Städteregion - „Mobilität für alle“: Immer noch viele Barrieren für Behinderte

„Mobilität für alle“: Immer noch viele Barrieren für Behinderte

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
7706544.jpg
Barriefrei zum Zug: 23 der 26 Bahnhaltepunkte in der Städteregion sind schon entsprechend ausgestattet. Der Stolberger Hauptbahnhof soll bis Ende 2016 umgebaut sein, für den Eschweiler Hauptbahnhof soll das Planfeststellungsverfahren bis Ende 2014 erfolgen. Offen ist, ob und wann sich was am Bahnhof Aachen-West tut. Foto: Stock/Rüdiger Wölk

Städteregion. Keine Frage: Die öffentlichen Verkehrsunternehmen haben in den vergangenen Jahren viel getan, um Menschen mit einer Behinderung das Bus- und Bahnfahren zu erleichtern. Dafür zollten die Teilnehmer der Fachtagung „Mobilität für alle: Barrierefreiheit im ÖPNV“ des städteregionalen Inklusionsamtes den Verantwortlichen auch Lob und Anerkennung.

Allerdings sparten sie auch nicht mit Kritik. Denn es gibt noch immer viel zu viele kleine und große Barrieren, die die Mobilität von gehörlosen, geh- oder sehbehinderten Menschen einschränken.

Die Probleme beim Busfahren fangen für blinde oder sehbehinderte Menschen schon damit an, dass sie den Einstieg nicht finden. Denn, so Jörg-Michael Sachse-Schüler, die Busse halten nicht immer direkt an den Haltestellen. „Mal stehen sie fünf Meter weiter vor, mal fünf Meter zurück.“ Was oft, so der Centerleiter Betrieb bei der Aseag, Bernhard Breuer, schlicht daran liegt, dass Autofahrer die Bushaltestelle blockieren. Und an größeren Knotenpunkten, wo mehrere Linien kurz hintereinander oder gar gleichzeitig ankommen wie am Elisenbrunnen in Aachen ist es laut Sachse-Schüler für Menschen mit Handicap nicht eindeutig, welcher Bus wo anhalten wird. Sehbehinderte Menschen sind auf eine akustische Ansage, auch der nächsten Haltestelle im Bus, angewiesen. Die aber gebe es zwar in den meisten Bussen in Aachen, aber nicht im Altkreis Aachen.

Optische Hinweise

Dies gilt auch für optische Hinweise, die Gehörlose brauchen, um sich orientieren zu können, wie Isa Werth und Horst Sieprath bei der Tagung darlegten. Für sie ist es auch ein Ärgernis, dass sie auf Bahnhöfen nicht beziehungsweise nicht rechtzeitig erführen, wenn Züge von einem anderen als dem üblichen Gleis abfahren. Entsprechende Durchsagen erreichen sie nun mal nicht. „Und manchmal ist dann der Zug oder bei Schienenersatzverkehr der Bus schon weg, wenn ich endlich Bescheid weiß“, berichtete Werth.

Von vielen Problemen mit Bussen – insbesondere denen, die von Subunternehmen im Auftrag der Aseag eingesetzt werden („90 Prozent dieser Busse sind technische Wracks“, so eine Teilnehmerin) – wusste Jürgen Müller für die Gruppe der gehbehinderten und Rollstuhlfahrer zu berichten. Zwar seien die meisten Aseag-Busse inzwischen rollstuhlgerecht umgerüstet, doch allzu oft funktionierten die Rampen nicht oder manche Bushaltestelle sei so eng, dass Rollstuhlfahrer buchstäblich vor eine Wand führen. Oder es steht ein Papierkorb oder ein Laternenmast im Weg. Ärgerlich sei auch, dass die Fahrkartenentwerter kaum erreichbar seien für gehbehinderte Menschen. Und die Busfahrer seien nicht immer hilfsbereit, um nicht zu sagen unfreundlich, wie gleich mehrere Tagungsteilnehmer anmerkten und eine bessere Schulung des Personals anmahnten.

Die Geschäftsführer der Verkehrsunternehmen – Hans-Peter Geulen vom Aachener Verkehrsverbund (AVV), Heiko Sedlaczek von Nahverkehr Rheinland (NVR) sowie Aseag-Vorstand Michael Carmincke – notierten fleißig die Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge mit.

26 Zughaltepunkte

Unter Hinweis darauf, dass es etwa im AVV-Gebiet immerhin 5000 Bushaltestellen und in der Städteregion 26 Zughaltepunkte gibt, warben sie aber auch um Verständnis dafür, dass eben nicht alles finanzierbar sei, was wünschenswert sei.

Ein Einwurf, der nicht auf ungeteilte Zustimmung stieß. „Inklusion gibt es nun mal nicht zum Nulltarif“, hieß es aus dem Plenum. Wobei die meisten mit den Verantwortlichen übereinstimmten, dass vollständige Barrierefreiheit nicht von heute auf morgen zu verwirklichen sei. Aber: Es müsse eine Prioritätenliste aufgestellt werden – und daran, so Günter Schabram, Sozialdezernent der Städteregion, sollten die, um die es beim Thema Barrierefreiheit geht, mitarbeiten können.

Das sagten alle drei Verkehrsunternehmen zu. Und manches, so Inklusionsamtsleiterin Bettina Herlitzius, lässt sich möglicherweise ja auch mit einem vergleichsweise geringen Mitteleinsatz verbessern. Und wenn alle ÖPNV-Teilnehmer mehr Rücksicht aufeinander nähmen, wäre schon viel gewonnen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert