Mehr Unfälle auf dem Schulweg: Fahrer haben Kinder oft nicht im Blick

Von: René Benden
Letzte Aktualisierung:
Schulweg
Die Zahl der Unfälle auf dem Schulweg ist im Jahr 2014 deutlich angestiegen. In 65 Prozent der Fälle sind Autofahrer die Verursacher. Foto: dpa

Aachen. Mit gemischten Gefühlen blickt Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach auf die Verkehrsunfallstatistik 2014 in der Städteregion. Vor zehn Jahren habe sich die Kreispolizeibehörde Aachen das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Anzahl der Unfälle mit Toten und Schwerverletzten zu halbieren.

Diesem Ziel sei man inzwischen sehr nahe gekommen, aber „das Jahr 2014 ist ein Rückschlag auf diesem Weg“, räumte Weinspach ein. Rund fünf Prozent mehr Unfälle gab es in der Städteregion, mit insgesamt acht Toten und 292 Schwerverletzten. Sorgen bereitet den Polizisten vor allem die um fast 70 Prozent gestiegene Zahl der Unfälle mit Kindern und eine wachsende Zahl Unfällen die entsteht, weil sich Auto- und Radfahrer wie auch Fußgänger zunehmend im Straßenverkehr von ihren Smartphones ablenken lassen.

Kein angemessenes Verhalten

Aus der Analyse der Zahlen ergeben sich für die Polizei automatisch Arbeitsschwerpunkte für das laufende Jahr. „Wir werden vor allem versuchen, die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Kindern zu reduzieren“, kündigte Bernhard Kleefisch, der Leiter der Direktion Verkehr, an. Dazu werde man mit unterschiedlichen Aktionen an den Schulen der Städteregion versuchen, Kindern Verhaltensregeln für den Schulweg mitzugeben. „Viel entscheidender ist aber“, betonte Polizeipräsident Weinspach, „dass die Autofahrer ihr Verhalten verändern“. Denn über 65 Prozent aller Unfälle auf dem Schulweg im Jahr 2014 seien von den Autofahrern verursacht worden. „Wir stellen einfach fest, dass sich viele Fahrer nicht angemessen verhalten, wenn Schulkinder am Straßenrand sind“, sagte Weinspach.

Ein Problem sei dabei in den vergangenen Jahren auch die wachsende Zahl der Eltern, die ihre Kindern mit dem Auto zur Schule bringen. „Dadurch entstehen auf den Straßen vor den Schulen oft unübersichtliche Situationen, die Unfälle begünstigen“, sagt Kleefisch. Eine Lösung des Problems sei, Elternparkplätze in einiger Entfernung zur Schule einzurichten, die den Autoverkehr vor dem Schulgebäude selbst entspannten.

Sorge bereitet der Polizei auch die zunehmende Ablenkung durch Smartphones im Straßenverkehr. „Die Anzahl der Unfälle, bei denen beispielsweise Autofahrer auf gerader Strecke von der Straße abkommen, weil sie durch ihr Smartphone abgelenkt sind, wächst“, sagte Kleefisch. Doch auch Radfahrer und Fußgänger würden ihre Aufmerksamkeit auf den Straßenverkehr beispielsweise durch Musik stark einschränken. „Vielen scheint dabei nicht klar zu sein, wie gefährlich das ist“, sagt Kleefisch. Untersuchungen hätten ergeben, dass ein Telefongespräch mit einer Freisprecheinrichtung einen Autofahrer in seiner Reaktion genauso beeinflusst wie ein Blutalkoholgehalt von 0,8 Promille.

Projekt mit der RWTH

Nach wie vor ist überhöhte Geschwindigkeit eine der größten Unfallursachen in der Städteregion. In Kooperation mit der RWTH Aachen analysiert die Polizei gerade, wie häufig und in welchen Abständen sie Geschwindigkeitskontrollen machen muss, damit Autofahrer an einer bestimmten Stelle die Geschwindigkeit objektiv drosseln. „Wenn wir die Ergebnisse vorliegen haben, könnte ich mir vorstellen, dieses Projekt auszuweiten, um effektiver Kinder im Straßenverkehr zu schützen“, kündigte Kleefisch an.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert