Leuchtender Beton mit Disco-Atmosphäre

Von: Berthold Strauch
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Aachen. Strahlendes Glanzzeichen für die Aachener Eliteuniversität: Das RWTH-Institut für Textiltechnik (ITA) hat sein neues Zentrum für Hochleistungsfaser-Materialien eingeweiht, das „Center für High Performance Fibre Materials“ (CFM).

 Das Besondere an dieser auch gestalterisch herausragenden Forschungsstätte: Zum ersten Mal auf der Welt wurde an diesem Gebäude an der Otto-Blumenthal-Straße im Hochschulerweiterungsgebiet Campus Melaten eine „interaktive Lichtbetonfassade“ installiert.

Entwickelt und produziert wurde dieses leuchtende Gütesymbol von der Stolberger Firma Lucem, dessen Geschäftsführer Andreas Royé einst am ITA promoviert hatte. Der bauliche Entwurf des CFM insgesamt stammt vom Aachener Architekturbüro Carpus & Partner.

Und so bedauerte auch die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) ausdrücklich, am Abend zuvor nicht zur offiziellen Präsentation dieser „Lichtwand“ kommen zu können: In die Dunkelheit hinein leuchteten die einzelnen rechteckigen Fassadenelemente in den unterschiedlichsten Farben auf – entsprechend kam damit ein wenig Disco-Atmosphäre auf ...

Die Ministerin nannte das CFM eine „wichtige Brücke in die Anwendung“. Und weiter: „Das Institut erfindet sich immer wieder neu!“ Sieben Millionen Euro hat das Land unter Beteiligung der Europäischen Union für den Bau des CFM zugeschossen. Unterm Strich wurden acht Millionen Euro investiert, wobei den Rest das Institut selber aufbringen musste, wie dessen Direktor Professor Thomas Gries erläuterte.

Mit dem Zentrum werde eine „relevante Lücke der Forschungs-Infrastruktur in NRW im Bereich der Hochleistungsfaser-Materialien und deren Verarbeitung geschlossen“, machte er deutlich. Das CFM habe den Auftrag, den Technologietransfer zwischen wissenschaftlicher Forschung und industrieller Entwicklung zu beschleunigen. Mit diesem modellhaften Ansatz werde die „mittelständisch geprägte Industrie des Landes im globalen Wettbewerb gestärkt“, hieß es weiter. Hierzu will der Professor seine Einrichtung als „kompetenter Innovations-Dienstleister anbieten“. Dabei machte er aus seiner Freude keinen Hehl: „Wie die Schneekönige“ habe sich die ganze ITA-Mannschaft gefreut, als für das im Jahre 2008 aufgesetzte Bauprojekt der Bewilligungsbescheid gekommen sei. Nach einjähriger Bauzeit wurde das CFM fertiggestellt.

Dies soll nach dem Willen von Gries allerdings nur ein Zwischenschritt sein. Vor der Presse sprach er gestern von weiteren baulichen Wünschen des Instituts, das rund 300 Mitarbeiter zählt, darunter 90 Wissenschaftler. Ein entsprechendes Exposé sei bereits erstellt worden, das er der Ministerin „in die Hand drücken“ wolle. Für die Nutzung im Blick hat der Professor zum Beispiel die stärkere Bearbeitung von Fragen zum Thema Leichtbau, dabei speziell mit nachwachsenden Rohstoffen. Zudem werde über ein „Greenlab“ im Campus-Bereich nachgedacht.

Eine bauliche Aufstockung des Instituts unter Verwendung von Faserverbundwerkstoffen kalkuliert Gries mit etwa fünf Millionen Euro. Ferner ist ein weiterer Neubau mit 8,5 Millionen Euro veranschlagt, zusätzlich das „Greenlab“ mit circa 30 Millionen Euro. Insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit vielen anderen Instituten der RWTH soll dabei auf die Fahnen geschrieben werden. „Die Quelle für Innovationen“, so formulierte es Gries, „liegt im Miteinander der Disziplinen.“

14 Millionen Euro Umsatz

Dabei kann das ITA durchaus mit reichlich Kraft voranmarschieren, wie Harald Cremer, Manager des NRW-Landesclusters „Nano-Mikrowerkstoffe“, bei der Einweihung deutlich machte: Denn immerhin sei das ITA „das drittmittelstärkste Institut der RWTH“ – sprich: Dort wird die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen besonders groß geschrieben. Cremer sprach von einem Institutsumsatz von 14 Millionen Euro.

Besonders stark setzt die Automobilindustrie auf Forschung gemeinsam mit den Aachener Textil-Spezialisten. Dabei geht es um die industrielle Verfügbarkeit von leichten Hochleistungswerkstoffen wie etwa Carbon. Intensiv einbezogen sind dementsprechend auch Flugzeugbauer, zu deren wichtigsten Anliegen die Gewichtsersparnis gehört, um den Kerosinverbrauch einzugrenzen. Die CFM-Experten können dementsprechend dafür „die komplette Prozesskette abbilden“, wie es Professor Gries formulierte.

Gäste der CFM-Einweihung waren unter anderem RWTH-Prorektorin Doris Klee, Aachens Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer (CDU), FH-Rektor Professor Marcus Baumann und Michael F. Bayer, künftiger Hauptgeschäftsführer der Aachener Industrie- und Handelskammer.

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