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Neujahrstreffen der „großen Tiere“ im Kerkrader Gaia Zoo

Von: Guido Jansen
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Spannende Gespräche: Unter anderem standen Werner Baumgarten (l., Direktor, Sport- und Freizeitzentrum Worriken, Bütgenbach), Olaf Müller (3.v.l., Leiter des Kulturbüros der Stadt Aachen), Alex Bos (4.v.l., Sterne-Koch) und Dr. Nina Mika-Helfmeier (r., Kulturdezernentin Städteregion) den Moderatoren Bernd Büttgens (2.v.l.) und Uwe Brandt (2.v.r.) vor vollbesetzten Reihen Rede und Antwort. Foto: Guido Jansen

Städteregion/Kerkrade. Das nennt man grenzüberschreitend: „Ich werde als Belgier von der deutschen Städteregion Aachen in einen Zoo in den Niederlanden eingeladen“, sagte Karl-Heinz Lambertz, der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft beim Neujahrsempfang der Städteregion Aachen.

Der fand jetzt im Hof von Gaia, dem Konferenzzentrum des Gaia Zoos in Kerkrade statt. Die Grenzen trennen die Menschen im Dreiländereck nicht mehr. Das wurde beim Empfang mit anschließendem Besuch im Zoo deutlich. Aber sie sind auch noch nicht weg. Das verdeutlichte Lambertz mit einem der nachhaltigsten Kommentare des Tages. „Wer nicht sieht, dass sich was getan hat, der muss zum Augenarzt. Wer sagt, dass wir schon genug getan haben, der sollte dringend zu einem anderen Arzt gehen.“ Auf dem Weg der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sind die Nachbarländer schon weit gekommen. Am Ziel sind sie nicht. Das war der Tenor auf dem Neujahrsempfang.

„Grenzen überschreiten – das lohnt sich“, sagte Städteregionsrat Helmut Etschenberg in der ersten Gesprächsrunde mit den Moderatoren Bernd Büttgens, dem stellvertretenden Chefredakteur unserer Zeitung, und Uwe Brandt, dem Intendanten des Grenzlandtheaters Aachen. Etschenberg spielte darauf an, dass viele der Gäste bis dato weder den Hof von Gaia noch den Gaia Zoo kannten. Und das, obwohl der Zoo mehrfach preisgekrönt ist. Und zwar so oft, dass Geschäftsführer Rob Huppertz am Ende sagte, „dass wir auch den Preis für den Zoo gewinnen würden, der die meisten Preise gewinnt.“

Entsprechend dem Zoo-Motiv sprachen Büttgens und Brandt vom „Treffen der großen Tiere“. Einige der größten Schwergewichte begrüßten sie zu Gesprächsrunden, die mit wichtigen regionalen Themen und einer Prise Humor gefüllt waren. Helmut Etschenberg bekannte zu Beginn direkt, dass die Deutschen von ihren Nachbarn viel lernen könnten. „Die Niederländer haben die Ideen und Lösungen oft immer gleichzeitig. Da geht vieles schneller. Und in Belgien sind sie sehr kreativ“, sagte der Gastgeber. Gerrit van Vegchel, der Vorsitzende des niederländischen Gemeindeverbands Parkstad Limburg, gab das Kompliment zurück. und machte einen Vorschlag, wie die Zusammenarbeit im Dreiländereck noch besser werden könnte. „Es wäre sinnvoll, wenn Kinder in der Schule in den Niederlanden Deutsch lernen. Niederländisch ist keine Weltsprache. Man muss einfach den Respekt haben, dass Deutschland an manchen Stellen einfach besser ist“, sagte van Vegchel. Uwe Brandt spielte den Ball mit Blick auf die Weltmeisterschaft augenzwinkernd zurück: „Sollten wir da jetzt nicht über Fußball sprechen?“, fragte er und wurde klassisch ausgekontert. „Wenn wir über Roda Kerkrade und Alemannia Aachen sprechen, dann gerne“, sagte van Vegchel. Kaiser Karl spielt 2014 eine größere Rolle als König Fußball. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp sprach von der Chance, „den Vater Europas anders darzustellen, mit einem richtigen Bild, das über die Jahrhunderte sehr verklärt ist“.

Alleinstellungsmerkmal

Die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken erinnerte an die Stärken des Dreiländerecks. „Das Grenzüberschreitende ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das kann keine andere Region in NRW bieten.“ Karl-Heinz Lambertz nahm den Faden auf und warnte gleichzeitig vor einer Gleichmacherei. „Wichtig ist, dass wir unsere Vielfalt und Besonderheiten behalten. Aber sie müssen zueinander passen“, sagte Lambertz. Das gelte nicht nur für die Anschlüsse der Feuerwehrschläuche, sondern auch, wenn man die Region gemeinsam vermarkten wolle. Gerrit van Vegchel sprach sich für grenzübergreifend denkende Unternehmen aus, die Studierende aus allen Hochschulen der Region brauchen können. An die jungen Menschen der Region richtet sich „Was geht?“, die Werkstatt für Jugendbeteiligung und Jugendpolitik der Städteregion. Anstelle von einer Veranstaltung in Aachen im vergangenen Jahr steigt „Was geht?“ 2014 an fünf Standorten in der Städteregion und in Eupen. Politiker treffen dabei auf junge Menschen und lernen deren Themen kennen. „Ich wünsche mir, dass dieses Projekt weiter läuft und dass es ernst genommen wird. Von den jungen Menschen und den Politikern“, sagte Steffen Mingenbach, der als Mitarbeiter des Bildungsbüros mitarbeitet an „Was geht?“.

Für den niederländischen Spitzenkoch Alex Bos fängt die Gemeinsamkeit im Magen an. „Wir müssen hier anfangen, gegenseitig Werbung füreinander zu machen“, sagte der Mann, der Grenzen schon längst überschritten hat. Beispielsweise, als er in jungen Jahren als Niederländer in Brasilien ein thailändisches Restaurant eröffnet hat.

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