Monschau - Meister der menschlichen Alltagsdramen im Monschauer KuK

Meister der menschlichen Alltagsdramen im Monschauer KuK

Von: Daniel Raab
Letzte Aktualisierung:
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Doppelausstellung: Zur Vernissage der Ausstellung „Earthlings“ mit Werken des New Yorker Fotografen Richard Kalvar begrüßen Dr.Nina Mika-Helfmeier (5.v.r.), Leiterin des Monschauer KuK, und Städteregionsrat Helmut Etschenberg (4.v.l.) auch einige Mitglieder der regionalen Gruppe „SHIFT“, deren erste Ausstellung derzeit ebenfalls im KuK zu sehen ist. Foto: Daniel Raab
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Ungewöhnliche Porträts: Marco Rose eröffnet mit seinen Werken die neue Ausstellungsreihe der Gruppe SHIFT im zweiten Stock des KuK. Foto: Daniel Raab

Monschau. Man muss schon genau hinschauen und sich Zeit nehmen, denn der feinsinnige, teilweise leicht diabolische Witz in den Fotografien von Richard Kalvar, eröffnet sich dem Betrachter manchmal erst auf den zweiten Blick.

So steht beispielsweise ein großer Mann in einer Londoner Markthalle vor einem Marktverkäufer und zeigt mit einer Hand bestimmend in eine Richtung. Der Marktverkäufer hört ihm zu; in seiner gesenkten Hand hält er ein Messer. Die Arbeitssituation und der Hintergrund der Begegnung, bestehend aus Kisten und Verpackungen in einer Markthalle, verleihen der wegen des Messers scheinbar „bedrohlichen Situation“ eine absurde und makabre Komik. Kalvar nennt diese 1973 entstandene Arbeit „Arbeitsbeziehungen beim Fish Market“.

Sie ist eine von 90 Fotografien, die in deAusstellung „Earthlings“ im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der Städteregion in Monschau zu sehen ist. Städteregionsrat Helmut Etschenberg und die Leiterin des KuK, Dr. Nina Mika-Helfmeier, haben sie am Sonntag eröffnet.

Hohe Qualität

In seiner Begrüßungsrede lobte Etenschenberg das KuK und seine Ausstellungen und hob hervor, dass er sich hier immer zu Hause fühle. Das KuK habe sich von einem Atelierhaus zum Ausstellungsort internationaler Kunst entwickelt. Die Besucheranzahl bei jeder Ausstellung spräche auch für die Qualität, denn die Menschen kämen gezielt wegen der Fotokunst nach Monschau.

Mika-Helfmeier sagte in ihrer Einführung, dass Richard Kalvar zu den weniger berühmten Künstlern der Magnum Photos Paris gehöre. Zu Unrecht, wie diese Ausstellung beweise. Die Schau mit Schwarz-Weiß-Fotografien zeige Kalvar als einen Meister der menschlichen Alltagsdramen und des richtigen Augenblicks.

„Earthlings“, Erdlinge heißt die Ausstellung, und sein Staunen hat wahrlich ein außergewöhnliches Format. Seine Bilder erzählen feine Miniaturgeschichten. Mit hintersinnigem Humor ausgestattet spürt der Fotograf Richard Kalvar den kleinen, flüchtigen Absurditäten der menschlichen Komödie nach. Die im KuK ausgestellten Fotografien sind meist in großen Metropolen wie New York, Paris, Rom, London oder Tokio entstanden, aber auch Aufnahmen aus Deutschland und Belgien sind in der Ausstellung vertreten.

Wie Kalvar selbst einmal in einem Zeitungsinterview sagte, interessiert ihn die nicht immer einfache, menschliche Interaktion. „Ich muss geduldig sein“, sagte er. Um seine Motive zu finden, ist er mit seiner alten Leica und einem 35-Millimeter Objektiv unterwegs. Dies zwingt den Fotografen, sich direkt – aber möglichst doch unbemerkt – den von ihm porträtierten Menschen zu nähern. Er spiele mit der Wirklichkeit, hat Kalvar einmal gesagt, wobei sich seine „Akteure“ ihrer Rolle nicht bewusst seien“.

Dabei gelingt es ihm meisterhaft, den einen Moment zu erhaschen, der den Unterschied zwischen einem belanglosen Schnappschuss und Meisterwerk ausmacht, das auch noch Jahrzehnte später nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

Führung und Workshop mit Kalvar

Richard Kalvar wird im Rahmen der „Earthlings“-Ausstellung am 5. November eine Führung durch seine Ausstellung anbieten. Darüber hinaus findet am gleichen Tag ein Workshop mit dem New Yorker Fotografen statt. Dieser richtet sich an interessierte Fotografen aus der Städteregion.

Mit der Kalvar-Ausstellung fiel auch der Startschuss für ein neues Projekt des Kunst- und Kulturzentrums, dass eine Art Rückführung zu dessen Anfängen vor 15 Jahren darstellt. Das Projekt heißt SHIFT (www.shift-photo.com) und ist ein im Aufbau befindliches Netzwerk ambitionierter Fotografen aus der Städteregion, das seine Mitglieder untereinander vernetzen und ihnen eine Plattform zur Präsentation ihrer Arbeit geben will. In Zusammenarbeit mit dem KuK und der Städteregion organisiert SHIFT Ausstellungen seiner Mitglieder. Die erste zeigt Arbeiten von Marco Rose. Zu sehen sind in Monschau ungewöhnliche Porträts.

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