Neue Wege in den Beruf: Superheld am Zahnarztstuhl

Von: Peter Motz
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Kreis Aachen. „Der Superheld aus dem Comic ist heute kein Vorbild mehr”, sagt Petra Pauli. Ihr Arbeitskreis „Girls´ Day” (Mädchentag) sorgt seit neun Jahren dafür, dass das Thema Gleichberechtigung keine Sprechblase bleibt.

Im zehnten Jahr will das Team auch Jungen ins Abenteuer schicken, das da heißt: Berufe kennenlernen, die traditionell vom anderen Geschlecht dominiert werden. „Neue Wege für Jungs” heißt das Projekt, das parallel zum „Girls´ Day” am 22. April 2010 in der Städteregion stattfinden wird. Pauli ist Referentin der Vereinigten Unternehmerverbände Aachen (VUV) und koordiniert die breit aufgestellte Initiative, die sich an Schüler der Stufen 5 bis 10 richtet.

Christine Kösch (RWTH) und Loni Finken (Stadt Aachen) erklären, dass es bei den bisherigen „Girls´ Days” auch Angebote für Jungen gegeben habe. Diese sollten jetzt aber intensiviert werden, sagen die beiden Gleichstellungsbeauftragten. Ihre Kollegin der Stadt Würselen, Silke Tamm-Kanj, nennt Zahlen, die den Erfolg des Engagements ausdrücken: 60 Prozent der „Girls´-Day”-Teilnehmerinnen könnten sich jetzt vorstellen, einen klassischen Männerberuf zu erlernen.

Zahlen, die für die Ausweitung des Angebots auf Jungen sprechen, nennt Andrea Hilger, Beauftragte für Chancengleichheit bei der hiesigen Arbeitsagentur: Um einen Ausbildungsplatz bewerben sich doppelt so viele Jungen mit Hauptschulabschluss wie Mädchen, bei Abiturienten hingegen liege das Verhältnis bei 40 zu 60. Länger als ein Jahr auf einen Ausbildungsplatz warteten 25 Prozent mehr Jungen als Mädchen. Und in den sogenannten „berufsvorbereitenden Maßnahmen” befinde sich ein Drittel mehr Jungen als Mädchen.

Auch das Geschlechterverhältnis in den Ausbildungsbranchen ist in der Region signifikant: Nur 100 von derzeit 300 Azubis im Verkauf seien Jungen, nur 200 von 700 im bürokaufmännischen Bereich, nur 50 von 200 im Hotel- und Gaststättengewerbe. Und bei den 450 Azubis im Gesundheitswesen liege die Zahl der Jungen „fast bei Null”, sagt Hilger. Frank Martin, Fallmanager bei der Arge, weiß, dass ein Grund dafür die „schlechte Bezahlung” klassischer Frauenberufe ist. Ein Motiv, das den gelernten Erzieher Thomas Dautzenberg zum Folgestudium an die RWTH trieb, wo er jetzt im Gleichstellungsbüro arbeitet.

Die Projektmacher kennen sich also detailliert aus mit der Problematik und wollen die Auseinandersetzung mit überholten Rollenbildern - etwa dem des Mannes als alleinigem „Familienernährer” - fördern, wie Karin Bernhardt vom DGB erklärt. Dafür soll es Workshops geben. Da Machen aber vor Reden geht, dürfen im nächsten Jahr alle anpacken: die Mädchen in der Schreinerei oder der Werkstatt - und die Jungen in der Kita oder der Arztpraxis. Das gelte zwar noch als „uncool”, sagt Petra Pauli, aber Superhelden seien eben keine Vorbilder mehr.
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