Manche Lehrkräfte in der Städteregion vertreten sich selbst

Von: Jutta Geese
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An den Grundschulen in der Städteregion werden sie dringend gebraucht: 15 junge Lehrkräfte treten in der kommenden Woche ihren Dienst an. Am Donnerstag wurden sie im Städteregionshaus willkommengeheißen und vereidigt. Foto: Städteregion/Robert Flader
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Sehen die Grundschulen gut gerüstet: die Schulrätinnen Beatrix Wollgarten (l.) und Petra von Jakubowski (r.), Schulamtsleiterin Ruth Meyering (2.v.l.) und Personalrätin Marga Bourceau. Foto: Geese

Städteregion. Als Ruth Meyering vor vier Jahren die Leitung des Schulamtes übernahm, war Lehrermangel an Grundschulen noch nicht das große Thema. „Damals haben wir den Mediensaal im Städteregionshaus zur Begrüßung der neuen Kolleginnen und Kollegen gebraucht. Denn 40 bis 50 waren es immer. Heute reicht ein kleineres Besprechungszimmer.“

Am Donnerstag sind gerade einmal 15 junge Lehrkräfte für das neue Schuljahr vereidigt worden. 45 Stellen aber waren ausgeschrieben. Dennoch sagt Meyering: „Wir sind zufrieden.“ Und Schulrätin Petra von Jakubowski betont: „Der Unterricht kann planmäßig stattfinden, nicht nur minimalplanmäßig.“

Befristete Verträge

Möglich wird dies, weil Löcher im Personaltableau mit befristeten Maßnahmen gestopft werden können. Etwa mit Seiteneinsteigern, das sind zum Beispiel Frauen und Männer, die zwar kein Lehramtsstudium haben, aber eine pädagogische Ausbildung. Oder mit Kolleginnen und Kollegen, die vorübergehend als Teilzeitkräfte aus dem Ruhestand zurückgeholt werden. „Es gibt sogar eine ganze Reihe von Lehrkräften, die sich selbst vertreten“, sagt von Jakubowski. „Das sind Lehrer in Elternzeit, die das Kollegium mit einer bestimmten Stundenzahl unterstützen.“

Sind das Notlösungen? „Nein“, sagt Beatrix Wollgarten, die für die Eifel sowie Eschweiler und Stolberg zuständige Schulrätin. „Für uns sind das jetzt gute Lösungen.“ Natürlich hänge viel davon ab, wie es den Schulleitungen gelinge, die nur befristet zur Verfügung stehenden Kolleginnen und Kollegen einzubinden. Doch da werde an den Schulen richtig viel geleistet.

Mangelverwaltung

Das sieht auch Marga Bourceau so. Und sie zollt allen, die dafür sorgen, dass der Unterricht an den Schulen planmäßig läuft, ihren Respekt. Aber als Personalratsvorsitzende für Grundschulen in der Städteregion sehe sie die Gesamtsituation naturgemäß etwas kritischer. „Man muss deutlich sagen: Wir verwalten einen Mangel. Viele Lehrkräfte sind mit ihren Kapazitäten am Ende.“

Die wirklich gute Arbeit, die trotz allem an den Schulen geleistet werde, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Probleme gebe. Die Anforderungen an Grundschullehrkräfte seien hoch. Inhaltlich, wenn man an Themen wie Inklusion oder Integration von Kindern mit Migrationshintergrund denkt, aber auch vom zeitlichen Arbeitsumfang her gesehen. So gebe es an Grundschulen die höchste Unterrichtsverpflichtung im Vergleich mit anderen Schulformen.

Es komme nicht von ungefähr, dass landesweit insbesondere ältere Kolleginnen und Kollegen einen Antrag auf Teilzeit gestellt hätten. Diese Anträge aber würden bei beamteten Lehrkräften mit Verweis auf den akuten Lehrermangel in aller Regel abgelehnt, stellt sie fest. Genehmigt werde ein Teilzeitantrag nur, wenn amtsärztlich gesundheitliche Gründe für die Stundenreduzierung bestätigt werden. Bei den angestellten Lehrkräften ist laut Ruth Meyering bislang noch kein Antrag ablehnt worden.

Vertretungslehrer fehlen

Problematisch ist nach Auffassung von Bourceau auch die hohe Zahl von befristeten Einstellungen sowie die Zahl der Quereinsteiger. Auch wenn letztere aus dem pädagogischen Bereich kämen, verfügten sie nicht immer über die in Grundschulen erforderlichen didaktisch-methodischen Qualitäten, sagt sie.

Dass die Lage nicht optimal ist, verhehlen auch die Schulrätinnen nicht. Zumal auch der Vertretungspool nicht besonders üppig besetzt ist. Nur elf von 27 „Feuerwehrstellen“ sind derzeit besetzt. „Spätestens dann, wenn die erste Grippewelle einsetzt, wird es ziemlich kritisch“, prophezeit Personalrätin Bourceau.

Beruf attraktiver machen

Trotz aller personeller Probleme gelingt es den Schulen, nicht nur den Unterricht sicherzustellen, sondern auch „ihr Profil zu realisieren“, stellt von Jakubowski fest. Ob Euregio-Profilschule, Begabtenförderung nach dem Aachener Modell, Schultheatertage oder Förderung von Naturwissenschaft und Technik: In den Schulen werde vieles über das normale Maß hinaus geboten. „Nichts davon fällt hinten über.“

Schulamtsleiterin Ruth Meyering ist froh, dass viele, viele Grundschullehrerinnen und -lehrer so engagiert dabei sind. Und sie weiß auch, dass die Städteregion, was den Lehrermangel betrifft, landesweit gesehen „nicht am schlimmsten dran ist, wir stehen sogar ganz gut da“. Sie hoffe dennoch, „dass es in Zukunft besser wird“. Die jetzt nicht besetzten Stellen werden zum 1. November neu ausgeschrieben, sagt sie. Vielleicht könne die ein oder andere Stelle ja noch besetzt werden.

Die Städteregion sei durchaus attraktiv für junge Leute, meint sie. „Bei uns können sie verschiedene Systeme kennenlernen – von der kleinen Dorfschule bis zur vierzügigen Stadtschule.“ Unter den am Donnerstag vereidigten Junglehrerinnen und -lehrern seien einige, die sogar aus anderen Regionen hierher gekommen seien. „Der Lehrerberuf ist ein Beruf mit Zukunft“, wirbt Meyering. Schließlich steigt die Zahl der Erstklässler wieder. Rund 4500 werden kommende Woche ihre Schullaufbahn beginnen.

Der Lehrerberuf muss aber attraktiver gemacht werden, fordert Bourceau und verweist unter anderem auf die – verglichen mit anderen Schulformen – geringere Bezahlung von Grundschullehrern. Denn der jetzt schon deutliche Personalmangel werde größer werden, sagt sie mit Blick auf steigende Geburtenraten.

Außerdem müssten die Klassenstärken verringert werden, auch, aber nicht nur wegen der Inklusion. Das Land müsse dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen, sagt sie. Notwendig sei eine echte Bildungsoffensive. „Alle sagen es, alle wissen es. Aber in der Praxis erleben wir, dass es zu langsam geht.“.

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