aachen - nur 1253 Euro verlangt.

Wird die Gebührenschraube also doch zur Entlastung des Etats angezogen? Aber warum nutzt dann das ebenfalls hoch verschuldete Würselen diese Möglichkeit nicht? Die Antwort ist im Kommunalabgabengesetz für NRW nachzulesen. Dort heißt es sinngemäß: Gebühren für besondere Einrichtungen - und dazu gehören Friedhöfe - sollen die voraussichtlichen Kosten decken. Über- beziehungsweise Unterdeckungen sind innerhalb von vier Jahren auszugleichen. Will heißen: „Kommunen müssen genau kalkulieren. Wir dürfen nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig Gebühren erheben”, erklärt der Baesweiler Kämmerer Leobert Schmitz.

Philosophie und Wahlverhalten

Anders als etwa die Abwasser- oder Abfallgebühren - die werden weitgehend von den jeweiligen Entsorgern bestimmt - könne eine Kommune die Friedhofsgebühren jedoch sehr gut beeinflussen, sagt Schmitz. Etwa, indem sie bestimmte Aufgaben an Firmen abgibt, statt sie durch eigene Mitarbeiter ausführen zu lassen. Oder auch umgekehrt, also indem sie Aufgaben wieder zu sich zurückholt. Oder indem sie einen Teil der Unterhaltungskosten aus einem anderen Etat bezahlt, den für die Unterhaltung öffentlicher Grünflächen. Herzogenrath beispielsweise wertet knapp 24 Prozent der Friedhofsfläche als öffentliche Grünfläche und bezieht diese nicht die Kalkulation der Friedhofsgebühren ein, in Würselen sind es etwa 33 Prozent.

Doch das allein erklärt nicht die eklatanten Gebührenunterschiede. „Philosophie und das Wahlverhalten der Bürger bei der Bestattungsart” spielen eine große Rolle, meint Stefan Kaever, Pressesprecher der Stadt Eschweiler. So sei es Philosophie der Indestadt, in jedem Stadtteil einen Friedhof zu unterhalten statt mehrere zu einem Bezirksfriedhof zusammenzufassen. „Das ist natürlich ein Kostenfaktor”, sagt Siegfried Zehn von der Friedhofsverwaltung, die für elf Friedhöfe zuständig ist. Großen Einfluss auf die Gebühren habe auch der Trend hin zu Urnengräbern. Bei 70 Prozent liege deren Anteil in Eschweiler inzwischen. Die Friedhöfe aber seien ursprünglich auf Erdbestattungen hin angelegt worden, erklärt Zehn. Die Folge seien immer größere freie Flächen auf den Friedhöfen und kleinere zwischen anderen Gräbern, wenn beispielsweise große Wahlgräber nach Ablauf der Ruhefrist aufgegeben werden. „Aber diese Flächen müssen auch gepflegt werden.”

Das gilt auch für die immer beliebter werdenden amerikanischen Gräber. „Das sind Reihengräber in Rasenflächen mit Namensplatte, aber ohne Grabschmuck”, erklärt Franz-Josef Mahr, Betriebsleiter der Kommunalen Dienste Würselen. „Wir wollen aber auf den Friedhöfen nicht nur große Wiesen haben. Deshalb haben wir in Würselen gesagt: Wir entlasten Reihengräber bei den Gebühren und heben sie für andere Grabarten wegen des höheren Pflegeaufwands an.”

In Stolberg kommt zu all diesen Faktoren, die sich auch dort niederschlagen, ein „Gebührentreiber” besonderer Art hinzu, den es außer in den drei Eifelkommunen sonst nirgendwo gibt: die schwierige Topografie. „Der Friedhof Bergstraße beispielsweise weist ein Gefälle von 14 Prozent auf”, sagt Willi Philippengracht von der Kupferstädter Friedhofsverwaltung. „Da ist die Bewirtschaftung nicht so einfach.” Das gelte auch für den Friedhof Vicht mit seinen schmalen Wegen. Hinzu komme, dass einige der stadtweit 16 Friedhöfe mit den ortsüblichen Bruchsteinmauern eingefasst seien, die auch unterhalten werden müssen. „Deshalb kann man unsere Gebühren auch nicht mit Eschweiler, Alsdorf oder Baesweiler vergleichen”, sagt Philippengracht. 16 Friedhöfe in einer Stadt seien natürlich „ein Luxus”, der entsprechend teuer sei. Aber man könne auch nicht einfach von heute auf morgen Friedhöfe schließen, schon alleine wegen der Ruhefristen.

Apropos Ruhefristen beziehungsweise Nutzungszeiten: Deren Länge ist in den Kommunen zum Teil unterschiedlich. Meist sind es 25 oder 30 Jahre, es gibt aber auch deutlich kürzere Nutzungszeiten. Will man die nach Ablauf verlängern, kostet das erneut Gebühren. Will man es nicht, muss man unter Umständen für das „Abräumen und Einebnen von Grabstätten” zahlen. Und auch diese Gebühren sind von Kommune zu Kommune verschieden - ebenso wie die für die Bestattung selbst oder die Benutzung von Trauerhalle und Leichenzelle. Manch eine Kommune erhebt gar Gebühren für die Genehmigung zur Aufstellung eines Grabmals.

Fazit: „Friedhofsgebühren zu vergleichen, ist ganz schwierig”, meint Zehn. Sein Würselener Kollege Mahr findet ein solches Unterfangen „spannend wie einen Krimi”, wenn auch „sehr kompliziert”. Bürgerfreundlich kann man die Friedhofsgebührensatzungen jedenfalls nicht nennen. Denn wie teuer eine Beerdigung tatsächlich ist, vermag man nicht ohne Weiteres zu errechnen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert