Mit „Bufdi“ wichtige Lebenserfahrungen sammeln

Von: Martina Stöhr
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Jörg Frank (r.), Marius Gerres (l.) und Clemens Ullrich arbeiten derzeit im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes bei der Biologischen Station der Städteregion. Foto: Ralf Roeger

Städteregion. Mit dem Bohrer in der Hand sorgen drei junge Männer aus dem Bundesfreiwilligendienst dafür, dass die Bäume der Streuobstwiese in Stolberg neu beschildert werden. Der 19-jährige Marius Gerres schätzt die praktische Arbeit.

„Die Erfahrungen, die ich in der Biologischen Station machen kann, werden mich sicher weiterbringen“, sagt er. Denn im Anschluss will er Biologie studieren. Herbert Theißen, stellvertretender Geschäftsführer der Biologischen Station der Städteregion in Stolberg, schätzt die Arbeit der sogenannten Bufdis – eine Abkürzung für junge Leute, die im Bundesfreiwilligendienst tätig sind – sehr. „Ohne sie könnten wir viele Aufgaben gar nicht wahrnehmen“, meint er. Die Bufdis übernehmen unter Anleitung Arbeiten des Landschaftsschutzes, bauen Nistkästen, entfichten Moorlandschaften und sind eben immer dann zur Stelle, wenn Herbert Theißen Unterstützung braucht.

In der Städteregion sind derzeit insgesamt 226 Bufdis im Einsatz. Die meisten von ihnen sind im Pflege- und Sozialdienst tätig. Beim Deutschen Roten Kreuz beispielsweise, bei der Caritas oder bei anderen sozialen Trägern. Und die Städteregion selbst schickt die jungen Leute in die Förderschulen. Aber auch der Natur- und Umweltschutz bekommt eine immer größere Bedeutung. Die drei Jungs aus der Biologischen Station reizte vor allem die Arbeit in der freien Natur. Clemens Ullrich (18) wollte das Arbeitsleben kennenlernen, bevor er sich ins Studium wagt. Und da er erst 17 war, als er Abitur machte, bot ihm der Bundesfreiwilligendienst eine willkommene Gelegenheit, die Zeit bis zur Volljährigkeit sinnvoll zu überbrücken. Am liebsten wäre es ihm, wenn er die Mathematik im Studium irgendwie mit dem Thema Umwelt verbinden könnte.

2001 sollten mit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes die Lücken geschlossen werden, die durch den Wegfall des Zivildienstes entstanden waren. „Damals wurden die Stellen der Zivis eins zu eins übernommen“, berichtet Peter Schloßmacher, Öffentlichkeitsreferent beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln. Denn ohne die Unterstützung durch freiwillige Helfer kommen viele Einrichtungen und Organisationen nicht zurecht. Anders als beim Zivildienst gibt es beim Freiwilligendienst keine Altersbeschränkung. Aber die meisten Freiwilligen nutzen offenbar die Zeit nach dem Schulabschluss als Orientierungsphase. Nur 21 der Bufdis in der Städteregion sind über 27 Jahre alt. Unberührt vom Bundesfreiwilligendienst bleibt das Freiwillige Soziale Jahr. Das gibt es nach wie vor.

Jörg Frank (21) hat nach seinem Abschluss der Höheren Handelsschule keinen Ausbildungsplatz gefunden. Jetzt lernt er als Bufdi in der Biologischen Station den Natur- und Gartenbau kennen. Einen Beruf in dieser Richtung kann er sich sehr gut vorstellen. „Es ist besser, erst eine Berufsausbildung zu haben und dann zu studieren“, sagt er. Herbert Theißen ist mit seinen Jungs sehr zufrieden. Neben praktischen Fertigkeiten unterweist er sie auch in der Theorie. Zusätzlich kümmert sich ein Ausbildungsleiter um die Belange der jungen Leute. „Das ist auch zwingend notwendig“, sagt Theißen. Denn nur so könne man den Freiwilligen auch wirklich gerecht werden.

Von den fünf Bufdi-Plätzen in der Biologischen Station sind momentan nur vier besetzt. Insgesamt gilt: Es gibt mehr Stellen als Bewerber. „Nur ein Drittel der anerkannten Stellen sind vergeben“, sagt Peter Schloßmacher. So hätten die Interessenten die Möglichkeit, aus vielen Angeboten zu wählen. Unmittelbar nach den Sommerferien sei die Nachfrage am größten. Die Sparten Sport, Kultur und Flüchtlinge sind dabei eher neu. Seit Dezember des vergangenen Jahres gibt es laut Schloßmacher ein Sonderkontingent an Stellen im Bereich der Flüchtlingshilfe und -betreuung. Wie das nachgefragt werde, bleibe abzuwarten. Es eröffnet aber sogar den Flüchtlingen selbst die Chance, als Bufdi aktiv zu werden – vorausgesetzt, sie haben Aussicht auf ein Bleiberecht. In der Stadt Baesweiler gibt es inzwischen einen ersten Bufdi, der für Flüchtlinge im Einsatz ist.

Derweil verbringen die Freiwilligen der Biologischen Station ihre letzten Wochen auf Obstwiesen und im Gehölz. Gerade den Streuobstwiesen kommt laut Theißen eine ganz besondere Bedeutung zu, denn sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Region. Immer wieder sehen auch die Bufdis nach dem Rechten. Um zu wissen, welche Obstsorten dort stehen, werden die Bäume entsprechend gekennzeichnet. Zu dritt bringen die Freiwilligen die Schilder an. Sie stapfen durch das hoch gewachsene Gras von Baum zu Baum und überprüfen in einem Plan, um welche Bäume es sich jeweils handelt.

330 Euro Taschengeld bekommen die jungen Leute im Monat für ihren Einsatz. Und damit sind sie zufrieden, denn das sei mehr als gezahlt werden müsste, sagen sie. Außerdem sind sie sozialversichert. Ansonsten gelten für sie die selben Bedingungen wie für andere Arbeitnehmer auch: Sie arbeiten von 8 bis 16.30 Uhr und haben 24 Tage Urlaub.

Zum freiwilligen Jahr in der Biologischen Station gehören ein fünfwöchiges Seminar zu politischen Themen, die Ausbildung an der Motorsäge und Unterrichtseinheiten, die sie als Obstbaumwart fit machen. Die drei Bufdis von der Biologischen Station sind überzeugt, dass sich ihr Engagement schon jetzt ausgezahlt hat.

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