Maßgeschneidertes Fahrzeug für Pflegedienst gesucht

Von: Lukas Franzen
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Stehen für das Projekt E-Mobilität im Pflegedienst: v. l. Bernhard Verholen (Caritas Aachen-Stadt und Aachen-Land), Michael Schütz (Caritas Schaumberg-Blies), Bernd Merke (Caritasverband Bistum Aachen), Peter Wawrik (Caritasverband Kreis Soest), Thomas Kegler (Caritas Moers-Xanten) und der Streetscooter. Foto: Franzen

Städteregion. Das Weltunternehmen Deutsche Post setzt bereits auf Elektrofahrzeuge made in Aachen. 50 Exemplare werden derzeit in der Zustellung getestet – von der Aachener Streetscooter GmbH entwickelt, von Talbot Services gefertigt. Die nächste Vision: Strombetriebene Autos im Pflegedienst.

In Kooperation mit acht regionalen Caritasverbänden aus den Bistümern Aachen, Trier, Münster sowie des Erzbistums Paderborn hat Streetscooter aus diesem Grund ein Pilotprojekt initiiert. Ziel der Zusammenarbeit ist es, ein maßgeschneidertes Fahrzeug zu entwickeln, das den Anforderungen des Pflegepersonals im täglichen Einsatz gerecht wird. Einen Workshop zu dem Thema veranstaltete dazu der RWTH-Lehrstuhl für E-Mobilität unter Leitung von Professor Achim Kampker, zu dem Entscheidungsträger aller teilnehmenden Caritasverbände kamen.

Workshop am Campus Melaten

Der Workshop, der in dem Logistikcluster des neuen Campus Melaten stattfand, markiere „den Beginn eines gemeinsamen Vorhabens“, sagt Unternehmensberater und Projektleiter Philip Müller. „Die Teilnehmer und wir sind davon überzeugt, dass ein von Beginn an kundenindividuell gebautes Auto der richtige Ansatz auch für den Pflegedienst ist.“ Dabei gelte stets das Motto: „Gut ist gut genug.“ Konkret bedeutet das: Ein ausschließlich für die ambulante Pflege konstruiertes Auto, in dem niemals mehr als zwei Personen gleichzeitig Platz nehmen werden, benötigt nicht mehr als zwei Sitze und zwei Türen. Weil die Türen mehr als 100-mal pro Tag betätigt werden, müssen diese aber wesentlich robuster konstruiert sein als die eines üblichen Autos, um den Verschleiß zu minimieren.

So geht aus den Entwürfen, die auf Basis des Streetscooter-Modells Compact basieren, hervor, dass die vorderen Zugänge eines optimalen Pflegedienstfahrzeuges auf mindestens eine Million-mal Öffnen und Schließen ausgelegt sein müssen.

Ausreichende Ladekapazität

Bei den Zugängen des Laderaums kalkulieren die Planer, dass diese mindestens 250 000-mal geöffnet und geschlossen werden sollten, bevor sich erste Verschleißspuren bemerkbar machen. Weitere Erkenntnisse des Pflegeworkshops sind Verbesserungen in punkto Bodenfreiheit, Handling, Rundumsicht und Laderaumzugang sowie vereinfachte Reparaturmöglichkeiten. Außerdem: Eine ausreichende Ladekapazität und die Berücksichtigung ergonomischer Gesichtspunkte während des täglichen Einsatzes. Insgesamt 1122 Kleinfahrzeuge sind aktuell für die Flotten der teilnehmenden Caritasverbände im ambulanten Pflegedienst im Einsatz.

Das erste Stimmungsbild bei den Caritas-Vertretern fällt positiv aus. Verstärkt auf E-Mobilität zu setzen, sei ein „vernünftiger und richtiger Weg“, sagt Peter Wawrik, Vorstandsvorsitzender der Caritas Soest, der für eine Fahrzeugflotte von 260 Autos verantwortlich zeichnet. „Für unsere Station kann ich mir das durchaus vorstellen.“ Eine „reizvolle Alternative“ sieht auch Peter Verholen, verantwortlich für den Caritasverband Aachen-Stadt und Aachen-Land, in den strombetriebenen Pflegemobilen. Diese könnten nicht nur den aktuellen Fuhrpark, sondern eben auch die Umwelt entlasten und damit einen „ökologischen Beitrag“ leisten.

Fahrbereitschaft gewährleisten

Andere Fragen gilt es aber noch zu klären, zum Beispiel: Wie kann die Fahrbereitschaft der elektronischen Pflegemobile stets gewährleistet werden? Denn für Mitarbeiter, die ihre Fahrzeuge nach getaner Arbeit mit nach Hause nehmen, um ihre Tour am nächsten Morgen von dort aus zu starten, könnte das Aufladen nach Feierabend problematisch werden. Etwa dann, wenn keine öffentlichen Ladestationen frei oder überhaupt vorhanden sind, oder das Aufladen über den eigenen Stromanschluss dadurch erschwert wird, dass sie in der Stadt und dazu noch im vierten Stock wohnen. „Auf keinen Fall dürfen die Autos stehen bleiben“, weiß auch Projektleiter Müller. Zeit sei in der Pflege nun mal alles.

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