Missstände in Altenheimen aufgedeckt

Von: Udo Kals
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Aachen. Ein Zimmer mit Aussicht wäre schön, doch manchmal gibt es nicht einmal ein Fenster. Was sich wie ein schlechter Urlaubswitz anhört, war für einige Bewohner eines Altenheimes im Kreis Aachen bitterer Alltag.

Von „absolut inakzeptablen Verhältnissen, die jeder Beschreibung spotten” spricht Kreisdirektor Helmut Etschenberg. Er betont jedoch, dass die Missstände in den beiden Einrichtungen, die er nicht genauer benennen will, inzwischen behoben seien.

Was die Heimaufsicht in ihrem Tätigkeitsbericht für das Jahr 2008 als „nicht adäquate Unterbringung von Bewohnern” erfasst, listet der Kreisdirektor auf Anfrage detaillierter auf.

„Ein Bewohner lebte über längere Zeit in einem ursprünglich als Wäscheraum deklarierten Zimmer, das nicht über den Flur, sondern nur über ein Materiallager erreichbar war”, sagt Etschenberg und zählt weiter auf, dass auch ein Rollstuhlzimmer oder ein Zentralbad umfunktioniert worden seien, um Menschen unterzubringen.

In Teilen waren in einem für zwei Personen ausgelegten Zimmer drei Menschen untergebracht, zwei Bewohner lebten in einem Einzelzimmer auf 7,6 Quadratmeter zusammen, in manchen Räumen fehlten Waschtische oder Notrufschalter.

Und während er das erzählt, muss der Kreisdirektor immer wieder mit dem Kopf schütteln. Denn: „Es hat Versuche gegeben, diese Missstände bei unseren unangemeldeten Besuchen zu vertuschen.”

Nach den Erlebnissen ist er erst recht froh, dass sich der Kreis vor Jahren gegen Widerstände einiger Einrichtungen durchgesetzt habe und nur noch unangemeldet in den Heimen erscheine. Und so sieht er die Heimaufsicht „als Garant für die älteren Menschen an”.

Vor diesem Hintergrund beeilt sich der Kreisdirektor jedoch auch zu differenzieren. Schließlich zeichne der Bericht der Heimaufsicht generell ein positives Bild der Pflegelandschaft im Kreisgebiet, seien die beiden Heime Einzelfälle.

Dabei rät er Angehörigen, sich frühzeitig über die Einrichtungen zu informieren, etwa beim Ombudsmann für Senioren (0241/5198-5424) oder der Pflegeberatung der Verbraucherzentrale (02403/802589).

Übrigens: Für die Heime hatten die Vorkommnisse ein Nachspiel. Da bewusst gegen Vorschriften verstoßen worden sei, „um einen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen”, sind laut Etschenberg inzwischen „spürbare Strafen im fünfstelligen Bereich ausgesprochen worden, die nicht aus der Portokasse beglichen werden können”.
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