„Mir kam die Städteregion in die Quere“

Von: Jutta Geese
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Von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach zur Städteregion: Prof. Dr. Edeltraud Vomberg ist die neue Sozialdezernentin. „Aachen ist die schönere Stadt“, sagt sie. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Als sie 1997 aus der Geschäftsführung des Qualifizierungs- und Beschäftigungsträgers „Ausbildungswerkstatt Aachen“ an die Hochschule Niederrhein ging, um dort den Studiengang Sozialmanagement mit aufzubauen, hat sie gesagt: „Wenn ich nach Aachen zurückkomme, dann als Sozialdezernentin.“ Sozialdezernentin ist Prof. Dr. Edeltraud Vomberg seit gut einem halben Jahr tatsächlich.

Aber nicht bei der Stadt Aachen, die sie bei ihrem Wechsel nach Mönchengladbach im Sinn hatte, sondern bei der Städteregion. Nach 18 Jahren Forschung und Lehre „hat es mich gejuckt, noch einmal einen Schritt weiter zu machen“, sagt Vomberg. „Ich habe mich umgeschaut, ob es was gibt, was mich reizen könnte. Und da kam mir die Städteregion in die Quere“, sagt die 55-Jährige mit einem Lächeln.

Dass sie nun wieder in Aachen arbeitet, passt für sie. Schließlich wohnt sie seit 1979 ununterbrochen in der Kaiserstadt. „Die Kinder waren fünf und sechs Jahre alt, als ich nach Mönchengladbach ging. Sie hatten hier ihre Freunde. Ein Umzug kam für uns damals nicht infrage“, erklärt Vomberg. „Außerdem ist Aachen die schönere Stadt“, stellt die gebürtige Mönchengladbacherin fest.

Jetzt ist Edeltraud Vomberg also auch beruflich wieder zurück in ihrer Wahlheimat. An der RWTH Aachen hat sie studiert und promoviert, in Aachen hat sie den Verein „Ausbildungswerkstatt Aachen“ zusammen mit Horst Zaar von einem kleinen zu einem großen Beschäftigungsträger für Langzeitarbeitslose entwickelt. Als das nach acht Jahren geschafft war, suchte sie eine neue berufliche Herausforderung – und fand diese an der Hochschule Niederrhein.

Dort hat sie praxisorientiert gelehrt und geforscht, hat im Jahr 2010 das Institut für Forschung und Entwicklung in der sozialen Arbeit gegründet und bis zu ihrem Wechsel zur Städteregion geleitet. Und sie war Mitglied im Hochschulrat, „eine Art Aufsichtsrat der Hochschule Niederrhein mit fünf externen und drei internen Mitgliedern“, wie sie erläutert.

Ins neue Dezernentinnenamt bringt sie eine Menge unterschiedlicher Erfahrungen ein. „Aber ich werde als Quereinsteigerin in die Verwaltung gehandelt“, stellt sie fest. „Das bin ich in gewisser Weise auch. Aber Hochschule ist auch als öffentliche Verwaltung unterwegs. Das ist mir das alles nicht fremd.“ Der Umgang mit öffentlichen Geldern ist ihr ebenso vertraut wie die Verantwortung für Personal, der Umgang mit widerstreitenden Interessengruppen oder das Zusammenspiel von Politik, Verwaltung und ehrenamtlich Aktiven.

Im Sozialdezernat der Städteregion ist das alles eine Nummer größer: Verantwortung für mehr Beschäftigte (rund 230 in „ihren“ Ämtern plus mittelbar 320 im Jobcenter statt bisher 20 an der Hochschule), mehr Geld (rund 350 Millionen Euro statt ein paar Millionen), mehr unmittelbar und zum Teil existenziell von Entscheidungen Betroffene und mehr Akteure aus unterschiedlichen Gruppen mit unterschiedlichen Interessenlagen und Erwartungen. Aber das schreckt sie nicht. Im Gegenteil: Es spornt sie an. „Ich habe schon bei der Ausbildungswerkstatt viel mit Politik und Verwaltung zu tun gehabt, das habe ich immer unglaublich gerne gemacht. Und ich habe aus dieser Zeit noch viele Kontakte, die sich jetzt reaktivieren lassen. Es ist eine große Hilfe, dass mir die Strukturen und die Menschen hier in der Region nicht fremd sind.“

Nicht zuletzt deshalb fühlte sich Edeltraud Vomberg schon nach relativ kurzer Zeit gut eingearbeitet. Dazu beigetragen hätten auch die Leiter und Leiterinnen der zu ihrem Dezernat gehörenden Ämter (siehe Infobox), betont sie. Sie fühle sich von ihnen, aber auch den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut aufgenommen. „Ich habe nicht das Gefühl, ein Fremdkörper zu sein.“

Im Gegenteil: Sie habe den Eindruck, viele seien froh, dass es nach einem Jahr Vakanz wieder eine Dezernatsleitung gibt. Das verwundert nicht, denn der Sozialbereich steht vor großen Herausforderungen und Veränderungen. Da ist etwa das Thema Flüchtlinge. „In meinen Ämtern steigt jetzt die Arbeitsbelastung, ob im Ausländer-oder im Sozialamt, im Jobcenter oder im kommunalen Integrationszentrum. Darauf müssen wir reagieren.“ Was angesichts der Deckelung bei den Personalkosten und der politisch schon vor Jahren beschlossenen einjährigen Wiederbesetzungssperre von frei werdenden Stellen nicht leicht sein wird.

„Da muss man schauen, ob man das ein oder andere durch eine bessere Organisation der Arbeit rausholen kann oder ob wir die ein oder andere freiwillige Aufgabe wegfallen lassen müssen“, sagt sie. „Klar ist aber, dass das nicht zu Lasten der Bürger gehen wird.“

Viel Kraft, Kreativität und Verhandlungsgeschick wird auch bei der Umsetzung des vom Städteregionstag beschlossenen Strukturkonzepts erforderlich sein, weiß Edeltraud Vomberg. „Wenn das Geld knapp wird, muss man manches überdenken.“ Da sieht sie vor allem die Politik gefordert.

„Wir sind in einem intensiven Dialog, wie wir die Herausforderungen meistern können. Ein Inklusionsamt beispielsweise oder auch ein Fachseminar für Altenpflege sind keine gesetzlichen Aufgaben der Städteregion. Sie sind politisch gewollt. Das haben die Entscheidungen zum Strukturkonzept noch einmal bestätigt.“ Freiwillige Aufgaben wie die beiden genannten oder auch die Beibehaltung der Zuschüsse an Sozialverbände wurden beschlossen, weil sie für die soziale Stabilität wichtig sind. Doch angesichts der Finanzknappheit müsse man genau hinschauen, welche Leistungen – freiwillige ebenso wie sogenannte Pflichtaufgaben – wo und in welchem Umfang notwendig sind und welche umgestaltet oder nur noch eingeschränkt notwendig sind, sagt die Dezernentin.

Ein geeignetes Instrument dafür ist laut Edeltraud Vomberg die sogenannte integrierte Sozialplanung. Vereinfacht ausgedrückt beinhaltet diese: Weg vom Gießkannenprinzip bei den Sozialleistungen. Oder, wie es die Sozialdezernentin beschreibt: „Wenn das Geld knapper wird, muss man ungleiche Lebenslagen ungleich behandeln. Das heißt konkret, dass man schaut, wo sich Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut, Überschuldung, gesundheitliche Einschränkungen und schlechte Wohnsituation häufen und wie man Hilfen koordiniert dorthin bringt. Dabei geht es auch darum, die Ressourcen dort zu stärken, wo sie am besten Verbesserungen der Lebenslagen bringen können.“

Ein solches Konzept erfordert ein Umdenken bei allen Beteiligten, das ist Edeltraud Vomberg bewusst. „Da kommt man auch nicht von heute auf morgen mit dem großen Wurf. Da braucht es viel Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden und mit den regionsangehörigen Kommunen. Das sind dicke Bretter, die man langsam anbohren muss. Gespräche in der Runde der Dezernentinnen und Dezernenten der Städteregion hat es dazu auch schon gegeben, die wir auch fortführen werden. Wir wollen die Akteure aus den Kommunen aktiv einbinden.“

Aber es sei notwendig, mit der Sozialplanung Dinge neu zu denken. Manche Städte seien auch schon in der Richtung aktiv. „Aachen etwa ist mit dem Sozialraumkonzept schon sehr weit, Stolberg und Alsdorf sind in die Richtung unterwegs, andere denken darüber nach, sich hier auf den Weg zu machen.“

Dass sie sich in den Aufgabenbereichen ihrer Dezernentenkollegen noch nicht so gut auskennt, ist der Themenfülle in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich und den akut zu meisternden Herausforderungen wie der Flüchtlingshilfe geschuldet, räumt Edeltraud Vomberg freimütig ein. „Aber das kommt auch noch“, sagt sie. Spannend findet sie die Breite der Themen, mit denen sich die Führungsebene insgesamt auseinandersetzt, und sie genießt es, hier eine mitgestaltende Rolle für die Städteregion zu übernehmen.

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