Alsdorf - Lucas Leidinger: Ein sehr empfindsamer Schöngeist am Klavier

Lucas Leidinger: Ein sehr empfindsamer Schöngeist am Klavier

Letzte Aktualisierung:
13054398.jpg
Jazz meets Classic mit Matthias Akeo Nowak, Etienne Nillesen, Lucas Leidinger, Eugenia Ottaviano, Amélie Legrand, Lukas Wittermann und Axel Haase (v.l.). Foto: Rikisaburo Sato

Alsdorf. Mit dem Konzert von „Lucas Leidinger Trio & Strings“ endet am 22. Oktober die diesjährige Jazz-Reihe im Energeticon. Der Schlusspunkt wird aus einer ungewöhnlichen Fusion bestehen: aus einem Jazz-Trio (Bass, Klavier, Schlagzeug) und einem klassischen Streichquartett.

Wie es dazu kam und was die Besucher erwartet, erzählt der 27-jährige Kopf des Projekts, Jazz-Pianist und Komponist Lucas Leidinger, im Interview mit Verena Müller.

Herr Leidinger, ist Ihre neue CD nicht schon draußen?

Leidinger: Die wird gerade gepresst. Es stimmt, die sollte eigentlich jetzt schon veröffentlicht werden, aber da ich bald Vater werde, haben wir die Veröffentlichung und die Promo auf Ende Oktober verschoben.

Oh herzlichen Glückwunsch! Cool!

Leidinger: Danke. Hoffentlich schlafe ich dann nicht beim Konzert in Alsdorf ein (lacht).

Ach was, lassen Sie sich nicht verrückt machen. Anstrengend wird es erst, wenn die Zähne kriegen. Aber wir wollten ja eigentlich über Musik sprechen, auch wenn Kinder ein sehr schönes Thema sind.

Leidinger: Ja! Ich bin gespannt, was da auf mich zukommt. Die CD werde ich jedenfalls beim Konzert in Alsdorf schon dabei haben.

Das ist die erste CD mit dieser Besetzung, oder?

Leidinger: Ja.

Ich habe mal reingehört. Im Vergleich zu manchem, was bei vorigen Konzerten der Reihe im Energeticon zu hören war, scheint das – sagen wir – zugänglicher zu sein.

Leidinger: Die Resonanz, dass es zugänglich sei, habe ich von Menschen mit weniger ausgeprägter Hörerfahrung auch bei meinen letzten beiden Konzerten mit dem Projekt bekommen. Das stimmt aber nur zum Teil. Manche Stücke sind sehr komplex, aber ich vermute, dass viele die Musik als zugänglicher empfinden, weil Streicher eine vertraute Klangatmosphäre kreieren und schnell das Herz berühren.

Wie kam es zu dem Projekt?

Leidinger: Die Idee entstand während meines Masterstudiums in Kopenhagen. 2014 habe ich dort auch die ersten Stücke aufgeführt. Das wollte ich in Köln wieder aufnehmen, aber es hat etwas gedauert, bis ich ein Streichquartett gefunden habe.

Und es lief auf das Alinde-Quartett hinaus.

Leidinger: Genau. Ein sehr gutes Streichquartett aus Köln.

Und Sie haben alle Parts geschrieben? Können klassische Musiker eigentlich wie Jazzmusiker improvisieren?

Leidinger: Ja, das habe ich alles geschrieben. Zur zweiten Frage: Für klassische Musiker ist die Improvisation jedenfalls kein Hauptfokus. Über grafische Notationen und schriftliche Anweisungen sind wir an improvisatorischen Stellen jedoch zu einem guten Ergebnis gekommen. Zudem habe ich mich in Kopenhagen intensiv mit klassischen Kompositionen beschäftigt.

Gibt es in Ihren Stücken Anleihen an klassische Werke?

Leidinger: Nicht in dem Sinne, dass ich Fragmente mit eingebaut hätte, nein. Aber ich habe in der Zeit häufig Bartók-Streichquartette gehört oder auch die Musik meines Lehrers Jacob Anderskov, ein dänischer Pianist und Komponist. Das meiste war dabei Learning by Doing, also weniger das Studium von etlichen Partituren, sondern eher ein intuitives Ausprobieren und Forschen mit bestimmten Klangfarben, Stimmungen und Spieltechniken.

Wie kamen Sie zur Musik oder die Musik zu Ihnen?

Leidinger: Ich komme aus einer musikalischen Familie, Musik war bei uns immer präsent. Wir hatten zu Hause ein Klavier stehen, mein Vater wie auch meine große Schwester haben viel gespielt. Mit fünf Jahren begann ich mit Klavierunterricht und fing schon früh an zu improvisieren und mir eigene Stücke auszudenken. In der Pubertät fasste ich dann den festen Entschluss Musiker zu werden.

Interessant. Das hätte auch ganz anders ausgehen können.

Leidinger: Ja, das erlebe ich gerade bei meinen Schülern. In ihren Interessen und der Motivation für Musik unterscheiden sie sich alle sehr.

Wie ging es bei Ihnen weiter?

Leidinger: Zwischen 16 und 20 habe ich sehr viel Klavier geübt. Ich habe dann in Bands mit viel älteren Jazzmusikern gespielt, da es kaum Gleichaltrige in meinem Umfeld gab.

Was macht das mit einem? Wird man da ... merkwürdig?

Leidinger: Ich würde rückblickend sagen, dass ich vielleicht etwas schwermütig war und eine besondere Rolle hatte im Schulumfeld als „der Pianist“. Schließlich habe ich mich meiner musikalischen Entwicklung auch besonders gewidmet mit verschiedenen Lehrern und auch Unterricht in Klassik und Gehörbildung genommen.

Und Köln ist jetzt Ihr Mittelpunkt?

Leidinger: Ja, eine gute Entscheidung. Ich hatte damals die Wahl zwischen Berlin, Amsterdam, Hamburg und Köln und wahrscheinlich wären alle Wege ganz anders und auf ihre Weise gut verlaufen. In Kopenhagen habe ich dann nochmal ganz neue Eindrücke und Perspektiven erlangt. Nun bin ich in Köln wieder angekommen und fühle mich sehr wohl, mit einer Mischung aus musikalischen Projekten, Familie, Unterrichten...

Wohin geht die Reise langfristig? Nicht an die Hochschule?

Leidinger: Das kann ich mir zumindest auch sehr gut vorstellen. Aber so etwas lässt sich schwer planen. Ich lebe lieber im Hier und Jetzt und lasse die Dinge auf mich zukommen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert