Neue Tempokontrollen gegen Raser in der Region

Von: Jutta Geese
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Geschwindigkeitsüberwachung mit moderner Technik: Die Städteregion setzt mehr und bessere Kameras ein als im vergangenen Jahr.
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Achtung, Starenkasten! Am Fettberg in Stolberg hat es im ersten Halbjahr 2014 exakt 4247 mal geblitzt. Foto: Dirk Müller

Städteregion. Diese Fahrt im Juni wird den Autofahrer teuer zu stehen kommen: Mit 153 Stundenkilometern raste der Mann nachts durch Simmerath, satte 103 Stundenkilometer schneller als an der Stelle erlaubt. Das Verfahren gegen ihn ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber er kann sich wohl auf 680 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot einstellen.

Der Raser von Simmerath hält einen traurigen Rekord: Schneller als er ist in den ersten sechs Monaten des Jahres keiner an einem der stationären Starenkästen zwischen Baesweiler und Monschau oder einer mobilen Messstelle vorbeigefahren und geblitzt worden. Und er ist einer von insgesamt elf Verkehrsteilnehmern, die in diesem Zeitraum mindesten 61 Kilometer schneller als an der jeweiligen Kontrollstelle erlaubt unterwegs waren und dabei erwischt wurden.

Fälle wie der Simmerather sind es, die die Städteregion darin bestärken, den Kontrolldruck hoch zu halten, sagt ihr Sprecher Detlef Funken. Denn nicht angepasste Geschwindigkeit sei nach wie vor die Unfallursache Nummer eins im Straßenverkehr. Und deshalb investiert die Städteregion regelmäßig vor allem in Technik, um die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung besser überwachen zu können.

Für die 48 Starenkästen im Altkreis, die im Rotationsverfahren mit einer Kamera bestückt werden, stehen jetzt 13 Geräte zur Verfügung, zwei mehr als im Jahr davor. Und die mobilen Kontrolleure – sie sind mit vier Fahrzeugen in zwei Schichten unterwegs, auch an Wochenenden – können seit April vergangenen Jahres ein neues Messgerät einsetzen.

Die „Leivtec XV 3“ ist laut Funke auch bei schwierigen Straßenverhältnissen, etwa wenn parkende Autos Messungen erschweren, gut einsetzbar. Die Kamera kann auf ein Stativ geschraubt und so am Straßenrand aufgebaut werden, aber auch Geschwindigkeitsmessungen aus dem – stehenden – Fahrzeug heraus vornehmen. Und es misst zuverlässig selbst Schrittgeschwindigkeit, was in verkehrsberuhigten Zonen hilfreich ist, wie Funke sagt.

Die technische Aufrüstung schlägt sich bereits in der Statistik nieder: Wurden an den 48 stationären Messstellen im ersten Halbjahr vergangenen Jahres rund 35.000 Temposünder geblitzt, waren es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fast 45.000, die meisten davon (4759) auf der Bundesstraße 258 am Ortseingang von Roetgen in Fahrtrichtung Aachen und 4579 ebenfalls auf der B 258, aber in Fahrtrichtung Monschau und in Höhe Fringshaus.

Auf Platz drei der „Hitliste“ liegt der Starenkasten am Fettberg in Stolberg mit 4247 Geblitzten. Allerdings wurden in diesem Jahr an allen Messstellen zusammen auch deutlich mehr Fahrzeuge kontrolliert, nämlich knapp 9,8 Millionen gegenüber gut acht Millionen im Jahr davor.

Und das heißt: Der Anteil derer, die schneller als erlaubt fahren, ist nahezu unverändert. Es werden mehr erwischt, weil mehr kontrolliert werden. Das gilt auch für die mobilen Kontrollen, wobei hier der Anteil der Erwischten leicht gestiegen ist. So wurden im ersten Halbjahr 2014 rund 49.000 Temposünder geblitzt (bei etwa 592.000 kontrollierten Fahrzeugen), im Vorjahreszeitraum waren es 46.000 (bei 599.000 Kontrollierten).

Auch wenn absolut gesehen mehr Verkehrsteilnehmer wegen Geschwindigkeitsüberschreitung erwischt werden, eines ist nahezu unverändert: Die große Mehrheit hält sich an die Regeln, und unter denen, die geblitzt werden, sind die wirklichen Raser eine Minderheit. Rund 95 Prozent der Temposünder kommen mit einem Verwarnungsgeld davon. Und von diesen fahren rund 63 Prozent weniger als elf Stundenkilometer schneller als zulässig. Der Anteil derer, die 16 bis 20 Stundenkilometer zu schnell waren, liegt bei etwa acht Prozent. Unter den fünf Prozent Erwischten im Bußgeldbereich (ab 21 Stundenkilometer schneller als erlaubt) sind gut 62 Prozent bis zu 25 Stundenkilometer zu schnell. Fälle wie der eingangs beschriebene aus Simmerath sind zum Glück deutlich seltener – aber immer noch viel zu viele.

Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres von der Städteregion in 91.809 Fällen Verwarnungsgelder und in 4280 Fällen Bußgelder verhängt. Auch Motorradfahrer wurden als Temposünder ermittelt: Geblitzt wurden zwar 7827, aber nur 830 konnten letztlich zur Kasse gebeten werden, weil sie an einem Messgerät vorbeirauschten, das Zweiradfahrer auch von hinten blitzt. 90 waren so schnell unterwegs, dass sie ein Bußgeld zahlen müssen.

Knapp zwei Millionen Euro haben zu schnelle Verkehrsteilnehmer der Städteregion im ersten Halbjahr eingebracht. 4,4 Millionen Euro sind fürs ganze Jahr im Haushalt eingeplant. Aber, versichert Detlef Funke. „Kontrolliert wird nicht nach dem Motto: Da bringt es am meisten ein. Es geht ausschließlich um die Verkehrssicherheit.“ Starenkästen werden beispielsweise aufgrund eines Beschlusses der Unfallkommission installiert, der Vertreter der Polizei, des örtlichen Ordnungsamtes und der Städteregion angehören.

Wo die mobilen Kontrolleure aktiv werden, wird in Kooperation mit der Polizei festgelegt. „Es gibt insgesamt rund 900 Messstellen“, sagt Funken. „Bei der Entscheidung, wann wo wie lange und wie oft kontrolliert wird, werden häufig Hinweise aus der Bevölkerung berücksichtigt.“

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