Münsterwald: Bis Aschermittwoch sollen 10.000 Bäume fallen

Von: Peter Stollenwerk
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Im Akkordtempo sollen im Münsterwald innerhalb weniger Tage rund 10000 Bäume gefällt werden, um Platz zu schaffen für die geplante Errichtung von sieben Windkraftanlagen. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Knapp zwei Minuten benötigt die Erntemaschine für das Fällen, Entasten und maßgerechte Zerlegen einer rund 60 Jahre alten Fichte. Dann ist der nächste Baum an der Reihe. Mit welcher Effektivität und Geschwindigkeit ein solcher „Harvester“ ans Werk geht, lässt sich seit Donnerstag im Münsterwald rechts und links der Himmelsleiter eindrucksvoll beobachten.

Hier werden nach jahrelangem Vorlauf nun erste Fakten mitten im Wald für die Errichtung von sieben Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Stadt Aachen, direkt an der Kommunalgrenze zur Gemeinde Roetgen, geschaffen.

Die Gegner des Windparks, die seit Jahren versuchen, auf dem Rechtsweg das aus ihrer Sicht naturschädliche Projekt auszubremsen, mussten jetzt ziemlich deprimiert mit ansehen, wie die Rodung der sieben baumbestandenen Standorte im Eiltempo voranschritt.

Herbert Klinkenberg aus Aachen hatte gemeinsam mit Rainer Ständer aus Rott, beide Mitglieder der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und beide erbitterte Kämpfer gegen den Windpark, vor wenigen Tagen gesicherte Informationen über die unmittelbar bevorstehende Fällung von zehn Hektar Wald erhalten. Ein Konsortium aus der städtischen Stawag und dem privaten Unternehmen „juwi“ möchte die sieben rund 200 Meter hohen Windkraftanlagen des Typs Vestas V112 hier möglichst schnell errichten.

„Dass man ausgerechnet am Fettdonnerstag mit den Arbeiten begonnen hat, ist doch bezeichnend“, sieht Herbert Klinkenberg beim künftigen Betreiber eine taktische Finesse, die karnevalsbedingt eingeschränkte Aktionsfähigkeit von Behörden auszunutzen. Am Aschermittwoch soll alles vorbei sein...

Regen und Orkanböen setzten am Donnerstag zeitgleich mit dem Beginn der Fällarbeiten ein. Normalerweise würde kein Arbeitgeber die Verantwortung dafür übernehmen, Waldarbeiter zum Bäume fällen in einen Bestand zu schicken. Für die im Münsterwald tätigen Arbeiter bot der Harvester allerdings ausreichend Sicherheit. Die Erntemaschinen erinnern an Geländepanzer, die den Fahrer in seiner Kanzel schützen.

Herbert Klinkenberg geht davon aus, dass planmäßig bis Aschermittwoch, 1. März, die Rodungsarbeiten für alle sieben Standorte abgeschlossen sind, obschon seiner Auffassung nach nach wie vor keine absolute Rechtssicherheit herrscht. Ab dem 1. März gilt die Schonfrist für Bäume, die im Bundesnaturschutzgesetz in Paragraf 39 geregelt ist. Dann dürfen Bäume mit Rücksicht auf die Brutzeit der Vögel nur noch mit rechtssicherer Genehmigung gefällt werden.

Auf einer Gesamtfläche von 100.000 Quadratmetern müssen also bis Mittwoch 10.000 Bäume gefällt werden, die meisten davon Fichten, aber auch Laubbäume. Das entspricht einer Fläche von 14 Fußballfeldern. Beim vorgelegten Erntetempo, so haben die LNU-Vertreter ausgerechnet, ist dieses Ziel problemlos innerhalb von sechs Tagen zu erreichen.

Der NABU-Stadtverband Aachen zeigte sich am Freitag ebenso irritiert darüber, dass nun „tatsächlich die vorzeitigen Fällungen im Münsterwald begonnen haben.“ Da müsse die Frage erlaubt sein, sagt der 1. Vorsitzende Claus Mayr, „welches Spiel im Schatten des Karnevalstrubels da Stadt Aachen, Stawag und juwi eigentlich spielen?“ Entweder verfüge man über eine rechtskräftige Genehmigung, dann dürften sie nach dem Gesetz auch ausdrücklich nach dem 28. Februar fällen, oder es herrsche Unsicherheit. Sollte Letzteres der Fall sein, „dann sollten sie es lassen, zumal der Ausgang des Verfahrens vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster noch unsicher ist“, so Mayr.

Für LNU-Vertreter Herbert Klinkenberg ist der Fall klar: Die Windpark-Betreiber wollten jetzt Fakten schaffen. Selbst wenn der LNU das Gerichtsverfahren gewinne, „dann ist das Schutzgut, für das wir kämpfen, nicht mehr vorhanden.“

Von Protestaktionen vor Ort möchten die Gegner absehen, doch sie wollen weiter kämpfen, aber erst nach Karneval. Dann wolle man Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp an sein vor knapp drei Jahren gemachtes Versprechen erinnern, vor einer abschließenden rechtssicheren Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes keinerlei Aktivitäten in Bezug auf den Windpark Münsterwald zu starten. Auf Nachfrage betonte am Freitag die Stadt Aachen, dass diese Zusage allein auf die Genehmigung des Windparks, die inzwischen erteilt worden sei, Bezug genommen habe.

Klinkenberg: „Wer übernimmt denn die Verantwortung für zehn Hektar gerodeten Wald, wenn das OVG zu unseren Gunsten entscheidet?“

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