Lücken in der medizinischen Versorgung

Von: Jutta Geese
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Ein Vorbild für die Städteregion? Im Landkreis Wolfenbüttel in Niedersachsen ging im August 2013 die bundesweit erste rollende Arztpraxis als Modellprojekt an den Start. Wirtschaftlich tragfähig war das mit dem Innovationspreis ausgezeichnete Projekt jedoch nicht. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Städteregion. Ist die medizinische Grundversorgung der Menschen in der Städteregion gefährdet? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es derzeit wohl nicht. Aber manch ein Fachmann bezeichnet die Entwicklung als „dramatisch“ – und das betrifft nicht nur die eher dünn besiedelte Eifel.

So berichtete Waldemar Radtke von der AOK in der städteregionalen Gesundheitskonferenz, nach Erkenntnissen seiner Institution liege in den Städten Eschweiler, Baesweiler und Monschau die Versorgungsquote mit Hausärzten derzeit bereits nur zwischen 94 und 98 Prozent. Und Dr. Stefan Hansen von der Ärztekammer verwies darauf, dass in den nächsten fünf, sechs Jahren zwischen 20 und 25 Prozent der niedergelassenen Ärzte in den Ruhestand gehen werden. Und viele werden keinen Nachfolger finden, befürchtet er. Höchste Zeit also, sich des Themas anzunehmen.

Ein Antrag der SPD-Fraktion im Städteregionstag, dem alle Fraktionen zustimmten, hat die Diskussion jetzt ins Rollen gebracht: Die Verwaltung solle mit allen, die für die medizinische Versorgung der Menschen Verantwortung tragen, ein Konzept für die Städteregion entwickeln, auch wenn die Städteregion in dem Bereich de facto nicht zuständig ist. Tatsächlich „liegt der Auftrag eigentlich bei der Kassenärztlichen Vereinigung, wir können nicht in deren Zuständigkeit eingreifen“, bestätigt Thilo Koch vom städteregionalen Gesundheitsamt. „Aber wir können Anreize schaffen, sich damit zu beschäftigen.“

Das sieht Gesundheitsamtsleiter Dr. Hubert Plum genauso, der mit einigen Entwicklungen im Gesundheitssystem gar nicht glücklich ist. Vor allem mit solchen, die eine wohnortnahe Versorgung geradezu aushebeln, wie etwa in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Da seien die Versorgungsregionen so festgelegt worden, dass die Eltern, die in die Behandlung eingebunden sein sollten, viel zu weite Anfahrtswege hätten. „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Plum. „Da muss man dringend nachbessern.“ Den Auftrag der städteregionalen Politik bezieht er denn auch nicht nur auf die hausärztliche Versorgung, sondern auch auf die fachärztliche.

Ein Arbeitskreis mit Vertretern aller im Gesundheitssystem relevanten Gruppen wird sich in den nächsten Wochen und Monaten eingehend mit der Versorgungslage in der Städteregion auseinandersetzen. Zu seinen Aufgaben gehört es unter anderem, festzulegen, welche Einrichtungen und ärztlichen Fachgebiete überhaupt zur medizinischen Grundversorgung gehören. Mit Hilfe der diversen Statistiken und Datensammlungen unterschiedlicher Akteure soll dann eine Bestandsaufnahme vorgenommen werden, um daraus dann ableiten zu können, wo in welchen Fachgebieten und Kommunen eine Unter- oder auch Überversorgung gegeben ist. Zudem soll der Arbeitskreis ermitteln, was wer bereits plant oder vielleicht sogar schon umsetzt zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Menschen zwischen Baesweiler und Monschau. Zudem soll der Arbeitskreis sich mit dem Thema Erreichbarkeit medizinischer Einrichtungen beschäftigen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, welche Entfernung zumutbar ist, sondern auch um die Frage der Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Am Ende steht dann die Entwicklung eines Maßnahmenpaketes samt Handlungsempfehlungen.

Ohne dem vorgreifen zu wollen, ist Dr. Ivo Grebe von der Ärztekammer überzeugt, „dass wir langfristig nicht um den Einsatz von mobilen Arztpraxen herumkommen werden“. Auch die Telemedizin, wie sie derzeit bereits in der Stadt Aachen bei Notfällen eingesetzt wird, wird nach Auffassung der Gesundheitskonferenz eine immer größere Rolle spielen.

Die Klärung der Frage, wie teuer es wird, die medizinische Grundversorgung auch im ländlichen Raum der Städteregion sicherzustellen, und wer das letztlich bezahlen soll, gehört übrigens nicht zum Arbeitsauftrag des Arbeitskreises.

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